Tarifkonflikt
Fluglotsen drohen erneut mit Streik

Der Tarifkonflikt bei der Flugsicherung verschärft sich. Unterdessen prüft die Lufthansa, ob sie für den geplatzten Streik Schadenersatz fordern soll. Nun geht es ins Detail: Die Forderungen der Lotsen im Überblick.
  • 3

Im Tarifkampf zwischen der Fluglotsen-Gewerkschaft GdF und der Deutschen Flugsicherung haben sich die Fronten weiter verhärtet: Für die kommende Woche drohen die Fluglotsen heute mit einem neuen Streikanlauf. Nach der gestrigen Absage müssten die Gremien nun das weitere Vorgehen beraten, sagte der Tarifvorstand der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF), Markus Siebers. Mit einem neuen Streiktermin in dieser Woche rechne er nicht. „Es wird wohl Anfang nächster Woche wieder so weit sein“ , sagte Siebers. Die Fluglotsen haben sich für ihren Arbeitskampf eine jeweilige Vorwarnzeit von 24 Stunden auferlegt.

Die Deutsche Flugsicherung reagierte auf die Drohung kämpferisch: Falls erneut rechtswidrige Forderungen erhoben würden, werde man wie im ersten Anlauf dagegen juristisch vorgehen, sagte DFS-Sprecher Axel Raab. Eine weitere Möglichkeit sei der Gang in die Schlichtung, die mit ihrer Friedenspflicht einen Arbeitskampf zwingend nach hinten verschieben würde. Raab erneuerte zwar das Gesprächsangebot der bundeseigenen GmbH an die Gewerkschaft der Flugsicherung, machte ihr allerdings kein neues Angebot. Genau das machten die Fluglotsen jedoch zur Bedingung, um einen neuen Streik zu verhindern.

Unterdessen ließ die Lufthansa verlauten, dass sie möglicherweise Schadenersatz von den Fluglotsen fordern wird: Allein durch die Androhung eines Streiks für den heutigen Donnerstag seien Flugreisende verunsichert worden und der Lufthansa Schaden entstanden. Die Höhe werde derzeit geprüft, sagte ein Sprecher der größten europäischen Airline in Frankfurt am Main.

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport gab dagegen bekannt, dass ihm durch die Streikdrohung der Fluglotsen kein Schaden entstanden sei. Die Absage des Arbeitskampfes durch die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) sei gerade noch rechtzeitig eingetroffen, sagte Unternehmenssprecher Thomas Uber. „Der Verkehr läuft normal und reibungslos. Nach unserem Eindruck mussten die Airlines Plan B nicht aus der Tasche ziehen.“ Fraport werde daher auch keinen Schadensersatz von der GdF verlangen.

Gestern Abend hatte das Arbeitsgericht Frankfurt den geplanten Streik wegen rechtswidriger Tarifforderungen gestoppt. Gut neun Stunden vor dem geplanten Streikbeginn sagte die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) dann den Arbeitskampf ab. Darüber zeigte sich auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) erleichtert: Für einen solchen Ausstand mitten in der Urlaubszeit hätte „niemand Verständnis“ gehabt, sagte der CSU-Politiker. Eine Wochenarbeitszeit von etwa 25 Stunden, ein Jahresurlaubsanspruch von 50 Tagen und ein Brutto-Jahresgehalt von rund 120.000 Euro - „das sind Arbeitsbedingungen, die können sich sehen lassen“.

An deutschen Flughäfen gab es durch die Streikdrohung keine spürbaren Beeinträchtigungen. Der Betrieb laufe reibungslos, sagte ein Sprecher der Lufthansa. "Wir sind erstmal sehr froh, dass es nicht zum Streik gekommen ist." Die weitere Entwicklung in dem Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) und der Deutschen Flugsicherung (DFS) müsse erstmal abgewartet werden. Auch auf dem größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main verlief der Betrieb "ganz normal", wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport sagte.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Tarifkonflikt: Fluglotsen drohen erneut mit Streik"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ ihr - ich hoffe das war sarkastisch gemeint ;-)))

    @ oeflingen - warum nicht? Nur weil Sie nicht da arbeiten und demzufolge keinen großen Schaden anrichtigen können wenn Sie streiken? Welch einseitige Sicht^^. In unserem Gehaltssystem ist sich nunmal jeder selbst der nächste - das wird uns doch schon in der Schule und den Medien gelehrt.
    Also sollen sie doch streiken, denn sie haben halt die "Macht" dazu. Und seien Sie mal ehrlich - wieviele Arbeitgeber gibt es in Deutschland, die ohne "Not" und "Druck" freiwillig mehr zahlen um zumindest die Inflation auszugleichen? Da sollte mal nen Gesetz her, das ein Arbeitgeber jährlich das Gehalt bezüglich der inflation auszugleichen hat, meinen sie nicht? ;-)))
    Aber da regt sich keiner auf - lieber schimpfen alle über Streiks und sagen, das Streiks verwerflich sind und die Streikenden böse ect.^^ Und natürlich heizen die Medien das ganze an, weil sie nur einen "Teil" der Forderungen veröffentlichen - nämlich den Teil, wo jeder sagt - boah eyh - die spinnen doch mit ihren Geldvorstellungen. soviel krieg ich aber nie und nimmer.(nein, ich auch nicht) Dafür können aber die Leute dort nichts - das ist IHR Problem.
    Bei Ihrem Boss regen Sie sich ja auch net auf, wenn der sich jährlich ne Erhöhung der Bezüge genehmigt und Ihnen nix abgibt ;-)))

    Nein, Streik ist ein legitimes Mittel (und meist das Einzige) um Vorderungen materieller oder arbeitstechnischer Art durchzusetzen. Teilweise geht es aber auch gar nicht um Geld sondern um "Sicherheitsfragen" wie z.B. unbezahlte angeordnete Überstunden (sehr gefährlich für die Umwelt kann so ein müder Mitarbeiter in der Flugsicherung schon sein^^) bzw. Einstellung von mehr Mitarbeitern um diese abzubauen ect.

  • Es ist nicht akzeptabel, wenn hier eine kleine Gruppe an den Schalthebeln in Erpressermanier ihre Interessen durchzusetzen versucht. Auch andere Berufe tragen hohe Verantwortung und gehören nicht wie die Fluglotsen zu den Besserverdienern!

  • Es wird Zeit für ein generelles Streikverbot dür alle Arbeitssklaven. Schließlich mindert es die Gewinne Vermögenden!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%