Tarifstreit
Es fährt nur jeder zweite Zug

Ein Streik der Lokführer-Gewerkschaft GDL hat am Freitagmorgen den Regional- und S-Bahn-Verkehr der Deutschen Bahn AG in weiten Teilen Deutschlands massiv behindert. Viele Bahnkunden wichen aufs Auto aus - entsprechend ist die Situation auf den Straßen vieler Ballungsräume.

HB BERLIN. Im bundesweiten Schnitt sei jeder zweite Regional- und S-Bahn-Zug ausgefallen, sagte der zuständige Bahn-Vorstand Karl-Friedrich Rausch im ZDF-Morgenmagazin. Im Laufe des Tages werde es in etwa dabei bleiben. Zugleich seien zahlreiche Fahrgäste auf andere Verkehrsmittel umgestiegen. Im Vergleich zu einem gewöhnlichen Tag sei nur etwa die Hälfte der Fahrgäste auf die Bahnhöfe gekommen. Die Lokführer wollen im Nahverkehr den ganzen Tag streiken.

Da mehr Pendler als sonst mit dem Auto fuhren, gab es massive Staus um die meisten Großstädte. Besonders schlimm sei die Lage im Ruhrgebiet sowie um Hamburg, München und Stuttgart, sagte ADAC-Sprecherin Maxi Hartung. Im Laufe des Tages werde die Situation „auf keinen Fall“ besser, warnte sie. Lediglich auf den Straßen um Berlin sei die Situation relativ entspannt. Die Lage werde auch dadurch erschwert, dass am Freitag der letzte Schultag vor Ferienbeginn in sechs Bundesländern sei: Berlin, Brandenburg, Hamburg, Sachsen- Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.

Der Nahverkehr war in den einzelnen Regionen unterschiedlich stark beeinträchtigt. Schwer betroffen seien unter anderem die neuen Bundesländer, insbesondere Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, sowie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen, berichtete die Bahn. Zum Münchner Flughafen fahre die S-Bahn im Stunden-Rhythmus. In Hamburg und Berlin führen die S-Bahnen alle 20 Minuten.

Die Bahn betonte, wegen der kurzfristigen Ankündigung des Streiks sei es nicht möglich gewesen, Ersatzfahrpläne aufzustellen. Man bemühe sich, verstärkt Beamte in den Schichten einzusetzen und einen Schienenersatzverkehr mit Bussen aufzubauen. Ein Teil der Nahverkehrszüge ist unterwegs, weil nicht alle Lokführer der GDL angehören und viele als Beamte nicht streiken dürfen.

Bahn-Vorstand Rausch kritisierte den Streik scharf. „Offensichtlich will die GDL heute mal richtig Chaos spielen auf deutschen Eisenbahnen“, sagte er. Der Streik hätte abgesagt werden können, nachdem Bahnchef Hartmut Mehdorn am Vorabend ein neues Angebot des Konzerns am Montag in Aussicht gestellt hatte. GDL- Vizechef Claus Wesselsky konterte, die Details des angekündigten Angebots seien noch unbekannt. Die GDL wolle dem Konzern zeigen, dass mit ihr „nicht zu spaßen“ sei. Die Gewerkschaft müsse „zum letzten Mittel des Streiks greifen“, weil die Bahn eine Verzögerungstaktik betreibe.

Die Bahn hatte zuletzt Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent angeboten, wie mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer netto auf etwa zehn Prozent mehr Geld kommen, erklärte die Bahn. Die GDL lehnt dieses Angebot ab. Sie fordert vor allem einen eigenständigen Tarifvertrag.

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