Stromausfall
Deutschlands Nachbarn fordern eine bessere Koordinierung

Der Stromausfall vom vergangenen Samstag hat in Europa neue Besorgnis darüber ausgelöst, dass die Energieversorger möglicherweise zu wenig in ihre Transport- und Produktionskapazitäten investieren. Manager der Energie-Industrie rufen nach einer besseren Koordinierung der Netze auf europäischer Ebene.

ali/kk/scm PARIS/MAILAND/MADRID. In rund zehn Millionen Haushalten in Westeuropa war wegen eines Netzproblems in Deutschland am Samstag Abend für rund eine Stunde der Strom ausgefallen.

„Auf der Stelle muss in neue Produktions- und Transportkapazitäten investiert werden, andernfalls laufen wir Gefahr, in den kommenden Jahren häufiger größere Pannen zu erleben“, warnt André Merlin, Chef des französischen Netzbetreibers Réseau français de distribution d’électricité (RTE). In Frankreich waren fünf Millionen Haushalte zeitweise ohne Strom. Damit war das Land von dem deutschen Netzproblem am stärksten betroffen.

In der französischen Politik versuchten die unterschiedlichen Strömungen, die Strompanne jeweils für sich auszuschlachten: Die oppositionellen Sozialisten sehen in dem Stromausfall die Folgen der Privatisierung des Energiesektors. Dagegen sieht sich die Regierung in ihrem Bestreben bestärkt, mit der Fusion von Suez und Gaz de France einen neuen Champion zu schaffen, der die finanzielle Kraft hat, die notwendigen Investitionen in Produktion und Infrastruktur zu stemmen.

RTE-Chef Merlin räumt indes ein, dass die Hindernisse beim Netzausbau nicht immer finanzieller, sondern oft auch verwaltungstechnischer Natur sind. So wollte RTE zum Beispiel eine neue Hochspannungsleitung in der Region um Nizza errichten. Umweltschützer klagten bis zum höchsten Verwaltungsgericht, das das Projekt schließlich stoppte.

Merlin und Industrieminister François Loos fordern nun die Schaffung einer europäischen Koordinierungsstelle für Stromtransport. Damit soll der grenzüberschreitende Stromtransport besser mit Angebot und Nachfrage koordiniert werden.

Ähnliche Forderungen werden auch in Italien laut: Umberto Quadrino, der Vorstandsvorsitzende von Edison, des zweitgrößten Energieunternehmens, erklärte: „Europa müsste seine Autorität auf dem Feld der Energieversorgung einfordern.“

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