Tarifstreit

Fluglotsen wollen am Dienstag streiken

Nun ist es amtlich: Die Fluglotsen werden streiken. Wer morgen ab 6 Uhr verreisen will, sollte sich auf erhebliche Behinderungen gefasst machen. Die Stimmung zwischen Lotsen und Flugsicherung wirkt vergiftet.
Update: 08.08.2011 - 12:55 Uhr 6 Kommentare
Der ein oder andere Start wird morgen ausfallen. Quelle: dapd

Der ein oder andere Start wird morgen ausfallen.

(Foto: dapd)

FrankfurtDie Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) ruft zum bundesweiten Streik auf. Der Ausstand soll am Dienstag zwischen 06.00 und 12.00 Uhr stattfinden. „Wir sehen keine Notwendigkeit in Verhandlungen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) zu kommen und auch keine Möglichkeit, weil sich die Sachlage nicht geändert hat“, sagte GdF-Sprecher Markus Siebers am Montag in Frankfurt. Ausgenommen vom Streik seien die Flugsicherungsakademie der DFS in Langen sowie die Niederlassung in Maastricht.

Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt/Main bereitet sich auf den Streik der Fluglotsen vor. „Natürlich laufen die Vorbereitungen weiter, die wir letzte Woche schon getroffen haben“, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport am frühen Montagmorgen. Über weitere Maßnahmen werde im Laufe des Montags entschieden. Nach Angaben der Fraport könnten in Frankfurt 500 bis 600 Flüge betroffen sein. „Wir stellen uns darauf ein, dass Passagiere stranden werden.“

Am Münchner Flughafen wären bis zu 40.000 Passagiere betroffen. Wie ein Flughafensprecher am Montag auf Anfrage mitteilte, könnten durch einen Streik bei der Flugsicherung im schlimmsten Fall alle rund 400 für Dienstagvormittag geplanten Starts und Landungen ausfallen.

Die Lufthansa hat den angekündigten Streik der Fluglotsen für Dienstag bedauert. „Leidtragende sind natürlich die Fluggäste und wir als Airline“, sagte ein Sprecher am Montagmorgen in Frankfurt. Am Dienstag werde voraussichtlich ein Notfallplan gelten. Reisende sollten sich regelmäßig auf der Internetseite der Airline informieren. „Wir versuchen das Beste“, sagte der Sprecher von Europas größter Luftfahrtgesellschaft.

Nach Angaben der Arbeitgeber könnten bis zu 2.000 Flugbewegungen in Deutschland betroffen sein, sollten die Fluglotsen tatsächlich von 6.00 Uhr bis 12.00 Uhr ihre Arbeit niederlegen. „Dann bedeutet das: Keine Starts, keine Landungen und auch keine Überflüge“, sagte die DFS-Sprecherin.

Ursprünglich wollten die Fluglotsen am Donnerstag für sechs Stunden streiken. Die DFS klagte dagegen jedoch und bekam vom Frankfurter Arbeitsgericht recht, das die Arbeitsniederlegung kurzfristig verbot. Die Richterin erklärte, die Forderungen der Gewerkschaft verstießen teilweise gegen Tarifverträge und seien daher rechtswidrig. Auch der geplante Streik sei somit illegal.

Auch diesmal will die Deutsche Flugsicherung (DFS) gerichtlich gegen den angekündigten Streik vorgehen. Es sei durchaus möglich, dass beim Arbeitsgericht neue Streitpunkte eingeführt würden, sagte DFS-Personalchef Jens Bergmann am Montag in Langen bei Frankfurt. Das Unternehmen werde gegen Mittag seinen Antrag auf einstweilige Verfügung gegen den für Dienstagvormittag geplanten Arbeitskampf beim Gericht einreichen und hoffe auf eine schnelle Entscheidung.

GDF-Verhandlungsführer Vogelsang zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die DFS einen Streik diesmal nicht erneut juristisch verhindern kann. Die Gewerkschaften hätten zwei rechtlich möglicherweise problematische Tarifforderungen gestrichen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Daher gebe es für das Gericht keinen Grund, die geplante Arbeitsniederlegung erneut zu untersagen. Bei der DFS war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Streik ist diesmal juristisch wohl nicht zu verhindern
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6 Kommentare zu "Tarifstreit: Fluglotsen streiken am Dienstag"

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  • Hallo Paul,
    großzügige Entlassungen helfen leider nicht weiter. Die Kapazitäten der firmeneigenen Akademie wurden seit 2006 entweder langfristig verkauft (z.B. an die Ukraine, China, Kroatien) oder abgebaut- das sparte Geld und bringt sogar noch welches in die Kasse. In Europa gibt es zur Zeit ein strukturelles Minus von ca. 3500 Lotsen. Die Lotsen der Bundeswehr wurden mittlerweile beurlaubt und privatisiert und werden mit streiken. Für die großzügig Entlassenen ist also nicht einmal mittelfristig Ersatz zu beschaffen. Alternativ kann man natürlich den Luftverkehr in Deutschland um 75% reduzieren oder noch ein paar rüstige Rentner aus dem Vorruhestand reaktivieren.

  • Streikverbot für deutsche Fluglotsen: warum Streik!!!
    Es ist nicht einzusehen, dass eine kleine Gruppe hochbezahlter Fluglotsen, ein ganzes Land in Geiselhaft nimmt.
    Alle Fluglotsen werden Dienstverpflichtet, wer sich weigert, kann sich einen neuen Arbeitsplatz suchen.
    Habe kein Verständnis für diesen Streik.
    Danke

  • Wie wär's mit großzügigen Entlassungen? Das bringt den streikenden Herrschaften jede Menge Freizeit. Sich bei diesen Gehältern über ein paar Überstunden aufzuregen, ist lächerlich. Das Argument 'Scherheit' ist reine Tarnung. Ich bin kein Freund von Verstaatlichung, aber wenn diese Monopolstellung derart ausgenutzt wird, muss auch darüber nachgedacht werden.

  • Aus meiner Sicht ist es ein Unding, dass Fluglotsen überhaupt daran denken zu streiken und dann noch solch unverschämt hohe Forderungen stellen. Es ist eine der am besten verdienenden Branchen in Deutschland. Schaut man auf die Parkplätze der Fluglotsen geht es bei einem 5er BMW los und endet bei einem Audi R8. Zudem gibt es kaum Jobs in denen man so viel Freizeit hat und alle 1-2 Jahre für einen Monat zur Kur kann. Fluglotsen rechtfertigen das in der Regel mit der hohen Verantwortung die sie tragen. Betrachte ich teilweise die Arbeitseinstellung einiger Bekannter, dann bin ich schockiert. Selbige Verantwortung haben sicherlich auch viele andere Menschen, die durch nur kleinste Fehler sehr viele andere Personen in Gefahr bringen könnten, dabei aber nur einen Bruchteil verdienen und vermutlich nicht einmal die Hälfte an Freizeit aufweisen können. Vielleicht sollte man das Volk der Fluglotsen mal wieder in die Realität zurückbegleiten! Danke.

  • Um Geld scheint es ja nicht zu gehen. Immerhin weigert die Lotsenschaft sich, bis zu 250 Überstunden pro Jahr abzuleisten. Jede Überstunde wird (bei den hohen Lotsengehältern) mit ca. 150 € brutto vergütet. Man will also dafür streiken, 35000 € brutto nicht verdienen zu dürfen.

  • Eine kleine Gruppe nimmt die gesamte Republik in Geiselhaft!Bei aller Leistung sind die Einkommen der Fluglotsen im Vergleich zu anderen Arbeitnehmern Exorbitant!!Lösung: Der Staat übernimmt die Aufgabe und setzt verbeamtete Arbeitnehmer ein. Dieses wird sehr viel preiswerter und die Volkswirtschaft erleidet keine Verluste durch Streik!

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