TAG-Immobilien-Chef
„Ich werde nicht zurücktreten“

Trotz der Vorwürfe um strittige Privatgeschäfte mit Immobilien will TAG-Chef Rolf Elgeti im Amt bleiben. „Ich habe nicht die Absicht, wegzulaufen“, sagt er. Börsianer haben prompt reagiert.
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FrankfurtTAG-Immobilien-Chef Rolf Elgeti will seinen Stuhl trotz umstrittener Privatgeschäfte nicht räumen. „Ich werde nicht zurücktreten“, sagte der ehemalige Analyst am Mittwoch in einer Telefonkonferenz, in der er sich kritischen Fragen zahlreicher früherer Kollegen stellen musste. „Ich habe nicht die Absicht, wegzulaufen.“ Der Vorstandschef wies den von der Zeitung „Welt am Sonntag“ erhobenen Vorwurf zurück, er habe private Interessen zu Lasten des Wohnimmobilienkonzerns mit denen von TAG Immobilien vermischt. „Das ist komplett falsch“, sagte Elgeti. Er räumte aber ein, dass er sein privates Immobilien-Engagement hätte früher offenlegen sollen: „Ich gebe zu: Wir hätten da transparenter sein sollen.“ Der Aufsichtsrat habe davon aber stets gewusst.

Dennoch will der Aufsichtsrat von unabhängigen Anwälten oder Wirtschaftsprüfern untersuchen lassen, ob an den Vorwürfen doch etwas dran sein könnte. „Der Aufsichtsrat betont erneut, dass er die Vorwürfe für unberechtigt hält und dass Herr Elgeti das volle Vertrauen des gesamten Gremiums genießt“, teilte TAG mit. Elgeti befürworte die Prüfung.

Der Kurs der im Nebenwerteindex MDax notierten Aktie zeigte am Mittwoch erstmals wieder nach oben, nachdem sie seit dem Wochenbeginn mehr als zehn Prozent verloren hatte. Dazu trug auch Elgeti bei, der angesichts des gesunkenen Kurses laut über einen Aktienrückkauf nachdachte. TAG-Aktien legten zwei Prozent zu.

Die Vorwürfe drehen sich um private Immobilien-Engagements des Managers. Die „Welt am Sonntag“ berichtete, Elgeti habe privat von den gleichen Wiener Geschäftsleuten ein Hochhaus in Rostock gekauft, denen er als TAG-Chef kurz zuvor zwei Immobilienportfolien in Chemnitz und in Eberswalde bei Berlin abgekauft habe - laut dem Bericht unnötig teuer. Die Verkäufer hätten damit in wenigen Wochen Millionengewinne eingestrichen. Elgeti sagte, der höhere Preis sei dadurch gerechtfertigt, dass die veränderte Struktur der Portfolien das Risiko minimiert habe. Es gebe keinen Grund für Abschreibungen, die Mieten und der Leerstand bei beiden Komplexen entwickele sich gut. Elgeti hatte die TAG nach seinem Amtsantritt 2009 darauf ausgerichtet, Wohnungen oft an zweitklassigen Standorten billig zu kaufen.

Elgeti räumte ein, er sei schon vor seinem Amtsantritt bei TAG an 16 Immobilien beteiligt gewesen, die er immer noch besitze. Diese habe er aber fast ausschließlich mit Schulden finanziert. „Ich kann diese Investments nicht wegwerfen“, sagte er. In seinem Arbeitsvertrag sei festgelegt, dass er sich darum in der Freizeit kümmere. Aussagen, dass fast sein ganzes Geld in der TAG stecke, seien weiter richtig: „97 Prozent meines Vermögens stecken in TAG-Aktien und -Wandelanleihen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " TAG-Immobilien-Chef: „Ich werde nicht zurücktreten“"

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  • Zu meinem vorigen Beitrag noch folgender Nachtrag:
    Man darf sich fragen: Warum kommen zu einem solchen Thema keine passenden Kommentare?
    Zum Bsp, Stichwort „Horrormeldung“ Dazu folgendes: Sollte es da noch verwundern, wenn solche Machenschaften selbst vom Aufsichtsrat nicht mehr gerügt werden dürfen? Und dann wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist-?- dann heißt es nur noch: Wie konnte das passieren???
    Zu diesem Thema auch mal gugeln unter- https://twitter.com/Analyst_Mahad

  • Wenn ich dies alles so nachdenke, dann müssen wir hier von einer Horror Meldung sprechen!
    Doch diese Befürchtungen sollen schon wieder klein geredet werden, dies indem Rechtsexperten eine Überprüfung ankündigen!
    Da fragt sich sogar jeder NICHT Rechtsexperte, ob nun „greifbares Unrecht“ zukünftig deklariert wird als „Es gab nichts zu beanstanden“! Dies ist dann gut so, weil dann offenkundig bestätigt wird, auf was wir uns zukünftig einstellen können!!!

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