„Süß und billig“
Deutscher Wein in der Schmuddelecke

Die meisten Japaner verbinden mit deutschem Wein das, was sie in den Regalen ihrer Supermärkte finden: äußerst liebliche, für den Export bestimmte Sorten. Die Fußball-WM und die Riesling-Werbung sollen das Image heben.

TOKIO. Wenn Steinmetz Osamu Aita im nordjapanischen Yonezawa von deutschem Wein erzählt, kommt er ins Schwärmen. „Leicht und frisch“, urteilt er. Seit seinem Deutschlandurlaub vor einigen Jahren habe er immer einige Flaschen auf Vorrat im Keller. Damit ist er eine Ausnahme. Denn die meisten Japaner verbinden mit deutschem Wein das, was sie in den Regalen ihrer Supermärkte finden: äußerst liebliche, für den Export bestimmte Sorten.

In den Siebziger- und Achtzigerjahren prägten die Deutschen mit diesen Sorten den Markt. Doch dann blieb der deutsche Wein in der „Schmuddelecke sweet and cheap“ stehen, wie es der deutsche Botschafter in Japan, Henrik Schmiegelow, ausdrückt. Dem gereiften, anspruchsvolleren Weingeschmack vieler moderner Japaner entspricht er seit Jahren nicht mehr. Die Konsequenz: In den vergangenen Jahren ging es für deutschen Wein in Japan immer nur in eine Richtung: abwärts. 1997 waren 14 Prozent des Markts für Importwein in deutscher Hand. Jetzt sind es gerade noch gut vier Prozent.

Die USA, Australien, Chile und Spanien sind an Deutschland vorbeigezogen. Während das Marktvolumen für Importwein nach Angaben des Branchenmagazins „Wands Review“ allen volkswirtschaftlichen Schwierigkeiten zum Trotz seit 1997 um 23 Prozent auf gut 14 Millionen Kisten (à neun Liter) gestiegen ist, ist die Menge deutschen Weins um fast zwei Drittel eingebrochen. Allein 2005 sank der Absatz um mehr als zehn Prozent auf 572 000 Kisten.

Wie in anderen Ländern auch habe Deutschland in Japan lange den Standardwein propagiert, nicht wie Frankreich die Flaggschiffe, sagt Weltmeister-Sommelier Markus Del Monego, jüngst eingeladen, um deutschem Riesling zu mehr Bekanntheit zu verhelfen: „Vermarktung und Kommunikation waren nicht optimal.“ Zudem fehlt es an deutschen Restaurants in Japan – weit mehr als ein Drittel des Importweins wird in Restaurants verkauft. „In Japan stimmt es besonders traurig, dass wir nicht vertreten sind, weil Interesse und Kaufkraft so hoch sind“, sagt Del Monego.

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