Tarifstreit zwischen Bahn und GDL
Verwirrung um GDL-Streikankündigung

Bahn und Wirtschaft sollten zunächst von einem neuen Lokführerstreik verschont bleiben. Das hatte der Chef der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, am Sonntag in einem Interview gesagt. Doch am Abend hieß es plötzlich, die GDL habe diese Äußerung zurückgezogen. Sein Stellvertreter Claus Weselsky hatte zuvor der Bahn ein Ultimatum gestellt.

HB MÜNCHEN/FRANKFURT. Verwirrung beim strittigen Thema Bahnstreiks: Die Lokführergewerkschaft GDL widerrief am Sonntagabend Äußerungen ihres Chefs Manfred Schell, wonach in dieser Woche keine Streiks geplant seien. Die Pressestelle der Gewerkschaft zog die zuvor freigegebene Ankündigung Schells in einem Interview mit „sueddeutsche.de“ zurück, teilte die „Süddeutsche Zeitung“ in München mit. Die übrigen Passagen des Interviews seien korrekt, hieß es.

„Zunächst werden wir uns nun mit dem Vorstand zusammensetzen und diskutieren, was für einen Weg wir einschlagen. Dazu zählt auch, dass wir darüber nachdenken, welche Art von Arbeitskampf wir führen“, sagte Schell der Internet-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“. Falls es zu Streiks käme, solle der Schwerpunkt im Güterverkehr liegen. Dort würden besondere Spielregeln gelten. „Wir wissen, was wir tun“, sagte Schell.

Ein Streik im Güterverkehr könnte die Bahn nach Konzern- Schätzungen zwischen elf und 17 Millionen Euro pro Tag kosten. Volkswirte rechnen gar mit 50 Millionen Euro bei bundesweiten Streiks.

Er habe zur Kenntnis genommen, dass Bahnchef Hartmut Mehdorn Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Eingreifen aufgefordert habe, sagte Schell in dem Interview. „Wir werden abwarten, ob das Resonanz findet.“ Falls es später zur Streiks kommt, soll der Schwerpunkt laut Schell im Güterverkehr liegen. Dort seien besondere Spielregeln zu beachten, „das spielt sich normalerweise in der Nacht ab“. Man müsse aber zunächst abwarten, was in der kommenden Woche geschehe, betonte der GDL-Chef.

Er geht davon aus, dass die Bahn das Chemnitzer Urteil, das zuvor gerichtlich untersagte Streiks im Güter- und Fernverkehr erlaubt, „verstanden hat“ und sich einen Stillstand in diesen Bereichen nicht erlauben wird. Nun sei der Bahn-Vorstand in der Pflicht, ein „vernünftiges Angebot“ zu machen, sagte Schell. Das basiere auf der Grundlage dessen, was der Bahnvorstand und der Arbeitgeberverband der Bahn bereits unterschrieben hätten: das Ergebnis der Moderatorenverhandlung. Danach habe sich die Bahn verpflichtet, mit der GDL über einen eigenständigen Tarifvertrag, der Zeit und Geld umfasse, zu verhandeln und abzuschließen.

Immerhin seien die Lokführer der Bahn bereits entgegengekommen, betonte Schell: „Tatsache ist, dass in dem Moderatorenergebnis die Forderung stand, dass wir auf die Zugbegleiter verzichten. Das heißt, wir reden hier über 3 000 Zugbegleiter, die bei uns Mitglieder sind“, sagte Schell. Die GDL habe dieser Forderung zugestimmt und sei so auf die Bahn zugegangen. „Nur die Bahn ist wieder abgedriftet.“

Schell erklärte, eine weitere Schlichtungsrunde werde es nicht geben. Allein Kanzlerin Merkel würde der 64-Jährige als Vermittlerin noch akzeptieren.

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