Studie
Unternehmensberater stehen in der Kritik

Immer häufiger werden externe Berater mit der Bewertung von Übernahmeangeboten beauftragt. Doch einer Studie zufolge bestehen in vielen Fällen Interessenkonflikte. Diese lassen Zweifel an der Unabhängigkeit der Berater aufkommen.

FRANKFURT. Per Gesetz müssen die Gremien eines Unternehmens bei öffentlichen Offerten eine Stellungnahme abgeben. Nach einer Untersuchung der HHL Leipzig Graduate School of Management wurden hierfür 2007 von externen Banken oder Beratern 22 sogenannte Fairness Opinions angefertigt. Dies entspricht knapp der Hälfte der Fälle. Die Gutachter prüfen die Angemessenheit des Angebots und dienen damit auch der Absicherung von Vorstand und Aufsichtsrat gegenüber Aktionärsklagen.

Allerdings ist der Studie zufolge in mehr als jedem vierten Fall der Ersteller der "Fairness Opinion" bereits beratend bei der Übernahme tätig. In weiteren 36 Prozent bleibt unklar, ob ein Mandat existiert. Folglich bestehen im Extremfall in fast zwei Dritteln aller Fälle Zweifel an der Unabhängigkeit. Denn es gilt als äußerst unwahrscheinlich, dass beispielsweise eine erfolgsabhängig honorierte Investmentbank tatsächlich Bedenken an einer Transaktion anmeldet, die sie zuvor mit eingefädelt hat. Kritiker sehen deshalb in Fairness Opinions vor allem einen zusätzlichen Ertragspool für Investmentbanken.

HHL-Professor Bernhard Schwetzler will so weit nicht gehen, spricht aber zumindest von "einem Spagat". Zwar sei es auch künftig kaum durchsetzbar, Banken, Wirtschaftsprüfer und Berater dazu zu verpflichten, die Erstellung einer Fairness Opinion zu verzichten, wenn sie bereits zuvor beraten hätten. Solche potenziellen Interessenkonflikte müssten aber zumindest offengelegt werden.

Christian Aders von der Beraterfirma Duff & Phelps rechnet ungeachtet der Kritik mit einer Zunahme von Fairness Opinions. Mittlerweile holten selbst Private-Equity-Fonds bei Transaktionen eine zweite Meinung ein. So habe jüngst KKR bei der Eigenkapitalspritze für Auto-Teile Unger ein zusätzliches Bewertungsgutachten erstellen lassen. Branchenweiter Treiber sei nicht zuletzt die Sorge der Manager vor Aktionärsklagen.

Hans G. Nagl
Hans G. Nagl
Handelsblatt / Senior Financial Correspondent
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