Tarifkonflikt bei der Bahn
Lokführer wollen reden, ohne zu verhandeln

Nach den massiven Warnstreiks von Bahn-Beschäftigten hat Konzernchef Hartmut Mehrdorn die Gewerkschaften zu neuen Gesprächen eingeladen. Die Lokführergewerkschaft GDL sagte umgehend zu, ist aber peinlich darauf bedacht, das ganze nicht wie eine Tarifverhandlungsrunde aussehen zu lassen.

HB BERLIN. Mehdorn sagte, er habe die Chefs der Gewerkschaften Transnet und DGBA sowie der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) angeschrieben und sie für Donnerstag an den Verhandlungstisch gebeten. Ein Ergebnis müsse allerdings den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Unternehmens Rechnung tragen. Zugleich signalisierte Mehdorn seine Bereitschaft zu Zugeständnissen. „Wer verhandelt, der sucht letztlich auch Kompromisse.“ Mehdorn forderte die Bahnbeschäftigten zugleich auf, die Streikaktionen sofort einzustellen.

Während die in einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossenen Gewerkschaften Transnet und GDBA erst am Mittwoch über eine Teilnahme an dem Gespräch entscheiden wollen, sagte die GDL ihr Kommen zu. GDL-Chef Manfred Schell sagte im Bayerischen Rundfunk, Mehdorn habe zu einem Gespräch und nicht zu Tarifverhandlungen eingeladen. Seine Organisation werde sich daran selbstverständlich beteiligen. Er hoffe, dass das Gespräch dann in Verhandlungen über die Forderungen der GDL münden werde.

Die GDL verlangt einen eigenen Tarifvertrag für die Lokführer und Zugbegleiter mit Gehaltserhöhungen in einem Gesamtvolumen von 31 Prozent. Mehdorn lehnte eine solche Sonderregelung ab: „Wir werden die Spaltung der Mitarbeiter bei der Bahn nicht akzeptieren.“ Kritik an der Lokführergewerkschaft kam auch von den anderen Gewerkschaften. Die massiven Aktionen der GDL seien überzogen und für die gemeinsame Forderung nach mehr Lohn schädlich, sagte der GDBA-Bundesvorsitzende Klaus-Dieter Hommel im Deutschlandradio Kultur. Schell erklärte dagegen: „Wir hoffen, dass der Bahnvorstand dieses Signal verstanden hat.“ Ansonsten werde seine Gewerkschaft weitere Streiks ins Auge fassen.

Am Dienstagmorgen war der Zugverkehr der Deutschen Bahn für mehrere Stunden weitgehend zum Erliegen gekommen. Vor allem der Berufsverkehr war betroffen, da die S-Bahnen in Berlin, München, Frankfurt und Stuttgart still standen. Auch der Güterverkehr der Bahn war stark gestört. Nach 9 Uhr füllten sich die verwaisten Bahnhöfe allmählich wieder mit Reisenden. Die Auswirkungen waren auch danach noch zu spüren. Die Fahrpläne könnten den ganzen Tag über nicht eingehalten werden, sagte Mehrdorn.

Neben den Lokführern hatten Reiseberater, Service-Kräfte und Werkstattmitarbeiter die Arbeit niedergelegt. . Der Schwerpunkt lag am frühen Morgen zunächst in Nürnberg, Eisenach und Stuttgart. In Duisburg befanden sich rund 300 Beschäftigte des Kunden-Service-Zentrums der Railion AG im Ausstand. Am Nachmittag verlagerten sich die Aktionen nach Hamburg, wo wiederum die S-Bahn einbezogen war. Zudem war der Regionalverkehr in Brandenburg von Cottbus nach Berlin Ziel der Aktionen. In Köln gab es Protestaktionen im Containerbahnhof, in München im Regio-Werk.

Die dritte Verhandlungsrunde der Bahn mit Transnet und GDBA war am Samstag ohne Annäherung geblieben. Transnet und GDBA wollen für rund 134 000 Bahn-Beschäftigte Einkommenserhöhungen um sieben Prozent erreichen. Mehdorn zufolge kosten die Arbeitsniederlegungen die Bahn einen zweistelligen Millionenbetrag pro Tag.

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