Tarifstreit mit Verdi

Real heuert Streikbrecher über Briefkastenfirma an

Die Metro-Tochter Real kämpft im laufenden Tarifstreit mit harten Bandagen. Dabei setzt die Supermarktkette auch Streikbrecher ein – und umgeht die Regelungen des Tarifvertrags mit Hilfe einer Briefkastenfirma.
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Die Supermarktkette setzt im Tarifstreit auch Streikbrecher ein. Quelle: dpa
Real-Markt in Köln

Die Supermarktkette setzt im Tarifstreit auch Streikbrecher ein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfIm laufenden Tarifstreit mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kämpft die Metro-Tochter Real mit harten Bandagen. Wie das „Handelsblatt“ (Donnerstagsausgabe) berichtet, beschäftigt der Einzelhändler in seinen Supermärkten Streikbrecher. Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma erhalten für die Zeit des Streiks befristete Verträge mit einer zweiten Zeitarbeitsfirma. Auf diese Weise umschifft der Konzern den Tarifvertrag für Zeitarbeit, nach dem das Streikbrechen strikt untersagt ist

Dem Handelsblatt liegt ein Schreiben vor, das die Methode dokumentiert. Es stammt aus der Personalabteilung der Zeitarbeitsfirma „4U @work“ (4U), die mit Real zusammenarbeitet. Für den Fall eines Streiks gilt demnach folgende Anweisung: „Wenn die Real-Angestellten aufstehen und ihren Arbeitsplatz verlassen, stehen Sie mit auf, gehen in das Büro der Geschäftsleitung und unterschreiben die dort liegenden Verträge!“

Gemeint sind Verträge bei der Firma Novum, einem Unternehmen, das weder eine öffentlich zugängliche Homepage noch eine Telefonnummer hat und laut Auskunfteien nur einen Angestellten beschäftigt.
Für Real aber hat Novum einen großen Vorteil: Anders als der Geschäftspartner 4U ist Novum nicht im Bundesarbeitgeberverband für Personaldienstleister (BAP) organisiert. Somit ist Novum auch nicht an den BAP-Tarifvertrag gebunden, der den Streikbruch untersagt. Ist der Streik vorbei, wechseln die Leiharbeiter von Novum wieder zurück zu 4U

Diese Händler machen Deutschland satt
Platz 10: Globus
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Die Supermarktkette aus dem Saarland entwickelte bereits 1966 ein Konzept, das einem modernen Supermarkt ähnelt. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 18.500 Mitarbeiter in 46 SB-Warenhäusern. Im Jahr 2015 erreichte die Globus-Gruppe einen Umsatz von 4,82 Milliarden Euro.

Quelle: TradeDimensions

Platz 9: Rossmann
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Die Drogeriekette kann den Umsatz mit Lebensmitteln im Vergleich zum Vorjahr deutlich steigern. Waren es 2014 noch 5,41 Milliarden Euro, machte Rossmann im vergangenen Jahr 5,75 Milliarden Euro Umsatz. Die Drogeriekette von Dirk Roßmann verkauft vor allem Bio-Lebensmittel und Wein.

Platz 8 : dm
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Der erste dm-Markt eröffnete 1973 in Karlsruhe. Heute ist dm in zwölf europäischen Ländern mit über 3.200 Marken präsent. Mit 7,03 Milliarden Euro Umsatz dürfte der Drogeriekonzern durchaus zufrieden auf das vergangene Jahr zurückblicken.

Platz 7: Tengelmann
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2015 gehörte die Handelskette aus Mühlheim an der Ruhr noch zu den größten Lebensmittelhändlern der Republik mit einem Umsatz von 7,7 Milliarden Euro im Jahr 2015. Im März 2016 wurde allerdings die Übernahme durch den Konkurrenten Edeka von Wirtschaftsminister Gabriel genehmigt.

Platz 6: Lekkerland
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Der Handelsriese mit Sitz in Frechen beliefert vor allem die Shops von Tankstellen und kleine Büdchen. Das Geschäft mit dem Spontan- und Spätkauf katapultiert Lekkerland unter die größten Händler mit einem Umsatz von 9,08 Milliarden Euro.

Platz 5: Metro-Gruppe
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Zum Dax-Konzern gehört mit Metro Cash&Carry nicht nur der führende Lebensmittel-Großhändler, sondern auch die real-Supermärkte. Damit nehmen die Düsseldorfer unter Deutschlands Lebensmittelhändlern eine führende Position ein. Dennoch büßte die Gruppe im Vergleich zu 2014 mehr als drei Milliarden Euro ein und brachte es im vergangenen Jahr auf einen Umsatz in Höhe von 26,13 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür ist der Verkauf der Warenhaussparte Galeria Kaufhof.

Platz 4: Aldi
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Beim Lebensmittelabsatz landet der Discounter auch in diesem Jahr nicht auf dem Treppchen – überholt aber Metro und landet auf Platz vier. Der Umsatz stieg 2015 auf 27,8 Milliarden Euro. Aldi Nord und Aldi Süd legten gemeinsam um 1,5 Prozent zu.

Real bestätigte auf Handelsblatt-Anfrage diese Praxis. Man sei sicher, dass die Methode rechtens sei, betonte Unternehmenssprecher Markus Jablonski. Sie werde in „einigen“ Märkten bereits eingesetzt, etwa im hessischen Groß-Gerau. Es gebe aber keinen Aufruf zum Streikbruch. Jablonski: „Die Real überlassenen Zeitarbeitnehmer entscheiden eigenständig, ob sie im Streikfall die Arbeit aufnehmen oder von ihrem Leistungsverweigerungsrecht Gebrauch machen.“

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4 Kommentare zu "Tarifstreit mit Verdi: Real heuert Streikbrecher über Briefkastenfirma an"

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  • @ Herr Andersen

    Bei aller Globalität vergessen Sie eines, es geht um die Tarifverträge der Beschäftigen bei Real Deutschland und nicht der ganzen Welt. Die betroffenen Märkte sind in Deutschland und werden zum großen Teil auch von hier ansässigen Kunden frequentiert. Auch wenn es vielleicht in Grenzgebieten einen Länderübergreifenden Wettbewerb gibt, kann man diesen Deutschlandweit wohl unberücksichtigt lassen. Also geht es hier um eine Dienstleistung, die national angeboten wird und zum Glück auch nicht in andere Länder verlagert werden kann.

    Und stimme hier mit Herrn Zinka-Nister überein, die Angestellten von Real sind natürlich Konsumenten, die jeden Cent mehr, den sie nach einer Gehaltserhöhung in der Tasche haben auch wieder ausgeben. Und das in den meisten Fällen auch wieder national, oft sogar bei Unternehmen des Konzerns für den sie arbeiten.

  • @....-nister:

    Leider sitzen auch Sie dem längst überholten keynes´schen Nachfragemodell an, welches vorwiegend von Linken und Gewerkschaftsfunktionären noch zu Hilfe gezogen wird, um ihr längst überholtes Weltbild zu erklären.
    Keynes selbst hat es in seinen späten Tagen längst als Unfug und nicht funktionabel widerrufen.

    Produkte werden global angeboten, gekauft - oder eben nicht, wenn sie zu teuer, etwa wegen hoher Löhne, sind. Dann Macht das Werk zu und produziert wird anderswo unter günstigeren Produktionsbedingungen. Das ist doch längst bekannt und ein alter aber richtig passender Hut.

  • Warum bezahlt Real nicht einfach seinen Mitarbeitern mehr Geld? Wir haben doch eh schon eine Deflationsspirale bei Löhnen und Gehältern, wohin soll das alles noch führen? Einerseits wollen die Unternehmen wachsen, andererseits bezahlen Sie miese Löhne, woraufhin diejenigen, welche konsumieren würden einsparen, da sie zu wenig zum ausgeben haben.
    Sowas ist doch pervers, wie soll ein Wirtchaftssystem da noch funktionieren.
    DHL treibt es genauso, wann wehrt sich endlich die breite Masse gegen die Schweinereien?

  • Natürlich ist es jedem Unternehmen erlaubt, seine Tätigkeiten mit Mitarbeitern seiner Wahl auszuüben.
    Sollten einige davon "rechtmäßig" ihre Arbeit verweigern und damit das Unternehmen beschädigen, ist jeder Geschäftsführer/Vorstand gesetzlich gehalten diesen Schaden für die Eigner so gering wie möglich zu halten ansonsten er sich strafbar machte.
    Das mag zwar den Arbeitsverweigerern und den Gewerkschaftsfunktionären egal sein, ändert jedoch nichts an der Verpflichtung zur Schadensminderung.

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