Studie beschreibt Trendwende in der Firmenstrategie
Stadtwerke erzeugen Strom oft wieder selbst

Auf steigende Rohstoffpreise für Kohle und Gas reagieren viele Stadtwerke mit einer neuen Beschaffungsstrategie. Im Zuge der Liberalisierung 1998 und sinkender Stromkosten hatten viele Unternehmen ihre Eigenerzeugung zurückgeschraubt. Heute setzen wegen geänderter Rahmenbedingungen immer mehr Stadtwerke wieder auf die Eigenproduktion, um von Marktentwicklungen unabhängiger zu sein.

HB KÖLN. Es käme einer Rückbesinnung gleich: Während noch 1997 nach einer Studie der Unternehmensberatung A. T. Kearney fast 29 Prozent der Stadtwerke ihren Strom selbst produzierten, sind es aktuell nur rund 17 Prozent. „Im Zuge neuer Strategien könnte der Anteil bis 2007 wieder auf mehr als 20 Prozent wachsen“, sagt Florian Haslauer, Mitglied der Geschäftsleitung von A. T. Kearney im Bereich Energie- und Versorgungswirtschaft.

Auf diese Weise wollen die Stadtwerke Kosten und Margen optimieren sowie die Unabhängigkeit von Drittanbietern sicherstellen, so Haslauer. Einige Stadtwerke ziehe es aber auch ins Handelsgeschäft, um zusätzliche Gewinne zu erzielen. Geplante Kooperationen mit anderen Stadtwerken oder spezielle Erzeugungsallianzen könnten helfen, die hohen Investitionskosten besser zu bewältigen.

Friedhelm Rieke, Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, bestätigt die Trends: „Die Strombeschaffung ist in Zeiten stabil hoher Preise zur Existenzfrage geworden, Portfolio- und Risikomanagement werden immer wichtiger.“ Zu Beginn der Liberalisierung hätten viele Stadtwerke die Stromerzeugung angesichts dramatisch fallender Preise noch als Klotz am Bein empfunden, heute würden eigene Kraftwerke aber zunehmend als Wettbewerbsvorteil betrachtet. „Sie sind Voraussetzung dafür, Wachstum zu erzeugen und sich auf lange Sicht gegenüber großen Konkurrenten zu behaupten“, sagt Rieke.

Freilich seien nur wirtschaftlich zu betreibende Kraftwerke mit hohen Wirkungsgraden sinnvoll, sagt Rieke. Die erzeugte Energie solltezudem ertragsfördernd vermarktet werden können.

Mit einer Beteiligung am Kernkraftwerk Grohnde, am Kraftwerk Veltheim und einer Müllverbrennungsanlage sowie mit dem Betrieb eines eigenen Heizkraftwerks beziehen die Stadtwerke Bielefeld den Strom überwiegend aus eigenen Quellen. „Das stellt heute noch eine Ausnahme dar“, sagt Geschäftsführer Rieke. Doch bei der Errichtung neuer Kraftwerke spielen Stadtwerke nach A. T. Kearney-Angaben bereits eine wichtige Rolle: „Von den acht in Deutschland im Bau befindlichen Kraftwerken sind bei sieben Stadtwerke beteiligt oder Hauptträger“, sagt Energieexperte Matthias Cord aus der A. T. Kearney- Geschäftsleitung. Der bei etwa acht Prozent liegende Anteil der Stadtwerke an der installierten Kraftwerksleistung in Deutschland werde nach der Fertigstellung dieser Kraftwerke von 9,7 auf etwa 10,9 Gigawatt ansteigen.

Laut Haslauer und Cord hängt die Frage der Strombeschaffung eng mit der Größe des Stadtwerks zusammen: Für kleinere und mittlere Stadtwerke sei statt der Eigenerzeugung eher die risikominimierte Beschaffung von einem oder wenigen Lieferanten die Erfolg versprechende Strategie. Für mittlere Stadtwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und für große Stadtwerke böten steigende Großhandelspreise und die KWK-Förderung dagegen interessante Optionen für die Eigenerzeugung. Hier seien allerdings Kraftwerks-Know-how und Kenntnisse im Großhandelsmarkt erforderlich. „Durch Partnerschaften und Gemeinschaftskraftwerke kann fehlende Größe zum Teil ausgeglichen werden“, so Haslauer.

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