Tarifstreit mit Verdi
Real heuert Streikbrecher über Briefkastenfirma an

Die Metro-Tochter Real kämpft im laufenden Tarifstreit mit harten Bandagen. Dabei setzt die Supermarktkette auch Streikbrecher ein – und umgeht die Regelungen des Tarifvertrags mit Hilfe einer Briefkastenfirma.
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DüsseldorfIm laufenden Tarifstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kämpft die Metro-Tochter Real mit harten Bandagen. Wie das „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe) berichtet, beschäftigt der Einzelhändler in seinen Supermärkten Streikbrecher. Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma erhalten für die Zeit des Streiks befristete Verträge mit einer zweiten Zeitarbeitsfirma. Auf diese Weise umschifft der Konzern den Tarifvertrag für Zeitarbeit, nach dem das Streikbrechen strikt untersagt ist

Dem Handelsblatt liegt ein Schreiben vor, das die Methode dokumentiert. Es stammt aus der Personalabteilung der Zeitarbeitsfirma „4U @work“ (4U), die mit Real zusammenarbeitet. Für den Fall eines Streiks gilt demnach folgende Anweisung: „Wenn die Real-Angestellten aufstehen und ihren Arbeitsplatz verlassen, stehen Sie mit auf, gehen in das Büro der Geschäftsleitung und unterschreiben die dort liegenden Verträge!“

Gemeint sind Verträge bei der Firma Novum, einem Unternehmen, das weder eine öffentlich zugängliche Homepage noch eine Telefonnummer hat und laut Auskunfteien nur einen Angestellten beschäftigt.
Für Real aber hat Novum einen großen Vorteil: Anders als der Geschäftspartner 4U ist Novum nicht im Bundesarbeitgeberverband für Personaldienstleister (BAP) organisiert. Somit ist Novum auch nicht an den BAP-Tarifvertrag gebunden, der den Streikbruch untersagt. Ist der Streik vorbei, wechseln die Leiharbeiter von Novum wieder zurück zu 4U

Real bestätigte auf Handelsblatt-Anfrage diese Praxis. Man sei sicher, dass die Methode rechtens sei, betonte Unternehmenssprecher Markus Jablonski. Sie werde in „einigen“ Märkten bereits eingesetzt, etwa im hessischen Groß-Gerau. Es gebe aber keinen Aufruf zum Streikbruch. Jablonski: „Die Real überlassenen Zeitarbeitnehmer entscheiden eigenständig, ob sie im Streikfall die Arbeit aufnehmen oder von ihrem Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen.“

Massimo Bognanni ist Reporter im Handelsblatt Investigativ-Team.
Massimo Bognanni
Handelsblatt / Reporter im Investigativ-Team

Kommentare zu " Tarifstreit mit Verdi: Real heuert Streikbrecher über Briefkastenfirma an"

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  • @ Herr Andersen

    Bei aller Globalität vergessen Sie eines, es geht um die Tarifverträge der Beschäftigen bei Real Deutschland und nicht der ganzen Welt. Die betroffenen Märkte sind in Deutschland und werden zum großen Teil auch von hier ansässigen Kunden frequentiert. Auch wenn es vielleicht in Grenzgebieten einen Länderübergreifenden Wettbewerb gibt, kann man diesen Deutschlandweit wohl unberücksichtigt lassen. Also geht es hier um eine Dienstleistung, die national angeboten wird und zum Glück auch nicht in andere Länder verlagert werden kann.

    Und stimme hier mit Herrn Zinka-Nister überein, die Angestellten von Real sind natürlich Konsumenten, die jeden Cent mehr, den sie nach einer Gehaltserhöhung in der Tasche haben auch wieder ausgeben. Und das in den meisten Fällen auch wieder national, oft sogar bei Unternehmen des Konzerns für den sie arbeiten.

  • @....-nister:

    Leider sitzen auch Sie dem längst überholten keynes´schen Nachfragemodell an, welches vorwiegend von Linken und Gewerkschaftsfunktionären noch zu Hilfe gezogen wird, um ihr längst überholtes Weltbild zu erklären.
    Keynes selbst hat es in seinen späten Tagen längst als Unfug und nicht funktionabel widerrufen.

    Produkte werden global angeboten, gekauft - oder eben nicht, wenn sie zu teuer, etwa wegen hoher Löhne, sind. Dann Macht das Werk zu und produziert wird anderswo unter günstigeren Produktionsbedingungen. Das ist doch längst bekannt und ein alter aber richtig passender Hut.

  • Warum bezahlt Real nicht einfach seinen Mitarbeitern mehr Geld? Wir haben doch eh schon eine Deflationsspirale bei Löhnen und Gehältern, wohin soll das alles noch führen? Einerseits wollen die Unternehmen wachsen, andererseits bezahlen Sie miese Löhne, woraufhin diejenigen, welche konsumieren würden einsparen, da sie zu wenig zum ausgeben haben.
    Sowas ist doch pervers, wie soll ein Wirtchaftssystem da noch funktionieren.
    DHL treibt es genauso, wann wehrt sich endlich die breite Masse gegen die Schweinereien?

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