Swatch, Cartier, Omega Schweizer Uhren auf Steroid-Entzug

Wachstumsraten von 20 Prozent waren in der Schweizer Uhrenindustrie einmal normal. Doch nun herrscht im vierten Jahr in Folge Flaute. Die Branche steht vor Umwälzungen – kleine Hersteller könnten untergehen.
Für Schweizer Hersteller sind die Jahre des rasanten Wachstums Geschichte. Quelle: Reuters
Armbanduhr von TAG Heuer

Für Schweizer Hersteller sind die Jahre des rasanten Wachstums Geschichte.

(Foto: Reuters)

Die Schweizer Uhrenindustrie steht vor dem vierten Jahr mit geringem oder gar keinem Wachstum. Große Hersteller wie Richemont mit der Marke Cartier reagieren darauf mit weniger Investitionen in die Produktion. Einige kleinere Uhrenhersteller halten nach einem Käufer Ausschau oder laufen sogar Gefahr, unterzugehen.

Im Land mit der weltgrößten Uhrenproduktion werden die Exporte der Zeitmesser im kommenden Jahr im Median um zwei Prozent zulegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage von Bloomberg unter elf Analysten. Das ist die gleiche Rate wie 2013 und 2014 und liegt meilenweit entfernt von den etwa 20 Prozent Wachstum, wie sie die Branche aus früheren Jahren kennt.

„Die Schubkräfte fehlen“, sagt André Bernheim, Chef von Mondaine, einem konzernunabhängigen Hersteller, dessen Zeitmesser den Schweizer Bahnhofsuhren nachempfunden sind. „Die wichtigsten Regionen der Welt haben alle Probleme – von den USA über Europa bis nach China.“

Die Geschäftsabschwächung hat dazu geführt, dass kleinere Hersteller wie Parmigiani und Ulysse Nardin Stellen streichen, und Maurice Lacroix, mit einer Jahresproduktion von 90.000 Uhren, seit Juli nach einem Käufer sucht. Die Flaute zieht wohl auch die Trennlinie zwischen Unternehmen, die sich auf eine Abschwächung nicht vorbereitet haben, und größeren Herstellern wie Swatch und Richemont, die Berge von Bargeld angehäuft haben, um sich abzusichern. Marken wie Omega von Swatch versuchen jüngere Käufer anzusprechen, während TAG Heuer eine Smartwatch entwickelt hat.

„Nur die starken Marken werden überleben“, sagt Zuzanna Pusz, Analystin bei Berenberg. „Gute Marken mit finanziellen Problemen dürften aufgekauft werden.“

Die zehn beliebtesten Luxusgüter der Welt
Rang 10: Luxus-Kreuzfahrten
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Die Demografie- und Einkommensentwicklung wirkt sich positiv auf die Luxus-Kreuzfahrt-Industrie aus. Rund zwei Milliarden Euro Umsatz wurden 2015 in diesem Marktsegment erwirtschaftet. Im Vergleich zu 2014 ist der Markt um vier Prozent (wechselkursbereinigt) gewachsen. Damit sind Kreuzfahrten unter den Reichen nach wie vor sehr gefragt. Insbesondere Fahrten zu ungewöhnlichen Reisezielen waren in diesem Jahr beliebt.

Rang 9: Luxus-Jachten
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Der Luxus-Jacht-Markt stagniert. 2015 wurden – genauso wie im Vorjahr – weltweit sieben Milliarden Euro in diesem Segment umgesetzt. Das reicht jedoch aus, um einen Platz in der Top Ten der beliebtesten Luxusgüter zu ergattern. Eine positive Tendenz hat sich zudem abgezeichnet: Die Nachfrage nach Halbfertigerzeugnissen in der Industrie aus China und dem Vereinigten Königreich ist zuletzt gestiegen.

Rang 3: Luxuriöse Privatjets
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Privatjets waren 2015 das achtgrößte Segment auf dem Luxusgütermarkt mit einem Umsatz von 21 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Nachfrage um 14 Prozent gewachsen, wechselkursbereinigt ist das Wachstum jedoch sogar um einen Prozent gesunken. Nordamerika ist hier der stärkste Markt.

Rang 7: Hochwertige Designerwaren
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Das zweite Jahr in Folge ist die Nachfrage auf dem Designmarkt gestiegen – wechselkursbereinigt um vier Prozent auf 32 Milliarden Euro. Beliebt waren im vergangenen Jahr vor allem hochwertige Wohn- und Schlafzimmermöbel, sowie Designerlampen. Besonders der europäische Markt konnte von den positiven Wechselkursentwicklungen profitieren, insbesondere Italien und Deutschland kam dies zugute. Den größten Verkaufskanal bildet nach wie vor der Großhandel (66 Prozent), der Online-Handel macht in diesem Segment zurzeit noch einen geringen Anteil aus, wächst aber stetig.

Rang 6: Bildende Künste
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Luxusgüter aus der bildenden Kunst machen 70 Prozent des gesamten Kunstmarkts aus. Die sich schnell entwickelnden Online-Kanäle bilden eine vielversprechende Plattform für interessierte Sammler, die noch keine Marktkenner sind. Der größte Markt ist in diesem Segment die USA, der vor allem in New York floriert.

Rang 5: Delikatessengeschäft
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Ähnliches gilt für das Delikatessengeschäft. In diesem Segment wurden 2015 45 Milliarden Euro umgesetzt, der Markt ist im Vergleich zu 2014 um vier Prozent gewachsen. Insgesamt wurden in der Sparte mit dem Delikatessengeschäft und Luxus-Spirituosen 108 Milliarden Euro auf der ganzen Welt umgesetzt.

Rang 4: Luxusweine und Spirituosen
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Mit Luxusweinen und Spirituosen wurden 2015 64 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Wachstum von drei Prozent (wechselkursbereinigt) im Vergleich zum Vorjahr. Auf der ganzen Welt konnte Luxuswein ein solides, organisches Wachstum verzeichnen. Experten rechnen zukünftig mit einer besonders starken Kaufkraft der Touristen in diesem Marktsegment, da sie den Wertverlust des Euro für Luxus-Shoppingtouren in Europa nutzen.

Der Markt hat sich seit der Jahrtausendwende verdoppelt, getrieben vom Wachstum in China. Nach Schätzungen der Citigroup entfielen auf Chinesen die Hälfte aller Ausgaben für Schweizer Uhren. Doch mit der Abschwächung des Wirtschaftswachstums in China auf ein Sechsjahrestief lief es auch für die Uhrenbranche nicht mehr so gut. In den ersten zehn Monaten 2015 sanken die Uhrenausfuhren um 3,2 Prozent; im November war es sogar ein Minus von 5,6 Prozent zum Vorjahr.

Swatch, wo Marken wie Tissot und Longines gefertigt werden, saß Ende Juni auf liquiden Mitteln von 1,2 Milliarden Franken. Bei Richemont summierte sich die Kriegskasse auf 4,8 Milliarden Franken. Richemont, der auch die Marken Jaeger-LeCoultre und Vacheron Constantin gehören, hat angekündigt, dass die Investitionen in die Produktionskapazität im nächsten Geschäftsjahr verringert werden. Stattdessen sollen die Ausgaben für Vertrieb und das Verkaufsnetzwerk erhöht werden.

Auch der starke Franken schadet
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