Tarifkonflikt
Warnstreiks im Einzelhandel drohen

Ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft spitzt sich der seit Monaten schwelende Tarifkonflikt im deutschen Einzelhandel mit seinen 2,9 Millionen Beschäftigten zu.

HB MÜNCHEN/STUTTGART. Nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen in Bayern kündigte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende, Margret Mönig-Raane, am Dienstag in Berlin für die kommenden Wochen bundesweit „vielfältige Aktionen bis hin zu Warnstreiks und Streiks“ an.

„Während den Verkäuferinnen einerseits - gerade in der Weihnachtszeit - Höchstleistungen abverlangt werden, sollen sie andererseits noch Geld zur Arbeit mitbringen. Niemand wird ernsthaft glauben, dass wir so einen Unsinn unterschreiben“, sagte Mönig-Raane. Das von den bayerischen Arbeitgebern vorgelegte „Minusangebot“ würde dazu führen, dass eine Verkäuferin über die vorgesehene Laufzeit von zwei Jahren insgesamt 110 Euro draufzahlen müsste. Das durchschnittliche Entgelt einer vollzeitbeschäftigten Verkäuferin läge ohnehin nur bei rund 1986 Euro brutto monatlich.

Die Gewerkschaft sprach nach der siebenten Verhandlungsrunde in Bayern von einem Platzen der Gespräche. Verhandlungen für die 220 000 Beschäftigten im baden-württembergischen Einzelhandel wurden am Dienstag ohne Ergebnis vertagt.

Die Arbeitgeber in Bayern - hier gibt es 330 000 Beschäftigte in der Branche - sind nach eigenen Angaben weiterhin verhandlungsbereit. „Die Verhandlungen sind nicht geplatzt“, sagte Tarifgeschäftsführer Martin Aigner der dpa in München. Einen neuen Gesprächstermin gibt es aber nicht. Die Verhandlungen in Bayern sollten Pilotcharakter für ganz Deutschland haben.

Von der Gewerkschaft hieß es dagegen, dass von den Arbeitgebern in der Nacht zum Dienstag vorgelegte Angebot sei nicht mehr verhandelbar gewesen. Dieses enthält keine Erhöhung für 2005, eine Einmalzahlung von 150 Euro für 2006 und 0,5 Prozent mehr Geld für vier Monate im Jahr 2007. Im Gegenzug soll ein kleinerer Teil des Weihnachtsgeldes in eine erfolgsabhängige Prämie umgewandelt werden.

Für den baden-württembergischen Einzelhandel wurde in Korntal- Münchingen (Kreis Ludwigsburg) in der fünften Runde verhandelt. Verdi verlangt Einkommensverbesserungen von 3,5 Prozent und ein tarifliches Mindesteinkommen von 1500 Euro. Die Verhandlungen wurden auf den 27. Januar vertagt.

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