Supermärkte
Aldi hält Wettbewerber deutlich auf Abstand

Beim Wettstreit um die schnellste Kasse Deutschlands haben sich die Marketingleute von Real selbst aus dem Rennen genommen. Gleich zwei Kundenbindungsprogrammen verdanken es dort die Kassierer, dass es beim Check-out kaum noch ein Fortkommen gibt. Ganz anders sieht die Situation beim Discounter Aldi aus - die Gründe für den Erfolg.

DÜSSELDORF. Ostersamstag, 11.30 Uhr, am Rande von Bonn. An den zehn besetzten Kassen im SB-Warenhaus Real reihen sich die vollbepackten Einkaufswagen bis zu den Weinregalen. Doch die Kassierer versprühen trotz schreiender Kinder, rempelnder Großeinkäufer und nerviger Marktdurchsagen Gelassenheit.

"Sind Sie Payback-Kunde?", will einer von ihnen zur Begrüßung wissen, um sogleich eine zweite Frage nachzuschieben: "Sammeln Sie Bonuspunkte?" Das Heftchen und eine große Schere hat er schon zur Hand, als der Kunde - die bösen Blicke der hinter ihm Wartenden im Nacken - dankend den Kopf schüttelt. Doch die Prozedur hat der Wochenendeinkäufer damit noch längst nicht überstanden. Nachdem der Drucker ruckelnd einen 30 Zentimeter langen Kassenbon ausgespuckt hat, greift der Real-Mitarbeiter mürrisch nach einem Stempel samt blaugefärbtem Kissen. Ohne erkennbaren Grund hinterlässt er damit ein verschmiertes "X" auf dem Zettel, bevor er ihn samt Wechselgeld dem Kunden in die Hand drückt.

Das Beispiel zeigt: Beim Wettstreit um die schnellste Kasse Deutschlands haben Reals Marketingleute ihr eigenes Unternehmen selbst aus dem Rennen geworfen. Gleich zwei Kundenbindungsprogrammen verdanken es dort die Kassierer, dass es beim Check-out kaum noch ein Fortkommen gibt.

Wer die Abläufe dagegen fest im Griff hat, dokumentiert das aktuelle "Kassenbarometer 2009" der Marktforschungsfirma Ematrix, die in der Region Niederrhein alle großen Supermarktbetreiber auf ihre Kassengeschwindigkeit überprüft hat. Platz eins behauptet Aldi mit stündlich 86 Kunden pro Kasse, Platz zwei schafft Verfolger Lidl mit 71 Kunden. Doch schon Ketten wie Plus und Kaiser?s liegen unter dem Branchendurchschnitt, während die Metro-Tochter Real laut Protokoll der Markttester mit 51 Kunden unter "ferner liefen" rangiert.

Aldis Erfolg hat mehrere Gründe. Bezirksleiter, die beim Discountkönig anheuern, starten ihre Managementkarriere am Kassierplatz. Worauf es beim Check-out ankommt, wissen deshalb selbst Topmanager in der Geschäftsführung.

Zudem bindet Aldi seine Kunden in den Bezahlvorgang ein. Schon während des Scannens fragt sie der Kassierer nach dem gewünschten Zahlungsmittel, anschließend drängt sie der Discounter mit extrem kurzen Kassiertischen zur Eile.

Auch Lieferanten haben für Geschwindigkeit zu sorgen. Sie werden ihre Ware nur dann an Aldi los, wenn sie auf allen Seiten mit einem Barcode versehen ist. Lästiges Drehen der Artikel beim Abrechnen entfällt damit. "Aldi ist stärker dezentral organisiert als beispielsweise Real", wundert sich Handelsexperte Odilo Heitzig. "Dennoch werden dort die Standards konsequenter durchgesetzt."

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