Studie des Luftfahrtverbands
Das Flugzeug als Oase der Ruhe

Ruhe, bitte! Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die Fluggäste keine Telefonate an Bord wünschen. In der Luft surfen sie viel lieber im Internet. Die Airlines haben den Trend offenbar erkannt.
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DüsseldorfWer als Pendler täglich in einen vollen Regionalzug einsteigt, kennt das Phänomen: Die Türen sind noch nicht geschlossen, die letzten Sitze noch nicht belegt, da zückt gefühlt jeder Dritte sein Handy. „Bin gerade im Zug“, heißt es dann, oder die Geräte pfeifen von jeder Ecke – und die Fahrgäste ohne Telefon in der Hand schütteln genervt den Kopf.

In der Luft sind sie offenbar in der Überzahl: Im Flugzeug befürworten nur wenige Passagiere das Telefonieren. Gerade einmal 13 Prozent sprachen sich in einer aktuellen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen dafür aus. „Das zeigt, dass das Flugzeug auch als Rückzugsort gesehen wird, an dem man ungestört reisen möchte“, sagte Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), der die Befragung in Auftrag gegeben hat. „Nicht jede technische Neuerung muss also überall verfügbar sein“, so Siegloch.

Weitaus wichtiger war den Befragten hingegen das Surfen an Bord. 40 Prozent würde gerne das Internet in der Luft nutzen, fand der „Verbraucherreport 2014“ des BDL heraus – und zeigt damit, dass die Fluggesellschaften mit ihrer Politik richtig liegen. Denn immer mehr Airlines setzen auf WLAN an Bord, immer öfter dürfen zudem elektrische Geräte auch bei Start und Landung im Flugmodus angelassen werden.

Seit März ist das zum Beispiel auf viele Flügen der Lufthansa möglich. Zuvor wurde befürchtet, dass Smartphones oder Tablets die empfindliche Elektronik der Flugzeuge stören. Surfen ist im Flugmodus über den Mobilfunk natürlich nicht möglich. Aber viele Airlines bieten über den Wolken Netzzugänge gegen Bezahlung an – bei der Lufthansa wird das unter dem Markennamen „Flynet“ vermarktet. WLAN an Bord könnte für die Airlines in Zukunft zu einem Zusatzgeschäft werden.

Besonders wichtig beim Flug ist den Passagieren der Umfrage zufolge das Sicherheitsgefühl (97 Prozent). Die Sauberkeit an Bord, die Freundlichkeit des Personals und das Preis-Leistungsverhältnis folgen mit geringen prozentualen Abschlägen.

Überraschend: Das Unterhaltungsprogramm an Bord ist den Fluggästen mit 31 Prozent weniger wichtig als die Internetverbindung. Und bei der BDL-Untersuchung springt noch ein weiterer Punkt ins Auge: „90 Prozent der Fluggäste waren mit ihrem letzten Flug zufrieden oder sehr zufrieden – das ist ein neuer Spitzenwert“, sagte Siegloch. Dabei wurde ausschließlich nach den Erfahrungen beim letzten Flug gefragt, um das Bild nicht durch besonders positive oder negative Erfahrungen in der Vergangenheit zu verzerren, schreiben die Autoren.

Für den „Verbraucherreport“ hat die Forschungsgruppe Wahlen insgesamt 1042 Bürger und Bürgerinnen befragt, die in den vergangenen zwei Jahren geflogen sind.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst

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