Tarifstreit
Dienstag ist Streiktag

Die Vertreter der Deutschen Bahn und der beiden Gewerkschaften Transnet und GDBA saßen bis tief in die Nacht zusammen, um über einen neuen Tarifvertrag zu verhandeln – letztlich ergebnislos. Im Laufe des Montags soll der Durchbruch nun gelingen. Doch selbst wenn der Durchbruch gelingt, erwarten die Reisenden neue Streiks am Dienstag.

HB BERLIN. Die nicht an den Gesprächen beteiligte Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) will mit einem Ausstand am Dienstagmorgen erneut den Zug- und S-Bahn-Verkehr in ganz Deutschland zum Erliegen bringen. Sie rief für die Zeit von 8.00 bis 11.00 Uhr zum Streik auf. Um den Berufsverkehr weitgehend zu schonen, starte der Streik später als in der vergangenen Woche, ließ sie am Montagmorgen wissen. Am vergangenen Dienstag hatte die Gewerkschaft den Bahnverkehr praktisch in ganz Deutschland lahmgelegt, sowohl im Nah- wie im Fernverkehr.

Die kleinste der Gewerkschaften kommt erst an diesem Freitag zu einem Gespräch mit dem Konzern zusammen. Sie verlangt für die rund 32 000 Lokführer, Zugebegleiter und Mitarbeiter der Speisewagen bis zu 31 Prozent höhere Bezüge. Die GDL gehört nicht zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und will einen separaten Tarifvertrag durchsetzen. Die Bahn hat ein Angebot für die Lokführer angekündigt, lehnt aber einen eigenen Tarifvertrag weiter ab.

Große Gewerkschaften verhandeln weiter

Die Gespräche mit Transnet und GDBA sollten am Vormittag fortgesetzt werden, sagte Oliver Kaufhold, Sprecher der Gewerkschaft Transnet, nach dem rund zehnstündigen Treffen mit Bahn-Vertretern in der Nacht zu Montag in Berlin. Nach seinen Worten verbesserte die Bahn ihr Angebot erneut. Sie biete jetzt 3,9 statt bisher 3,4 Prozent mehr Lohn und eine höhere Einmalzahlung. „Das Thema Arbeitszeitverlängerung ist wahrscheinlich vom Tisch“, erklärte Kaufhold. Dennoch habe die Tarifkommission der Arbeitnehmervertreter die Offerte als „noch nicht abschlussfähig“ eingestuft. Transnet und die Gewerkschaft GDBA haben 7 Prozent mehr Gehalt oder mindestens 150 Euro im Monat gefordert. Die Bahn war ursprünglich mit zwei Lohnerhöhungen über je 2 Prozent binnen 30 Monaten in die Verhandlungen gegangen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte nach der Unterbrechung der Gespräche, es seien Fortschritte gemacht worden. Es gebe aber noch „Denkpunkte“, die beide Seiten weiter beraten müssten. Er hoffe, dass im Verlauf des Montags der Rest zu schaffen sei. „Es ist nicht einfach, es geht um viel Geld, es geht um die Zukunft der Bahn.“ Bei der Bahn arbeiten 134 000 Menschen.

Warnstreiks drohen weiterhin

Der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen sagte, es mache keinen Sinn, wenn die Annäherung nur in Millimeterschritten stattfinde. Es sei die klare Erwartung, dass am Montag ein abschlussfähiges Angebot vorgelegt werden müsse. Die Tarifkommission habe einen Zielkorridor dafür festgelegt. Falls dieser nicht erreicht werde, würden die Verhandlungen nicht lange weitergehen, sondern abgebrochen. „Wir erwarten, dass der Arbeitgeber die verbleibende Zeit nutzt“, sagte der GDBA-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel. Über das weitere Vorgehen und mögliche neue Warnstreiks werde die Tarifkommission entscheiden.

Die Gewerkschaften hatten zu Gesprächsbeginn am Sonntagnachmittag ein deutlich verbessertes Angebot verlangt, das näher an der eigenen Forderung liegen müsse. Bahnchef Mehdorn hatte indes betont, ein Abschluss müsse zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit für das Unternehmen verträglich sein.

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