Tarifstreit eskaliert: Lokführer verkrachen sich mit Bahnbetreibern

Tarifstreit eskaliert
Lokführer verkrachen sich mit Bahnbetreibern

Bahnfahrern drohen noch viele Streiks: Die GDL hat sich mit den Bahnbetreibern zerstritten. Nun drohen langwierige Verhandlungen und neues Verkehrschaos.
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BerlinAuch nach dem dritten bundesweiten Warnstreik ist kein Ende des Tarifkonflikts zwischen Lokführern und Bahnbetreibern in Sicht. Hunderttausende Berufspendler und Wochenendreisende mussten am Freitag Zugausfälle oder massive Verspätungen hinnehmen. Die Deutsche Bahn forderte die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch auf. Ihre sechs großen privaten Konkurrenten brachen die Gespräche mit der GDL dagegen ab. Kommt es am Wochenende nicht noch zu einer Einigung, droht eine Ausweitung des Arbeitskampfes: Am Montag soll das Ergebnis der Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern vorliegen, bei der über einen regulären und womöglich tagelangen Streik entschieden wird.

Nach GDL-Angaben fielen am Vormittag rund drei Viertel aller Züge im Nah-, Regional- oder Fernverkehr aus oder verspäteten sich teils massiv. In Ostdeutschland seien sogar fast 90 Prozent aller Züge betroffen gewesen. "Das ist die Antwort auf das gegenüber der Öffentlichkeit gemachte Angebot der Bahn", verteidigte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky das Vorgehen.

"Die Lokführer beantworten solche Frechheiten exakt mit dem, was wir heute machen, nämlich mit einem Warnstreik." Die GDL will neben Gehaltserhöhungen auch einen Flächentarifvertrag für alle 26.000 Lokführer durchsetzen.

Scharfe Kritik an der Taktik der GDL übte die Deutsche Bahn. "Wieder haben Hunderttausende unserer Kunden die Folgen eines aus unserer Sicht völlig überflüssigen GDL-Warnstreiks ausbaden müssen", sagte Personalvorstand Ulrich Weber. "Für solche Aktionen gibt es keinen sachlichen Grund." Weber forderte die GDL auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen.

Die sechs großen privaten Konkurrenten der Bahn erklärten dagegen ihre Verhandlungen mit der Gewerkschaft für beendet.

"Die GDL hat sich bei ihren Forderungen nicht bewegt", begründete die Verhandlungsführerin der Privatbahnen, Ulrike Riedel. "Sie hat alle Kompromissangebote zurückgewiesen." Die sechs großen Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Hessische Landesbahn und Veolia beschäftigen 5000 Mitarbeiter, davon sind die Hälfte Lokführer.

Ob der Arbeitskampf in den kommenden Tagen fortgesetzt oder sogar noch verschärft wird, will die GDL am Montag entscheiden.

Dann soll das Ergebnis der Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern vorliegen, ob der Arbeitskampf ausgeweitet wird. "Die Arbeitgeber haben also das Wochenende zur Verfügung, um endlich zur Besinnung zu kommen und der GDL ein ernsthaftes, verhandlungsfähiges, also ein verbessertes Angebot vorzulegen", sagte Weselsky.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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