Supermärkte: Hauen und Stechen um das Tierwohl

Supermärkte
Hauen und Stechen um das Tierwohl

Die Initiative Tierwohl ist bei Bauern beliebt – zu beliebt. Daher braucht sie mehr Geld. Doch die Einzelhändler, die die Initiative finanzieren, blockieren und investieren lieber in Alleingänge.

DüsseldorfRewe feiert gerne seine Aktivitäten zum Schutz der Tiere. Zuletzt hat der Handelskonzern angekündigt, künftig kein Frischfleisch mehr zu verkaufen, das von betäubungslos kastrierten Schweinen stammt. „Wir wollen damit ein klares Zeichen setzen und darlegen, wie wir uns eine nachhaltigere und verantwortungsvollere Haltung von Nutztieren zukünftig vorstellen“, jubelt der Konzern.

Doch auf die konkrete Frage, ob das Unternehmen bereit wäre, den Beitrag für die Initiative Tierwohl von vier Cent auf sechs Cent pro Kilo verkauftem Fleisch zu erhöhen, antwortet Rewe zurückhaltend: „Über das weitere Vorgehen werden wir uns mit allen beteiligten Partnern der Initiative abstimmen und wie vereinbart bis Ende dieses Jahres prüfen, welche Finanzierungsbeiträge von wem geleistet werden können“.

Dabei hat dieses Bündnis von Verbänden, Herstellern und Händlern genau das Ziel, das Rewe proklamiert: Eine nachhaltige und verantwortungsvolle Haltung zu sichern – zumindest für die kurze Zeit, bevor die Schweine und Hähnchen auf dem Teller landen.

Rewe ist kein Einzelfall. Das Handelsblatt hat alle großen Handelskonzerne gefragt, ob sie bereit wären, ihren Beitrag zu der Initiative um diese zwei Cent pro Kilo zu erhöhen – unter der Voraussetzung, dass alle anderen Händler mitziehen. Doch kein Unternehmen will sich festlegen. Verweisen stattdessen auf ihr Bekenntnis zur Initiative oder allgemeine Aussagen zum Tierschutz.

Einzige Ausnahme ist die Schwarz-Gruppe mit den Discountern Lidl und Kaufland. Die hatte bereits vorher öffentlich eine solche Erhöhung ins Spiel gebracht und damit eine aufgeregte Diskussion unter den Mitgliedern der Initiative Tierwohl ausgelöst – und einige Partner offenbar auch verärgert. Der Vorstoß der Schwarz-Gruppe sei mit der Initiative nicht abgestimmt gewesen, sagt Tierwohl-Sprecher Patrick Klein. Eine derartige Maßnahme könne nur gemeinsam beschlossen werden, so der Tenor der Antworten auf die Handelsblatt-Anfrage.

Doch ein gemeinsames Bekenntnis lässt schon lange auf sich warten. Die Branche habe sich nun schon über ein Vierteljahr Zeit gelassen für eine Einigung, sagt Sabine Ohm von Provieh, einem Fachverband für Nutztierschutz: „Das sollte eigentlich mehr als genug sein, wenn die Branche es ernst meint mit dem Tierwohl.“ Eine Erhöhung des Beitrags aller Teilnehmer sei notwendig, um alle angemeldeten Bauern aufzunehmen, betont Ohm.

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