Tarifkonflikt
Nachgeben wird für die Bahn doppelt teuer

Die Lokführer drängen mit aller Macht auf einen eigenen Tarifvertrag. Gegen das gerichtliche Streikverbot haben sie Widerspruch eingelegt. Die Bahn kann es sich aber gar nicht leisten, auf die Forderungen des fahrenden Personals einzugehen. Denn das hätte auch Konsequenzen für den schon geschlossenen Tarifvertrag mit dem Rest der Belegschaft.

HB BERLIN/FULDA. Die Verkehrsgewerkschaften Transnet und GDBA können den Tarifvertrag mit der Deutschen Bahn kündigen, wenn der Konzern der Lokführergewerkschaft GDL einen besseren Abschluss gewährt. Bahn und Transnet bestätigten am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der „Süddeutschen Zeitung“. Ein Transnet-Sprecher sagte in Fulda, es sei eine schriftliche Nebenabrede getroffen worden, die es der Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA ermöglichen solle, wieder Tarifverhandlungen mit der Bahn aufzunehmen, sofern die GDL einen höheren Abschluss erreichen sollte.

Die Tarifgemeinschaft von Transnet und GDBA hatte am Montag mit der Bahn eine Einkommenserhöhung von 4,5 Prozent zum 1. Januar 2008 und eine Einmalzahlung von 600 Euro vereinbart. Die GDL will diesen Vertrag nicht übernehmen. Sie verlangt für Lokführer, Zugbegleiter und Speisewagenmitarbeiter – je nach Berufserfahrung – bis zu 31 Prozent Einkommensplus.

Ein Bahnsprecher sagte in Berlin, die Absprache mit Transnet und GBDA sei „völlig üblich“ in Fällen, in denen es konkurrierende Gewerkschaften gebe.

Transnet hat die konkurrierende GDL zum Einlenken aufgerufen. An die Adresse von GDL-Chef Manfred Schell sagte Transnet-Vorsitzender Norbert Hansen am Mittwoch auf einem Gewerkschaftstag in Fulda: „Beende diesen unsinnigen organisations-egoistischen Konflikt.“ Die Transnet sei weiterhin bereit, mit der GDL eine Verhandlungsgemeinschaft zu bilden. Der erste Schritt dazu müsse aber von der GDL kommen, sagte Hansen unter Beifall der rund 300 Delegierten.

Im Moment sieht es aber nicht danach aus, als ob die Lokführer-Gewerkschaft von ihrem harten Kurs abrückt. Nachdem am Dienstag der zweite Warnstreik nach einstweiligen Verfügungen auf Betreiben der Bahn vorzeitig beendet worden war, drohte die GDL erstmals mit einer Urabstimmung zur Aufnahme eines regulären Streiks. Nach der für den kommenden Freitag angesetzten Verhandlungsrunde mit der Bahn würden der GDL-Hauptvorstand und die Tarifkommission das weitere Vorgehen beschließen, sagte eine Sprecherin. Gewerkschaftschef Schell ergänzte: „Wenn der Bahn-Vorstand uns den Fehdehandschuh hinschmeißt, werden wir ihn mannhaft aufnehmen.“

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