Tarifstreit
Post einigt sich mit Verdi

Wer gerne Weihnachtskarten schreibt, hat nun eine Sorge weniger: Bei der Post wird es in der sensiblen Phase rund ums große Fest keine Streiks geben. Der Tarifkonflikt mit der Gewerkschaft Verdi ist gelöst. Damit hat der Bonner Konzern nun Planungssicherheit.
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HB BERLIN. Post und Gewerkschaft einigten sich auf eine längere Laufzeit für den Tarifvertrag bis Ende 2011. Nach einer Tariferhöhung um drei Prozent im Dezember muss der Bonner Konzern damit länger als geplant keine weiteren Lohnaufstockungen vornehmen und hat damit für zusätzliche anderthalb Jahre Planungssicherheit.

Zugleich verzichten die Briefträger bis Ende Juni 2011 auf Überstundenzuschläge. Auch wurde die Möglichkeit der Fremdvergabe im Paketdienst auf 990 Bezirke ausgeweitet, das sind über 100 mehr Bezirke mehr als bislang. Die Post bezifferte die Einsparungen aus der Tarifeinigung für 2010 auf etwa 140 Mio. Euro und auf 230 Mio. Euro für 2011. Die Kostensenkungen schlügen sich direkt im Briefergebnis nieder.

„Wir sind ausgesprochen zufrieden mit diesem Ergebnis“, sagte Kocsis. Der Konflikt sei ohne Arbeitskampf beigelegt worden. Post-Chef Frank Appel bezeichnete die Vereinbarung als „Etappensieg für stabile Erträge und sichere Arbeitsplätze“.

Im Briefgeschäft werde es dagegen keine Fremdvergabe geben, betonte Kocsis. Dies sei für die kommenden zwei Jahre ausgeschlossen. Verdi hatte im Vorfeld befürchtet, dass die Post Aufträge an billige Dienstleister vergeben könnte. Die Gewerkschaft zeigte sich zudem erleichtert darüber, dass nicht in den laufenden Tarifvertrag eingegriffen werden soll. Das bedeutet, dass die Post-Beschäftigten die vereinbarte Gehaltserhöhung von drei Prozent im Dezember 2009 ausgezahlt bekommen.

Die Post, die im Zuge der Wirtschaftskrise mit zurückgehenden Sendungsmengen und abschmelzenden Erträgen kämpft, hatte eine Aussetzung dieser Erhöhungsrunde gefordert. Auch die Arbeitszeit wird nicht verlängert, die Post verzichte zudem bis Ende 2011 auf betriebsbedingte Kündigungen. Als Gegenleistung für die längere Laufzeit des Tarifvertrags erhalten die Post-Beschäftigten 2011 eine Einmalzahlung von 320 Euro.

Die Wirtschaftskrise macht dem ehemaligen Staatskonzern schwer zu schaffen. Vor allem der Briefbereich, der über Jahre ein sicherer Gewinnbringer war, leidet unter sinkenden Postmengen und schrumpfenden Gewinnen. Experten gehen davon aus, dass das Unternehmen im Sommer bei Umsatz und operativem Ertrag deutliche Rückgänge erlitten hat. Der Konzern will seine Zahlen für das Sommerquartal am Donnerstag (5.November) vorlegen.

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