Studie
Kaufrausch statt Krise

Abschwung, Stagnation oder schon Aufschwung? Während die Konsumgüterhersteller noch pessimistische Töne anstimmen, sind die Verbraucher überraschend zuversichtlich. Nach einer Studie von Alix Partners glaubt eine deutliche Mehrheit der Deutschen, dass sie von der Krise weitestgehend verschont bleibt.

DÜSSELDORF. Deutschlands Konsumenten trotzen allen Experteneinschätzungen und kaufen die Regale leer. Sie sind damit deutlich optimistischer, als Käufer im Rest Europas. Während in Frankreich oder Großbritannien den Kunden die Krise längst die Kauflaune verdorben hat, konsumieren die Deutschen weiter. Sie vertrauen, ergab eine gestern vorgestellte Studie der Unternehmensberatung Alix Partners, der Stärke ihrer Volkswirtschaft. Zwei Drittel glauben, dass die deutsche Wirtschaft wieder wächst oder zumindest das aktuelle Niveau halten kann. Konsumgüterkonzerne und Einzelhandel dagegen stellen sich auf ein schwaches Jahresende ein.

"Wir waren überrascht, wie positiv die Lage bei den Verbrauchern in Deutschland beurteilt wird und wie optimistisch sie im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn sind", sagt Detlev Schauwecker, Partner bei der Beratungsgesellschaft AlixPartners. Die Mehrheit der Konsumenten (72 Prozent) rechnet demnach für die nächste Zeit mit einer gleichbleibenden oder sich sogar noch verbessernden privaten finanziellen Situation und erwartet ein baldiges Ende der Rezession. In Italien und Großbritannien hat sich die Lage dagegen bei fast der Hälfte der Befragten verschlechtert. "Bei vielen deutschen Verbrauchern", so Schauwecker, "ist die Krise nicht angekommen, sie haben ihre Ausgaben nur prophylaktisch zurückgefahren." Im September hatte bereits die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung einen Jahreshöchstwert bei der Verbraucherstimmung gemessen.

Das mit der Krise sei wie bei einem Sommergewitter, folgert Detlev Schauwecker: Man sitze im Garten, räume bei den ersten dunklen Wolken vorsichtshalber alles zusammen und am Ende fielen dann doch nur ein paar Tropfen.

Das freilich gilt nur für Deutschland. Im Rest Europas hagelt längst ein dicker Schauer auf Einzelhandel und Konsumgüterkonzerne nieder. Während in Deutschland nur ein Viertel der Befragten angab, ihre persönliche finanzielle Situation habe sich aufgrund der Krise verschlechtert, spürte in Italien und Großbritannien fast die Hälfte die Folgen der Rezession im Portemonnaie. Auch in den USA hat sich die Einstellung zu Risiko, Schulden, Sparen und Konsum dramatisch verändert. Statt auf Konsum setzen die Amis jetzt auf Investitionen in die Altersvorsorge.

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