Studie: Ungerechtfertigte Preiserhöhungen
Deutsche zahlen zu viel für Stromnetz-Entgelte

Die vier Stromversorger RWE, Vattenfall, Eon und EnBW haben einem Gutachten zufolge in den vergangenen Jahren durch ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu hohe Netzentgelte kassiert. Dies habe zu Erlösen von insgesamt 664 Mill. Euro geführt, berichtete der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) und der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) als Auftraggeber des Gutachtens am Dienstag in Berlin.

HB BERLIN. Bei den vier großen Stromkonzernen in Deutschland habe es hier ungerechtfertigte Preiserhöhungen von 37 Prozent gegeben, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Gutachten. Im Vergleich zu anderen europäischen Stromnetzbetreibern lägen sie damit etwa doppelt so hoch. Die Netzentgelte sind für etwa ein Drittel des gesamten Strompreises verantwortlich. Für den Haushaltskunden bedeuteten die Aufschläge etwa einen um vier bis fünf Prozent zu hohen Strompreis, hieß es.

Der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) wies die Kritik der Verbände zurück. „Die Entgelte sind seit 2002 im Bundesdurchschnitt weitgehend stabil geblieben“, sagte VDEW-Hauptgeschäftsführer Eberhard Meller. Die Netzkosten lägen im europäischen Mittelfeld. Er betonte, die Stromunternehmen bräuchten auskömmliche Entgelte, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Auch Eon und EnBW erklärten, sie könnten die Vorwürfe nicht nachvollziehen.

Die beiden Verbände VIK und BNE forderten die Bundesnetzagentur zu einer gründlichen Prüfung auf. Der VIK ist die gewichtige Interessenvertretung von Energiekunden aus Industrie und Gewerbe. Der BNE vertritt netzunabhängige Lieferanten und Energiehändler.

VIK-Geschäftsführer Alfred Richmann sagte mit Blick auf die Studie, die Frage stelle sich nun, ob das zu viel gezahlte Geld zurückgefordert werden könne. Die Durchleitungspreise unterliegen künftig der Kontrolle durch die Bundesnetzagentur. „Wir hoffen, dass wir mit dem Gutachten der Netzagentur helfen“, sagte Richmann.

Das Hochspannungs-Übertragungsnetz in Deutschland ist im Wesentlichen in Händen der vier großen Stromkonzerne RWE, Eon, Vattenfall Europe und EnBW. Richmann wies darauf hin, dass in der Studie nur die Preisentwicklung auf der Hochspannungsebene untersucht wurden. Wie dann etwa Stadtwerke auf den unteren Spannungsebene die Netzpreise kalkuliert hätten, müsse daher gesondert geprüft werden.

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