Streit um Vorstandsvorsitz veranlasst Corporate-Governance-Experten zu scharfer Kritik
Gründer-Neffe wird Chef von Accor

Der Aufsichtsrat des französischen Hotelkonzerns Accor hat gestern wie erwartet Gilles Péllisson zum neuen Konzernchef berufen. Der Manager, der derzeit noch Chef von Bouygues Télécom ist, ist der Neffe von Accor-Mitgründer Gérard Péllisson.

PARIS. Dieser gab zudem gestern seinen Vorsitz des Aufsichtsrates ab – ab 3. Januar 2006 wird Serge Weinberg, der Chef des Einzelhandelskonzerns Pinault-Printemps-Redoute, das Gremium führen.

Die von den beiden Konzerngründern Gérard Péllisson und Paul Dubrule durchgesetzte Berufung von Gilles Péllisson war hoch umstritten. Die Vorgänge um die Neubesetzung der Accor-Spitze haben in Frankreich eine Debatte um die Einhaltung der Regeln für die korrekte Unternehmensführung, Corporate Governance, ausgelöst. „Das Vorgehen der beiden Konzerngründer, selbst den Vorstandschef bestimmen zu wollen, folgt der Logik eines Familienunternehmens. Dabei ist Accor ein börsennotierter Konzern. Hier ist solch ein Vorgehen unpassend“, urteilt Pierre-Yves Gomez, Leiter des Instituts für Unternehmensführung an der Management-Schule EM Lyon.

Um eine Palastrevolte zu verhindern, fordert Aktionärsschützerin Colette Neuville die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung. „Um dies zu erreichen, bin ich bereit, die Justiz einzuschalten“, sagte Neuville der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“.

Nach langen Diskussionen hatte der Aufsichtsrat gestern Abend den Nachfolger des scheidenden Vorstandschefs Jean-Marc Espalioux benannt. Accor ist Europas größter Hotelkonzern mit Marken wie Mercure, Ibis und Sofitel.

Vor der Aufsichtsratssitzung hatten das staatliche Finanzinstitut CDC sowie die Banken BNP Paribas und Société Générale, die rund zehn Prozent an Accor halten, den Auswahlprozess kritisiert. Auch der mit der Nachfolgersuche beauftragte Headhunter Russell Reynolds schloss sich der Kritik an.

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