Swiss gibt Kranich-Linie einen Korb
Lufthansa bleibt Risiko-Faktor Swiss erspart

Swiss und British Airways haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, welche die beiden Fluggesellschaften in eine strategische Allianz führen wird, teilte das Unternehmen am Dienstag in Zürich mit. Die Das Management der Kranichlinie reagierte jedoch gelassen auf die Absage der Swiss und betonte die starke Marktstellung der Lufthansa in Europa auch ohne Übernahmen.

HB ZÜRICH. Mit dem Beitritt zu Oneworld verbesserten sich die wirtschaftlichen Perspektiven der Fluglinie deutlich, teilte Swiss am Dienstag mit. Die finanziell in Bedrängnis geratene Swiss, die von vielen Schweizern noch immer als Nationalsymbol betrachtet wird, verspricht sich mehr unternehmerische Freiheit und Eigenständigkeit als dies im Fall eines Schulterschlusses mit Lufthansa möglich gewesen wäre. Den direkten kommerziellen Nutzen aus der Allianz bezifferte Swiss, die im ersten Halbjahr bei einem Umsatz von gut zwei Mrd. Schweizer Franken 333 Mill. Verlust einflog, mit 100 Mill. pro Jahr. Gewerkschafter und Analysten gaben sich jedoch eher skeptisch und zweifelten sogar an der Überlebensfähigkeit von Swiss bei dieser Lösung.

"Lufhansa nicht auf Übernahmen angewiesen"

Die Lufthansa reagierte gelassen und erklärte nach dem Scheitern ihrer Gespräche mit Swiss, sie sehe sich als Mitglied der weltweit führenden Star-Alliance ausgezeichnet positioniert und sei nicht auf Übernahmen angewiesen. „Wir haben in Europa eine führende Position, wir haben ein intensives Netz von Partnerschaften, wir sind hervorragend aufgestellt. An unserer Wettbewerbsposition gibt es überhaupt keinen Zweifel“, sagte Finanzvorstand Karl-Ludwig Kley in Frankfurt. Lufthansa habe der Swiss ein Angebot gemacht, welches das Drehkreuz Zürich erhalten hätte. In seinen Augen war der Plan tragfähig, „aber die (Swiss-)Investoren waren nicht bereit, noch mehr Geld in die Hände zu nehmen.“ Die Aktien der Lufthansa verloren bis zum Nachmittag 2,7 % auf 12,10 €. Swiss-Aktien gewannen nach Wiederaufnahme des Handels gut drei Prozent auf 17,40 Franken.

„Die Marktteilnehmer sehen in der Entscheidung der Swiss einen Image-Schaden für die deutsche Airline“, sagte Analyst Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank. Er machte allerdings auch einen positiven Aspekt aus: „Die Swiss hat große finanzielle Probleme und möglicherweise muss der Partner mit finanziellen Mitteln der Gesellschaft unter die Arme greifen.“ Das bleibe der Lufthansa erspart.

Strategische Allianz mit British Airways

British Airways (BA) und Swiss haben den Angaben zufolge eine Absichtserklärung unterzeichnet, welche die beiden Gesellschaften auch in eine strategische Allianz führen soll. Swiss-Konzernchef Andre Dose sagte auf einer Pressekonferenz in Zürich, mit der Genehmigung dieses Joint Ventures durch die Wettbewerbsbehörden werde in sechs bis acht Monaten gerechnet.

BA werde Start- und Landerechte der Swiss am Londoner Flughafen Heathrow erhalten und im Gegenzug eine Kreditgarantie über 50 Mill. Franken für die Swiss übernehmen, erklärte das Unternehmen. Auch die beiden heimischen Großbanken UBS und Credit Suisse hätten frisches Geld in Aussicht gestellt. Zugleich liefen Gespräche mit weiteren Kreditgebern, darunter auch Großaktionären.

Die Swiss war vor gut einem Jahr aus der zusammengebrochenen Swissair und der Regionalfluglinie Crossair entstanden. Größte Aktionäre sind der Bund mit 20,4 %, die UBS mit 10,4 %, der Kanton Zürich mit 10,2 % sowie die Credit Suisse mit zehn Prozent des Aktienkapitals.

Konzernchef-Chef Dose bekräftigte die Ertragsziele, wonach Swiss 2004 die Gewinnschwelle erreichen und 2005 schwarze Zahlen schreiben will. Weder bei der Flotte noch beim Personal seien weitere Sparmaßnahmen geplant. Die Swiss verliert Schätzungen zufolge derzeit 50 Mill. Franken pro Monat und steht unter finanziellem Druck, weil die Milliarden, die Staat, Banken und Wirtschaft zum Erhalt der Fluglinie aufgebracht hatten, zur Neige gehen. Dazu erklärte Swiss, es habe Gespräche mit den Großbanken und Großaktionären gegeben. Die Banken sähen nun die Chance, einen Teil der benötigten Kapitalreserve zu finanzieren.

Schweizer Gewerkschaften skeptisch

Die Gewerkschaften beurteilten den Beitritt skeptisch. „Eine Lösung, die keine ist“ nannte Daniel Vischer von der Gewerkschaft des Bodenpersonals die Beschlüsse. Urs Eicher vom Verband des Kabinenpersonals sprach von einem Schritt in die richtige Richtung, von dem man aber noch nicht wisse, ob er ausreiche. Daniel Bieli von Swiss Pilots sagte, es müsse sich erst zeigen, ob sich die Lage verbessere. Ein Analyst sagte, es bestünden weiter Zweifel an der Überlebensfähigkeit von Swiss.

Immerhin bleiben auch nach dem Beitritt der Schweizer zur Oneworld-Allianz Umfang und Finanzierung der benötigten Swiss-Liquiditätsreserve offen, so Analysten. British Airways muss der neuen Partnerin möglicherweise finanziell stark unter die Arme greifen.

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