Tarifkonflikte
GDL und Cockpit wollen keinen zeitgleichen Streik

Zum Ferienende droht der Superstreikt: Sowohl Lufthansa als auch die Bahn stecken im Tarifkampf. Die Gewerkschaften GDL und Cockpit wollen sich aber abstimmen, Reisende nicht zeitgleich von einem Streik betroffen sind.
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Fulda/BerlinDie Gewerkschaften GDL und Cockpit wollen bei ihren Tarifkonflikten die Reisenden nicht mit einem zeitgleichen Streik belasten. „Es gibt Gespräche“, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Montagabend in Frankfurt. „Wir wollen verantwortungsvoll mit dem Mittel Arbeitskampf umgehen.“ Die Gewerkschaften würden sich abstimmen, damit nicht zeitgleich Bahn- und Flugreisende von einem Streik betroffen sind.

Bei der Lufthansa wollen die Piloten im Tarifstreit um die Frühverrentung die Arbeit niederlegen. Wann und wie lange die Flugkapitäne streiken werden, ist noch unklar. Nähere Informationen zu einem möglichen Arbeitskampf dürfte es wohl frühestens am Dienstag geben. Im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Bahn geht es um die künftige Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. Konkret soll geklärt werden, welche Gewerkschaft künftig für welche Gruppen unter den 170 000 Beschäftigten verhandeln darf.

Im Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn fordert die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sechs Prozent mehr Lohn. Für die rund 100.000 Mitglieder, die bei der DB AG beschäftigt sind, sollten es aber zugleich auch mindestens 150 Euro mehr pro Monat sein, teilte die EVG nach der Tagung der Tarifkommission in Fulda mit. Zugleich will die EVG, dass die etwa 5000 bei ihr organisierten Lokführer wieder unter die Tarifregelungen der EVG fallen. Neben der Forderung nach mehr Geld sieht die EVG Anpassungsbedarf bei den Arbeitsbedingungen etwa für Lokrangierführer und Kundenbetreuer im Nahverkehr.

Unterdessen macht die Konzernführung der Deutschen Bahn der Lokführergewerkschaft GDL schwere Vorwürfe. „Die Totalverweigerung der GDL ist entlarvend: Sie will offenbar auf Teufel komm raus Krawall“, sagte Personalvorstand Ulrich Weber der „Bild“-Zeitung vom Montag. Er bezog sich auf die Entscheidung der Gewerkschaft, einen neuen Vorschlag der Bahn für die Regeln in Tarifverhandlungen abzulehnen.

Hintergrund ist die Konkurrenz zwischen der GDL und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Sie hatten lange Zeit jeweils unterschiedliche Teile der Arbeitnehmerschaft vertreten. Grundlage dafür war eine Vereinbarung, die vor einigen Wochen auslief. Nun wollen beide Gewerkschaften für praktisch alle Mitarbeiter verhandeln. Am Wochenende hatte die Bahn erneut einen Vorschlag unterbreitet, wie die Tarifverhandlungen künftig laufen könnten. GDL-Chef Claus Weselsky wies diesen aber als inhaltlich nicht neu zurück.

Weber warf der Gewerkschaft vor, sie stelle den Machtkampf über die Interessen der Arbeitnehmer. „Statt Drohungen zulasten von Kunden, Mitarbeitern und Unternehmen ist Verantwortungsbewusstsein gefragt“, sagte er. Die Bahn sei weiterhin zu Verhandlungen bereit.

Weselsky hatte der Bahn vorgeworfen, eine Tarifeinheit durchsetzen zu wollen. „Die GDL soll klein beigeben, das wird aber nicht geschehen“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Eine Bahn-Sprecherin wies Weselskys Darstellung zurück. Die jüngsten Vorschläge „sind das Gegenteil von Tarifeinheit, unser Vorstoß stärkt sogar die GDL, denn sie hätte überall mitzureden“, erklärte sie. Die Lokführergewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits mit Streiks gedroht. Auch die EVG erklärte, für ihre Tarifforderungen notfalls streiken zu wollen.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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