Tarifverhandlungen gescheitert
Bahn-Chaos droht zur Hauptreisezeit

Nun wird die Kraftprobe auf die Spitze getrieben. Es dürfte noch mehr als zwei Wochen dauern, aber danach werden aller Voraussicht nach die Lokführer bei der Deutschen Bahn unbefristet streiken – und das mitten in der Urlaubszeit.

HB BERLIN. Es könnte der erste längere Arbeitskampf bei der Bahn seit 15 Jahren werden. Einen Vorgeschmack darauf bekamen die Fahrgäste am 3. und am 10. Juli. Damals ging wegen Warnstreiks im morgendlichen Berufsverkehr auf der Schiene kaum noch etwas. An diesem Montag will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer die Urabstimmung über den Streik einleiten, bis 6. August soll das Ergebnis feststehen.

Die beiden Tarifpartner, der Konzern auf einen Seite und die GDL auf der anderen, sind am Donnerstag in Berlin an das Ende einer Sackgasse geraten. Bei der Bahn machte sich nach Abbruch der Verhandlungen in zweiter Runde eine gewisse Ratlosigkeit breit. „Die Positionen sind zu weit voneinander entfernt“, sagte Bahn- Personalvorstand und Verhandlungsführerin Margret Suckale. Man sei „nicht aufeinander zugegangen“. Sie sei „besonders erschüttert und erstaunt“ darüber, dass die GDL nun „mindestens 31 Prozent“ mehr Lohn und Gehalt für das Fahrpersonal fordere, also für Lokführer, Zugbegleiter und die Servicekräfte in den Zügen.

Die GDL-Spitzenleute hatten in Interviews der vergangenen Tage die Lohnforderung von 31 Prozent mehr Geld als Erfindung der Bahn dargestellt. Sie vermieden es aber, eine andere Prozentzahl zu nennen. Tatsächlich hatte das Magazin „Der Spiegel“ Ende März die Zahl 31 genannt, die Bahn hat sie zuletzt in einer Anzeigenkampagne verwendet.

Schell erläuterte am Donnerstag, es sei in den vergangenen zwei Monaten nicht gelungen, diese Zahl „aus der Welt zu schaffen“. „31 Prozent war nie unsere Forderung, sondern wir haben immer gesagt, wir brauchen ein Einstiegsgehalt von 2500 Euro brutto für einen Lokomotivführer.“ Was Schell nicht sagte: Dies wäre nach den eigenen Zahlen im Vergleich zum heutigen Niveau ein Aufschlag von immerhin 27 Prozent. Des Gewerkschaftsboss argumentiert nun so: „Der Arbeitgeber hat 31 Prozent monatelang durch die Welt posaunt, und jetzt haben wir ihm den Gefallen getan, jetzt haben wir die 31 Prozent zu unserer Forderung erhoben.“

Bahn-Vorstand Suckale sah nach Abbruch der Gespräche „keine Lösungsansätze“ mehr, zeigte sich aber weiterhin verhandlungsbereit. Am Grundgerüst des Tarifabschlusses, das mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA bereits vereinbart ist, will das Unternehmen festhalten: 4,5 Prozent mehr Einkommen und eine Einmalzahlung von 600 Euro. „Für die Bahn kann es nur ein einheitliches Tarifwerk geben. Wir lassen nicht zu, dass eine Gewerkschaft versucht, unsere Belegschaft in Mitarbeiter erster und zweiter Klasse zu spalten.“

Der Abschluss eines separaten Tarifvertrages für die GDL- Mitglieder ist für die Bahn auch deswegen nicht vorstellbar, weil alle vereinbarten Vorteile dann auch von Transnet und GDBA für die übrigen Mitarbeiter eingefordert würden. Suckale kann sich allenfalls vorstellen, das Vergütungssystem der Bahn so zu ändern, „dass alle Mitarbeiter künftig besser nach Leistung und Qualifikation vergütet werden - auch die Lokführer.“ Manfred Schell ließ sich damit nicht locken.

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