Stuttgart 21

Politik beißt bei Stresstest II auf Granit

In knapp vier Wochen werden die Ergebnisse des Stresstests zum geplanten Stuttgarter Tiefbahnhof vorgestellt - wie in der Schlichtung vereinbart. Die Gegner lassen nichts unversucht, das Milliardenprojekt zu kippen.
8 Kommentare
Stuttgart 21: Der Umbau des Kopfbahnhofs bleibt umkämpft. Quelle: Reuters

Stuttgart 21: Der Umbau des Kopfbahnhofs bleibt umkämpft.

(Foto: Reuters)

StuttgartDer Zoff um Stuttgart 21 nimmt kein Ende: Die Bahn als Bauherr des umstrittenen Milliardenprojekts lehnte am Sonntag einen Vorschlag von Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) für einen Stresstest II strikt ab. Ein Bahnsprecher reagierte mit „völligem Unverständnis“ auf den von Hermann angeregten Leistungstest für den bestehenden Kopfbahnhof. „Im letzten Lenkungskreis wurde verbindlich verabredet, die Ergebnisse des Stresstests zum geplanten Tiefbahnhof am 14. Juli vorzustellen“, sagte der Bahnsprecher in Berlin. Dies entspreche auch den Vereinbarungen der Schlichtung unter Heiner Geißler. „Es gibt über einen zweiten Stresstest auch keine Verhandlungen.“

Die Bahn will die Bauarbeiten am Montag fortsetzen - geplant ist der Aufbau von Rohrleitungen zum Grundwassermanagement. Proteste der Gegner werden erwartet. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) will am Dienstag beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim Eilantrag auf einstweilige Anordnung gegen den Weiterbau stellen. Die Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender bestätigte am Samstag einen Bericht der „Stuttgarter Zeitung“.

„Für den bestehenden Kopfbahnhof ist ebenfalls ein Leistungstest erforderlich, um realistische Vergleichswerte zum geplanten Tiefbahnhof zu bekommen“, sagte Hermann der Nachrichtenagentur dpa in Stuttgart. Die Bahn hatte sich bereits in der Schlichtung unter Heiner Geißler verpflichtet, mit einem Stresstest nachzuweisen, dass in dem geplanten unterirdischen Tiefbahnhof in Spitzenzeiten mit guter Betriebsqualität 30 Prozent mehr Züge als im denkmalgeschützten Kopfbahnhof (Baujahr 1922) verkehren können.

Am 14. Juli werden die Ergebnisse der Betriebssimulation für den geplanten neuen Bahnhof vorgestellt. Moderator der im TV-Sender Phoenix live übertragenen Veranstaltung aus dem Stuttgarter Rathaus ist wieder Schlichter Geißler. Die Bahn ist überzeugt, dass die neue achtgleisige Durchgangsstation wesentlich effektiver ist als der jetzige Hauptbahnhof mit seinen 16 Gleisen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) wies im Südwestrundfunk (SWR2) darauf, dass die Ergebnisse des Stresstests noch nicht vorlägen und ein Weiterbau deswegen „unvernünftig“ sei.

Dieser Test solle schließlich ermitteln, „ob dieser Bahnhof überhaupt funktioniert. Und dass man bis dahin nicht weitermacht, ergibt sich aus der Logik dieses Vorgangs. Insofern verhält sich die Bahn da nicht vernünftig und nicht wirklich dem entsprechend, worauf sie sich eingelassen hat. Die Schlichtung ist erst zu Ende, wenn der Stresstest gemacht und bewertet wurde.“

  • dpa
Startseite

Mehr zu: Stuttgart 21 - Politik beißt bei Stresstest II auf Granit

8 Kommentare zu "Stuttgart 21: Politik beißt bei Stresstest II auf Granit"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ huensche : Dann sind diese 16% schon mal mehr, als die Stuttgarter selber, denen man die ansonsten unansehliche Stadt, die zunehmend verkommt, am Schluß mit noch mehr überflüssigen Büro- udn Einkaufstempeln zubetonieren will. Allein der Gesamtprojektverlauf spricht dafür, daß es sich bei S21 um ein teures "Windei" handelt, wir haben keine Lust, am Schluß noch für die Bauruinen der DB AG aufzukommen!

  • @ caesarenwahn

    Sie sollten ein Bisschen darauf achten, was und wie Sie etwas schreiben. Von Bestechungsgeldern zu reden, kommt dem Strafrechtlichen Bereich sehr nahe.
    Außerdem ist Ihr dargestellter Kontext schlichtweg FLASCH.: Nicht die Entscheidungsträger verfügen über Bestechungsgelder, sondern die Antragssteller. Desweiteren ist dieses Projekt seit 15 Jahren in Planung. Einspruchsfristen sind längst abgelaufen.

    Ihrer Aussage zum Thema Propagandabüro ist sehr originell. Nur dass Sie hier wieder die Tatsachen verdrehen. Die Grünen haben die Propagandamaschiene angekurbelt. Alleine die Forderung nach einem Stresstest2 von einem erbitterten Gegner des neuen Bahnhofes ist ein starkes Indiz dafür. Er versucht mit allen Mitteln seine Fußsoldaten in den Kampf zu schicken.

    Leider kommt es wirklich bei vielen Menschen so an, dass die Protestler nur als Fußsoldaten und Kanonenfutter mißbraucht werden. Ich hoffe dass es keine schlimmen Verletzungen gibt...bei den Polizisten.

  • zu huensche, marctom_uk, Klaus

    das Kommunikationsbüro für Propaganda und Volksaufklärung bzw. für die Verbreitung schwachsinniger Plattitüden hat anscheinend nie geschlossen - klar, bei den Bestechungsgeldern, über die die Entscheider verfügen und mit denen sie den Weg freizumachen versuchen für ein Immobilienprojekt, bei dem ein paar wenige sich reich machen und der Steuerzahler nach allen Regeln der Kunst ausgenommen wird. http://www.zeit.de/2011/05/DOS-Deutsche-Bahn Deutsche Bahn Die Wahn AG
    Je teurer, desto lieber: Warum die Bahn sinnlose kostspielige Zugstrecken baut und die Menschen zur Verzweiflung treibt.

  • @ marctom_uk
    @ Klaus

    Sie haben recht!
    Haben Sie schon von der Interpretation des Wahlergebnisses in BaWü gehört, dass die Mehrheit gegen S21 ist, weil Grün-Rot die Mehrheit hat?

    Das sind Träumer, die das denken, da SPD, CDU, FDP alle FÜR S21 sind und nur die Grünen dagegen sind (Linke weiß ich nicht!)

    Sprich: 25% Grünwähler von 65% Wahlbeteiligung macht 16% der Gesamtwahlberechtigten. Dies ist die Mehrheit, die den Bahnhof stoppen will


    Fazit:
    16% der BaWü-er haben bei der Wahl gegen S21 gestimmt

  • Demokratie ist, wenn ein Minderheit ein Projekt solange und mit immer unterschiedlichen Vorgaben prüfen läßt, bist die Mehrheit die Lust daran verliert.
    Merke: Die Minderheit, insbesondere wenn sie grün angestrichen ist, hat i m m e r Recht.

  • Diejenigen die sich jetzt beschweren haben in der Vergangenheit keine Mehrheit gegen 21 zustande gebracht. Dann wurde der Stresstest mit verbindlichen Kriterien vereinbart. Und wenn der nun kommt ist das den Kritikern auch nicht genug - es könnte ja sein dass etwas herauskommt was nicht gegen 21 spricht - also muß flugs ein neuer Test her. Liebe Gegner: In der Vergangenheit "gepennt" und nichts zustande bekommen - nun noch ein Test - Demokratie ist was schönes....

  • Es ist wirklich fantastisch. Ein relativ überflüssiges Projekt verschlingt Milliarden, während woanders Kindergärten fehlen. '21' wird vermutlich gebaut, weil es schon seit Ewigkeiten in der Planung ist und nicht die Grünen, aber die Bürger allgem. zu spät aufgewacht sind. Ein Schildbürgerstreich!
    Vielleicht war es ein Fehler, den Planern bei der Bahn und der Politik in jungen Jahren eine Eisenbahn untern Weihnachtsbaum zu stellen. Denn da konnte man 'lahme' Kopfbahnhöfe noch durch wenige Handgriffe ersetzen und wie jetzt auf 'Durchzug' schalten.

  • S21 dürfte nach "Adam Riese" in sechs Problemfeldern scheitern, siehe dort:

    http://www.bei-abriss-aufstand.de/wp-content/uploads/Bodack_Stuttgart_21_scheitert_2011-06-141.pdf

    und weil es aufgeweckte Kopfbahnhofsfreunde gibt.

    Die vereinfachte Kapazitätsberechnung siehe da:

    http://www.kopfbahnhof-21.de/fileadmin/downloads/Gutachten/Kapazitaetsberechnung_S21-Textteil.pdf

    Informative Briefe des ehemaligen Bahnhofsvorstehers, Egon Hopfenzitz:

    http://www.siegfried-busch.de/page23/page63/page63.html

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%