Tarifverhandlungen abgebrochen
Lufthansa-Piloten werfen Fehdehandschuh

Der Tarifkonflikt zwischen Lufthansa und der Pilotenvertretung Vereinigung Cockpit (VC) droht zu eskalieren. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, hat die Pilotengewerkschaft die seit Monaten stockenden Verhandlungen einseitig beendet.

HB FRANKFURT. Hintergrund der hartnäckigen Auseinandersetzung ist das Europakonzept der Lufthansa, die wegen der forschen Expansion der Billig-Fluggesellschaften deutliche Kostensenkungen im Kurz- und Mittelstreckenverkehr durchsetzen will.

Ein Konzerntarifvertrag aus dem Jahr 1992 setzt dem Sparkurs des Managements – vor allem dem Auslagern an günstiger operierende Tochtergesellschaften – bisher enge Grenzen. Danach müssen alle Jets mit mehr als 70 Sitzen von Piloten des Konzerns geflogen werden – ein aus Sicht des Lufthansa-Managements unhaltbarer Zustand. Billigflieger wie Easyjet oder Air Berlin greifen mit 150-sitzigen Flugzeugen an und nehmen dem Konzern Marktanteile ab. Es müsse jetzt darum gehen, „für die Geschäftsfelder eigenständige, wettbewerbsfähige Tabellenstrukturen zu vereinbaren, mit denen wir das 30 Jahre alte einheitliche System ersetzen wollen“, hatte Lufthansa-Personalchef Stefan Lauer kürzlich in der Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ gefordert.

Bereits seit einem Jahr streiten Lauer und Konzernchef Wolfgang Mayrhuber mit den Piloten über eine Aufweichung des Tarifvertrags. Eine Annäherung war nie in Sicht – im Gegenteil: Um den Einsatz zu erhöhen, kündigte VC einen Ende 2004 geschlossenen Tarifvertrag, den Lufthansa als Meilenstein auf dem Weg zu höherer Produktivität gefeiert hatte.

Der Abbruch der Verhandlungen ist aus Sicht von Branchenbeobachtern die nächste Eskalationsstufe. Die Gewerkschaft fordert ein stärkeres Bekenntnis der Lufthansa zum Heimatstandort Deutschland: „Wir müssen uns wehren, wenn ausländische Lufthansa-Beteiligungen missbraucht würden, um Druck auf unsere Arbeitsplätze auszuüben“, hatte ein VC-Sprecher im Oktober gesagt. Gestern wollte VC keinen Kommentar zum Stand der Verhandlungen abgeben.

Lufthansa gab derweil die Bestellung von zwölf neuen Bombardier-Jets mit je 84 Sitzen bekannt – als Trotzreaktion auf den Abbruch der Gespräche, hieß es in Branchenkreisen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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