Tamoil im Visier
Total plant Ausbau des Tankstellennetzes

Der Energiekonzern Total will sein Tankstellennetz in Deutschland durch Zukäufe vergrößern. Bisher sah das Management aber keinen geeigneten Kandidaten für eine Übernahme. Nun scheint Total doch fündig geworden zu sein.

HAMBURG. Der französische Mineralölkonzern Total prüft, ob er sein Tankstellennetz in Deutschland vergrößern soll. „Wenn wir in Deutschland lukrative Übernahmekandidaten finden, sind wir bereit, mit der finanziellen Rückendeckung des Mutterkonzerns Zukäufe zu tätigen“, sagt Total-Deutschland-Chef Thierry Pflimlin. Bisher sieht der Manager aber keine geeigneten Kandidaten. Total ist nach Aral, Esso und Shell der viertgrößte Tankstellenbetreiber in Deutschland. Das Unternehmen verfügt über mehr als 1 100 Stationen.

Doch Total könnte möglicherweise bald fündig werden. Denn wie das Handelsblatt aus Firmenkreisen erfuhr, gehört der französische Mutterkonzern zu den Bietern, die sich um einen Erwerb des westeuropäischen Ölgeschäfts des niederländischen Konkurrenten Tamoil bemühen. Tamoil gehört zur Oilinvest-Gruppe, deren Mutterkonzern die staatlich kontrollierte libysche National Oil Company ist.

Der niederländische Konzern hat seit längerem die französische Großbank BNP Paribas S.A. beauftragt, im Rahmen einer Auktion einen Käufer für Teile von Tamoil zu suchen, heißt es in Firmenkreisen. Die Investoren sollen bereits bis Juli ihr Angebot abgeben. In Branchenkreisen wird der Wert des gesamten Tamoil-Geschäfts zwischen zwei bis drei Mrd. Euro geschätzt.

„Total France könnte einer der Bieter sein“, sagt Rainer Wiek, Chefredakteur des Hamburger Energie-Informationsdienstes. Total gilt aber nicht als einziger Interessent. So sind auch andere Mineralölkonzerne sowie diverse Finanzinvestoren im Gespräch – darunter der amerikanische Private Equity-Fonds Carlyle Group, heißt es in Branchenkreisen.

Tamoil verfügt in Westeuropa unter anderem über Tankstellen und Raffinerien in Italien, Deutschland sowie der Schweiz. In Deutschland besitzt die Gesellschaft 290 Stationen, die teilweise unter der Billigmarke „HEM“ geführt werden. Zudem besitzt die Tamoil-Gruppe in der Nähe von Hamburg eine Raffinerie. Eine Tamoil-Sprecherin wollte sich auf Anfrage zu dem Verkauf nicht äußern. Sie weist auf die BNP Paribas, die mit der Auktion beauftragt sei. Auch Total hält sich hierzu bedeckt. „Wir kommentieren solche Marktgerüchte nicht“, sagt Total-Deutschland-Chef Pflimlin.

Sollte Total allerdings den Zuschlag erhalten, könnte der französische Konzern den Konkurrenten Esso von seinem dritten Platz auf dem deutschen Tankstellenmarkt vertreiben. „Total hätte von der Anzahl der Tankstellen Esso überrundet“, meint Eid-Chefredakteur Wiek. Esso verfügt in Deutschland über 1 230 Tankstellen.

Fraglich ist aber noch, ob Total alle Tankstellen des Konkurrenten übernimmt. Denn der Deutschland-Chef will künftig stärker darauf achten, dass die Tankstellen profitabel arbeiten. Im vergangenen Jahr hat Total das deutsche Tankstellengeschäft „gerade mit einer knappen schwarzen Null abgeschlossen“, sagt Pflimlin. Total hat vor drei Jahren vom Konkurrenten Shell 130 Tankstellen erworben.

Total Deutschland hat im vergangenen Geschäftsjahr den Jahresüberschuss um mehr als 50 Prozent auf 450 Mill. Euro gesteigert. Verantwortlich hierfür sei vor allem die gute Ertragslage in der ostdeutschen Raffinerie Leuna. Der Umsatz der Gruppe mit mehr als 4 100 Mitarbeitern kletterte um knapp sieben Prozent auf 14,8 Mrd. Euro.

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