Stürmisches Wachstum
Deutschland - das Eldorado für Pakete

In Deutschland haben Zustelldienste es so gut wie fast nirgendwo auf der Welt. Denn über mangelnde Geschäfte können Marktführer Deutsche Post und seine Konkurrenten nicht klagen. Vor allem der Internethandel boomt.
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DüsseldorfDie Lage für die meisten Zustelldienste ist weltweit derzeit eher schlecht. Wer in den vergangenen zehn Jahren sein Geschäftsmodell nicht schnell genug auf den elektronischen Kommunikationsweg umstellte, zählt heute - weil üblicherweise in Staatsbesitz - zu den Untoten der Branche.

Deutlich besser ist die Situation in Deutschland. Zu den Gewinnern zählt hier etwa der ehemalige Staatskonzern Deutsche Post. Auch ihm hatte der Vormarsch des Internets zunächst schwere Sorgen bereitet - und das nicht ohne Grund: Zwischen 2006 und 2010 verlor der Dax-Konzern ein Zehntel seines traditionellen Zustellgeschäfts.

Die Aufhebung des Briefmonopols 2008 drohte das einstige Kerngeschäft zu einem Verlustbringer werden zu lassen, das Ende des Mehrwertsteuer-Privilegs brachte 2010 die Marge zusätzlich in Gefahr. Kein Wunder, dass Vertreter großer Aktienfonds bald forderten, das Briefgeschäft so schnell wie möglich abzustoßen.

Post-Chef Frank Appel blieb stur und behielt am Ende recht. Zwar sank der Umsatz bei der Briefzustellung im vergangenen Jahr weiter - diesmal um 162 Millionen auf 5,36 Milliarden Euro. Gleichzeitig aber verschaffte das wachsende Paketgeschäft der Sparte unterm Strich ein Plus. 243 Millionen Euro mehr als im Vorjahr kassierte die Post dort als Porto, wodurch die deutsche Paketzustellung 3,18 Milliarden Euro einbrachte.

Den stetigen Verfall der Rendite konnte die Deutsche Post damit stoppen. Schon seit zwei Jahren kommen im Briefgeschäft konstant 1,1 Milliarden Euro Betriebsgewinn zusammen - und dabei soll es, so Appel, auch in den nächsten Jahren bleiben.

Zu verdanken haben dies die Bonner dem stürmischen Wachstum im Onlinehandel. Für 21,7 Milliarden Euro hatten Deutschlands Verbraucher allein im vergangenen Jahr bei Internetläden geordert - und damit die Gesamtsumme um 18,5 Prozent erhöht. Nach Ansicht des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BVH) in Berlin soll es im laufenden Jahr mit fast demselben Wachstum weitergehen.

Kommentare zu " Stürmisches Wachstum: Deutschland - das Eldorado für Pakete"

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  • @ arrogant.

    Stimmt á nicht. Die Post hat gar keine eigene Filiale mehr. Wo noch überhaupt gehöhren die der Postbank! Hätten Sie den Artikel gelesen hätten Sie vielleicht gemerkt, dass die Zahl der Filalpunkte von 12 auf 20 Tausend anstieg.

    Gott sei Dank macht die Post es nicht mehr selbst. Das ist viel billiger. Die Verluste wollen wir wirklich nicht mehr tragen.

  • Ich finde es auch schade, dass die Post selbst in großen Städten ihre historischen Filialen irgendwelchen Heuschrecken zum Fraß vor die Füße wirft.
    Allerdings kann ich verstehen, dass man sich aus kleinen Ortschaften vollständig zurück zieht, wo auch der letzte Supermarkt und die letzte Apotheke aufgrund des absurden Einkaufsverhaltens der autosüchtigen Bevölkerung schließen musste.

  • Schade: kein Wort mehr darüber, dass die Post auf dem "flachen Land" praktisch nicht mehr präsent ist. Privates Unternehmen hin oder her, in Orten mit unter 3000 Einwohnern gibt es keine Filialen mehr. Auch die Anzahl der Filialen in kleinen Läden ist weggebrochen.

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