Tarif-Streit bei Lufthansa eskaliert „Wir sind ab heute im Arbeitskampf“

Die Tarifverhandlungen bei Lufthansa sind gescheitert, erstmals streiken die rund 19.000 Flugbegleiter. Zum Ende der Ferienzeit kann das den Flugverkehr massiv behindern. Lufthansa will nun juristisch zurückschlagen.
Update: 28.08.2012 - 14:22 Uhr 40 Kommentare

Höhere Personalkosten wären nicht tragbar

Frankfurt/MainDie Flugbegleiter der Deutschen Lufthansa wollen streiken. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO werde ab Dienstag in den Arbeitskampf treten, sagte UFO-Vorstand Nicoley Baublies in Frankfurt am Main. „Wir sind ab heute im Arbeitskampf mit der Lufthansa“, teilte die Gewerkschaft mit. Die Tarifverhandlungen für rund 19.000 Flugbegleiter der Lufthansa sind in der Nacht zum Dienstag gescheitert.

Ein genauer Zeitpunkt der ersten Maßnahmen wurde aus taktischen Gründen nicht genannt. Man werde ohne Vorwarnungen in den nächsten Wochen zeitlich und punktuell zu Streiks aufrufen, erklärte der Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. Einen flächendeckenden Streik werde man in den nächsten Wochen vorbereiten. Am Dienstag werde es nicht zu einem Streik kommen, ergänzte Verhandlungsführer Dirk Vogelsang.

Die Streikforderungen beziehen sich allein auf den offenen Tarifvertrag zu Vergütungsfragen, der Entgelte und Gehaltsstufen regelt. „Der Versuch, Leiharbeit und Ausflaggung zu verhindern, ist gescheitert“, sagte Baublies. Lufthansa habe auf Anrufen eines Schlichters verzichtet, sagte Vogelsang.

Die Mitglieder haben bereits vor Wochen in einer Urabstimmung eindeutig für einen möglichen Arbeitskampf votiert. Eine erneute Abstimmung ist daher nicht notwendig. Die Mitglieder müssten nur zu einem positiven Verhandlungsergebnis erneut befragt werden.

Die Befürchtungen über einen Streik belasten die Lufthansa-Aktien: Die Papiere verlieren im Frankfurter Handel rund 1,6 Prozent. Die Lufthansa fürchtet hohe Einbußen durch den angekündigten Streik der Flugbegleiter. "An einem sehr verkehrsreichen Tag könnten die Schäden Million-Höhe erreichen", sagte Lufthansa-Passagiervorstand Peter Gerber.

Die Flugbegleiter verlangen neben fünf Prozent höheren Entgelten das Ende der Leiharbeit an Bord von Lufthansa-Maschinen. Sie wollen zudem die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die angestrebte Direktflugtochter verhindern und das bisherige Tarifstufensystem weitgehend beibehalten.

Die Lufthansa prüft eine Klage gegen den Streik der Gewerkschaft. Es gehöre zum professionellen Umgang, die juristischen Möglichkeiten abzuklopfen, sagte Lufthansa-Passagevorstand Gerber. Aus Kundensicht könne man kein Verständnis für Streiks haben, meinte der Manager. Die Lufthansa sei aber gut vorbereitet und bemüht, die Auswirkungen für die Fluggäste möglichst gering zu halten.

Gerber verteidigte das Angebot der Lufthansa: Es hätte nach seiner Einschätzung allen Flugbegleitern bei etwas längeren Einsatzzeiten mehr Geld gebracht und sie langfristig abgesichert. Verzichten sollten künftige Beschäftigte: „Für neue Mitarbeiter hatten wir uns neue Tabellen vorgestellt.“ Lufthansa sei bereit gewesen, auf befristete Verträge und den Einsatz von Fremdpersonal zu verzichten.

Flugbegleiter verdienen bis zu 4000 Euro
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40 Kommentare zu "Tarif-Streit bei Lufthansa eskaliert: Die Kabine streikt"

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  • @Holla:

    So, damit Sie erst richtig grün vor Neid werden: Ein Teil dieses Gehalts ist sogar steuerfrei, wegen der Nacht- und Sonntagsarbeit. Und überhaupt ist das auch nur das Grundgehalt - dazu kommen noch Bordverkaufsprovision und Spesen, die pro Abwesenheitstag je nach Land bis zu 77 Euro betragen - steuerfrei, versteht sich... Nicht wenige Flugbegleiter wohnen im Eigenheim. (Die dienstjüngeren Kollegen leider nicht, aber das schaffen wir auch noch.)

    Anmerken muß man noch, Ihre Unwissenheit sei Ihnen verziehen, es gibt in der Kabine eine ganze Menge Leute, die vorher etwas anderes gemacht haben, teilweise studiert haben, bzw. eine oder mehrere abgeschlossene Berufsausbildungen besitzen. Karriere ist eben weniger wichtig als Spaß an der Arbeit, mehr Freizeit, das In-der-Welt-Herumkommen - und ja, auch das Gehalt, was man sich durchaus hart erarbeiten muß, auch wenn Sie vermutlich der Ansicht sind, nur Sie selbst arbeiten schwer.

    Personalkosten spielen nun mal in einer kapitalintensiven Branche wie der Luftfahrt eine untergeordnete Rolle. Kapitalkosten der Flugzeuge und Treibstoff machen allein ein Vielfaches aus.

    Und "überschätzte Hilfsarbeiter" - darüber unterhalten wir uns noch einmal, wenn Sie mal eine Evakuierung, Notwasserung o.ä. miterlebt haben, oder wenn Sie mit einer Herzattacke vor mir in der Bordküche liegen und nicht vor der Notlandung sterben wollen.

    Und nein, ich arbeite nicht bei Lufthansa. Aber alle von uns sympathisieren mit diesem Streik - denn wenn Ausflaggung und Leiharbeit bei LH durchgesetzt werden, würde das Schule machen. Das darf gar nicht erst einreißen.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Und wer wählt die "Schwarz-gelben-Deppen" ????? Ja, wir das Volk. Insofern sollten wir auch nicht jammern, sondern bei den nächsten Wahlen die entsprechenden Konsequenzen ziehen.
    Aber das machen wir ja schon, gell. Und wenn man frägt, wer hat die denn gewählt, dann war's komischerweise keiner.

  • @Dafuer

    Diesen Beitrag unterschreibe ich voll und ganz !!

    Es wird in diesem Land noch viel zu wenig gestreikt ! Das ist wohl die einzige Sprache die "Oberen" verstehen. Manager und Geschäftsführer etc. stopfen sich die Taschen voll, leben in Saus und Braus und diejenigen die den Unternehmenserfolg erwirtschaften und die hohen Managergehälter erst mit möglich machen, werden ständig abgespeist. Was soll denn das ?

    Liebe LH-Angestellte, kämpft für Eure Rechte, meine Sympathie habt Ihr !!

  • Mich würde mal interessierien, die Thai, als auch die Emirates wurde angesprochen, wie es sich bei diesen Airlines mit der Vergütung verhält. Strecken Europa-Dubai begleiten meist zumindest zu ca.40% europäische Stewardesen, hingegegen auf der Strecke Dubai-Ostasien, wird fast ausschließlich asiatisches Personal eigesetzt, dessen Lebebshaltungskosten wesentlich tiefer liegt, findet da ein finanzieller Ausgleich statt? Falls es jemand wissen sollte, schon einmal Danke.

  • Und wer bringt Ihnen dann den Kaffee?

  • @ BERTI

    Es ging mir in meinem Brief nicht um Zahlen. Es ging mir darum, die Arroganz des Lufthansa Managements aufzuzeigen. Diese Selbstbedienungsmentalität, abgeschaut von unseren Politikern, fördert die Arbeitnehmerzufriedenheit sicherlich nicht!

    Im Übrigen sollten alle, auch die Gewerkschaften und die Politik umdenken und lineare Lohnerhöhungen vereinbaren. Dann haben wir auch nicht mehr das Problem mit der Einkommensschere. Dann bekommt z.B. der Manager 300 Euro mehr im Monat und die "kleinen" Angestellten auch 300 Euro mehr pro Monat. Erst dann sind wir auf dem richtigen Weg.


  • Bei solchen eizigartigen Qualitäten wäre doch bestimmt auch eine Position im Management möglich. Warum dann als Stewardess durch die Gegend fliegen und auf bessere Zeiten hoffen?

  • bei einer FK-Quote von fast 72% bleibt von diesen 820 millionen euro aber nach steuern nicht mehr viel übrig

  • Die LH hat 2011 einen operativen Gewinn von 820 Millionen Euro gemacht und das bei 28,7 Milliarden Umsatz.

    Angenommen die Lufthansa ist spendabel, möchte die Flugbegleiter für drei Nullrunden entschädigen und verteilt nun diesen Gewinn auf die Flugbegleiter. Dann wären das pro Flugbegleiter/in etwas mehr als 43.000 Euro. Wir wissen, das geht so nicht.

    Aber wenn " die Herren da oben" Ihre Gehälter bestimmen können und sich 25% mehr eintüten, dann sollte man den Flugbegleitern zumindest genau soviel Prozentpunkte gönnen. Warum haben die denn ein Problem im Management, ist doch der reale Zuwachs an Geld im Management bei diesen 25% um ein vielfaches höher, als eine 25% ige Steigerung der FB-Gehaelter.

    Verluste macht die Lufthansa auch 2012 nicht, die im ersten Quartal angefallenen Verluste sind bereits im Q2 wieder ausgeglichen worden.

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