Tarifstreit
GDL droht mit neuen Streiks ab Montag

Nach ihrem dreistündigen Ausstand am Freitagmorgen wollen die Lokführer der Bahn AG auch in der kommenden Woche die Finger vom Fahrschalter lassen, wenn der Vorstand des Konzerns nicht an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Das bedeutet: Am Wochenende fahren die Züge des Unternehmens nach dem gewohnten Fahrplan.

HB FRANKFURT. Der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft deutschen Lokomotivfüher, Günther Kinscher, sagte am Freitag, man werde neue Streiks rechtzeitig ankündigen, um die Bahnkunden nicht zu verärgern. Zuvor werde nun aber über die Strategie beraten. „Ich schließe auch Streiks am Montag nicht aus“, sagte Kinscher.

Zugleich überlegt die GDL nach den Worten Kinschers weitere juristische Schritte. Gegebenenfalls werde der Instanzenweg beschritten, erklärte er. Das Arbeitsgericht Chemnitz hatte in der Nacht entschieden, dass die GDL im Regionalverkehr, aber nicht im Fern- und Güterverkehr streiken darf.

Zu den Folgen des dreistündigen Streiks sagte Kinscher: „Die Notfallpläne haben mehr angerichtet als der Streik.“ GDL-Chef Manfred Schell sagte, die Bahn habe das Zugangebot im Regionalverkehr um 50 Prozent reduziert. „Das wäre schon mal die Hälfte. Und dann, was unsere Leute dazu beigetragen haben, das was mir aus Deutschland bekannt ist, da ist die Situation aus unserer Sicht, aus Sicht der GDL, positiv zu bewerten.“

Die Bahn betonte dagegen, es sei während des dreistündigen Streiks am Morgen gelungen, „einen reduzierten, aber zuverlässigen Bahnbetrieb“ abzusichern. In ganz Deutschland kamen Pendler zu spät zur Arbeit, das befürchtete Chaos blieb aber weitgehend aus. „Die Kunden haben sich rechtzeitig auf die veränderte Situation eingestellt“, sagte eine Bahnsprecherin.

Das Unternehmen warf streikenden Lokführer vor, auf mehreren Bahnhöfen versucht zu haben, „massiven Einfluss“ auf fahrbereite Kollegen zu nehmen. Zudem hätten GDL-Mitglieder an verschiedenen Informationsständen die Auskunft der Reisenden behindert. Die Bahn werde in diesen Fällen von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die Streikenden aus den Bahnhöfen verweisen, teilte der Konzern mit. Im Frankfurter Hauptbahnhof ist dies nach Angaben der GDL am Freitag geschehen.

Weil das Chemnitzer Arbeitsgericht erst gegen 2 Uhr morgens entschieden hatte, konnte das Unternehmen nach eigenen Angaben so kurzfristig nicht mehr reagieren, so dass es bei dem Ersatzfahrplan blieb. Nach der Eilentscheidung des Gerichts beschränkte sich die GDL auf Streiks im Regionalverkehr und bei den S-Bahnen. Mit dem Einsatz beamteter Lokführer versuchte der Konzern, dennoch möglichst viele S-Bahnen rollen zu lassen.

Im Fernverkehr wollte die Bahn rund zwei Drittel der 750 Züge einsetzen sowie im Regionalverkehr etwa die Hälfte der Züge. Angaben, welche Züge fahren, sollen im Internet unter » www.bahn.de/aktuell und unter der Telefonnummer 08000 996633 zu bekommen sein. Im Falle neuer Streiks in der kommenden Woche will die Bahn erneut mit Ersatzplänen reagieren.

Die GDL will mit dem Arbeitskampf einen eigenständigen Tarifvertrag und 31 Prozent mehr Geld für das Fahrpersonal durchsetzen. Die Bahn lehnt einen separaten Tarifvertrag ab und verweist auf ihr bereits vorgelegtes Angebot. Demnach soll die GDL den mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielten Abschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus übernehmen. Durch mehr Geld für mehr geleistete Arbeitsstunden könnten die GDL-Mitglieder am Ende bis zu zehn Prozent mehr Geld in die Tasche bekommen.

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