Strenesse
Ein Niederländer shoppt das Luxuslabel

Noch steckt der Luxusmodekonzern Strenesse in der Insolvenz in Eigenregie. Doch nun hat der niederländische Investor Maeg Gefallen an der Modemarke gefunden – und will sie kaufen. Einen neuen Chef bringt er auch mit.

StuttgartWas lange währt, wird wohl endlich gut: Nachdem das Luxusmodeunternehmen Strenesse vor mehr als zwei Jahren die Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet hatte, steigt nun ein Investor ein. „Wir sind sehr froh, dass wir mit dem Family Office Maeg Holding in Amsterdam einen finanziell sehr soliden Investor und mit Reiner Unkel einen sehr erfahrenen Modefachmann  gewinnen konnten“, sagte der bisherige Vorstand Gerhard Geuder dem Handelsblatt.

Alle 240 verbliebenen Mitarbeiter des Unternehmens aus Nördlingen in Nordbayern sollen vom neuen Investor übernommen werden. Hinter der Maeg Holding stehe keine deutsche Familie, sondern eine aus Europa, ist zu hören. Das Unternehmen will in den Luxus- und Premiummarkt investieren und bereitet zwei weitere Akquisitionen vor. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Der neue CEO Reiner Unkel, 58, lobte den neuen Investor als „einen Eigentümer, der strategisch denkt und langfristig orientiert ist“. Unkel kündigte an, die Marke zu ihren Wurzeln zurückzuführen. Er beschreibt Strenesse als „eine Marke, die Trends setzt und den Nerv der Zeit trifft, die ebenso klassisch wie sexy ist, die auch einmal provoziert, aber immer feminin, sinnlich und tragbar bleibt.“

Unkel will den Vertrieb modernisieren und vor allem weiter digitalisieren. Außerdem kündigte er die Internationalisierung der Marke und die Erschließung neuer Märkte an. Strenesse betreibt heute acht eigene Läden in Deutschland. Unkel will auch die frühere Zweitmarke „Strenesse Blue“ wiederbeleben. Mit der günstigeren Linie will er junge Kunden zurückgewinnen.

Viele Marken von Gerry Weber bis Escada kämpfen darum, wieder auf Erfolgskurs zu kommen. Die starke Filialisierung und die Macht der vertikal integrierten Ketten wie Zara machen ihnen zunehmend zu schaffen.

Vor drei Jahren hatte Strenesse die Zweitmarke wegen großer Schwierigkeiten gestrichen. Die von der Familie Strehle gegründete bayerische Modemarke hatte sich mit einer zu breiten Kollektion übernommen und war im Geschäftsjahr 2013/14 in die roten Zahlen gerutscht. Im April 2014 musste Strenesse ein sogenanntes Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anmelden. Es ist der Versuch, sich in Eigenregie zu sanieren.

Interimsvorstand Geuder und der Sanierungsexperte Marcus Katholing von der Kanzlei Pluta haben in den vergangenen zwei Jahren die Kosten um rund 40 Prozent gesenkt, sich von Mitarbeitern getrennt und wieder einen ausgeglichenen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen Ebitda erreicht. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei rund 35 Millionen Euro.

Geuder hatte letztes Jahr bereits fast einen Abschluss mit einem Investor in der Tasche. Der Verkauf an eine Investorengruppe, zu der auch S.Oliver-Inhaber Bernd Freier gehört, scheiterte im letzten Moment, obwohl es „endverhandelte und unterschriftsreife Verträge“ gab, wie Geuder damals sagte. Aber die Familie Strehle soll sich damals dagegen ausgesprochen haben.

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Schulden sollen in Eigenkapital umgewandelt werden

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