Supermarktkonzern Delhaize
Supermarktkonzern Delhaize hadert mit Deutschland-Expansion

Der belgische Supermarktkonzern Delhaize beißt sich am deutschen Lebensmittelmarkt die Zähne aus. Nach mehr als vier Jahren im Land eröffnen die Belgier heute ihren vierten Lebensmittelladen. Eine organisierte Expansionspolitik lässt sich nicht erkennen – der letzte in Deuschland verbliebene Auslandskonzern im Supermarktgeschäft kämpft ums Überleben.

KÖLN. „Es gibt immer noch keine Entscheidung darüber, ob wir in Deutschland expandieren werden“, sagte der für das Einzelhandelsgeschäft zuständige Vizepräsident Mark Verleye gestern in Köln. Dabei dauert die Testphase des börsennotierten Handelskonzerns, der mit einem Jahresumsatz von zuletzt 19,2 Mrd. Euro etwa die Größe der Mülheimer Tengelmann-Gruppe hat, hierzulande schon weit mehr als vier Jahre. Im März 2003 eröffneten die Brüsseler ihren ersten deutschen Supermarkt in Aachen, dem sie in der Kaiserstadt bald einen zweiten folgen ließen. Danach geriet die Expansion ins Stocken.

Dass Delhaize heute in Köln die vierte Filiale eröffnet, nachdem man dort seit einigen Monaten bereits mit einem kleinen Markt vertreten ist, ändert daran kaum etwas. „Einen strategischen Plan kann man hinter dieser Expansionspolitik nicht erkennen“, sagt Hans Eysink Smeets, Chef der gleichnamigen Beratungsfirma in Amsterdam. Dazu sei die Testphase einfach zu lang. Auch die Anzahl der deutschen Städte, in denen Delhaize seine Supermärkte teste, sei zu gering, um sich einen Überblick über den Markt zu verschaffen. Derweil verlieren die Belgier mit ihren vier Läden, deren Einrichtung allein jeweils drei Mill. Euro kostet, immer mehr Geld.

Delhaize kämpft als letzter übrig gebliebener Ausländer ums Überleben im deutschen Supermarktgeschäft. Der britische Mode- und Lebensmittelhändler Marks & Spencer verabschiedete sich nach verlustreichen Jahren 2001, die französische Intermarché gab ihre tiefrote Tochter Spar Mitte 2005 an Edeka ab, und Walmarts verheerendes Deutschland-Geschäft ging 2006 an die Metro. „Der deutsche Lebensmittelmarkt ist schwierig“, gesteht selbst Delhaize-Deutschlandchef Norbert De Pourcq. Um sich gegenüber der Konkurrenz zu profilieren, setzt er deshalb auf exquisite Sortimente.

Handelsspezialisten wie Eysink Smeets aber sind der Überzeugung, dass internationale Lebensmittelhändler – anders als Modeverkäufer – hierzulande in Nischen keine Überlebenschance besitzen. „Sie müssen mit ihren Handelsformaten breite Zielgruppen ansprechen“, glaubt er, „allein schon, um die hohen Kosten zu decken.“

Im Heimatmarkt Belgien gilt der renditestarke Delhaize-Konzern als vorbildlich. Die Brüsseler haben es geschafft, bei gleichbleibend hohem Service- und Qualitätsniveau die Preise deutlich zu senken. Weil sie gleichzeitig immer mehr margenstarke Eigenmarken in die Regale räumten, blieb die Rendite konstant.

Dieser Weg aber bleibt ihnen in Deutschland verschlossen, weil hier niemand ihre Hausmarken („Care“, „365“) kennt. Aus Tschechien zog sich der Konzern bereits zurück. In Deutschland bleibt man standhaft. „Es gibt kein Rückzugsszenario“, sagt Verleye.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%