Tarifverhandlungen mit Air Berlin
Ufo legt sich mit Verdi an

Bis jetzt wurden die rund 3000 Stewardessen und Stewards von Air Berlin von Verdi vertreten. Bis jetzt. Die Gewerkschaft Ufo hat eine eigene Tarifkommission gegründet und erklärt Verdi damit den Kampf.
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HamburgIm Kampf um die besten Plätze vor der Neuregelung der Tarifeinheit tritt die Flugbegleitergewerkschaft Ufo nun auch bei Air Berlin an. „Wir haben den Anspruch, alle Flugbegleiter in Deutschland zu vertreten, weil wir einheitliche Tarifstandards erreichen wollen“, sagte ein Ufo-Sprecher am Freitag anlässlich der Vorstellung einer neu gegründeten Tarifkommission bei Air Berlin. Bislang werden die rund 3000 Stewardessen und Stewards von Deutschlands zweitgrößter Airline von Verdi vertreten.

Verdi reagierte entsprechend erbost und warf Ufo eine Spaltung der Belegschaft vor. „Wir sind ausgesprochen gut organisiert in dem Bereich und haben überhaupt kein Verständnis dafür, dass Ufo bei Air Berlin antritt“, sagte eine Sprecherin. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) hielt dem entgegen, dass sich Beschäftigte bei Air Berlin von Verdi nicht gut genug vertreten sähen. Als Berufsgewerkschaft gehe es ihr darum, die Interessen der Kabinenbeschäftigen zu vereinen. Bedingt durch die Fusion mit LTU gebe es bei den Berlinern immer noch unterschiedliche Arbeits- und Vergütungsbedingungen für dieselbe Tätigkeit. Beispielsweise sei ein Teil der Flugbegleiter aufgrund tarifvertraglicher Vereinbarungen vom Einsatz auf Langstreckenflügen oder dem Altersversorgungssystem ausgeschlossen. Zudem setze Air Berlin immer mehr Leiharbeiter als Kabinenpersonal ein. Auch deren Lage wolle Ufo verbessern.

Gewerkschaftsexperten sehen die Offensive von Ufo im Zusammenhang mit den Plänen der Bundesregierung zur Einschränkung der Macht kleiner Gewerkschaften. CDU und SPD wollen erreichen, dass in einem Unternehmen künftig der Tarifvertrag der Gewerkschaft mit den meisten Mitglieder zur Anwendung kommt. Kleine, aber mächtige Gewerkschaften wie Ufo, die Pilotenvereinigung Cockpit, die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Marburger Bund laufen dagegen Sturm, weil sie ihr Streikrecht eingeschränkt sehen.

Ufo ist bislang vor allem bei der Lufthansa aktiv, wo sie die Interessen von rund 18.000 Flugbegleitern vertritt. Air Berlin soll nun der Anfang einer Expansion sein. Mit Germania, Hamburg Airways und dem Air-Berlin-Zubringer LGW gebe es weitere Kandidaten, sagte ein Ufo-Sprecher. „Über kurz oder lang werden wir uns derer auch annehmen.“

Die Spartengewerkschaft selbst räumte ein, dass sie bei dem Schritt auch die Pläne der Bundesregierung zur Tarifeinheit im Blick hat. „Es ist für uns durchaus wichtig, im Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf zu zeigen, dass wir das Terrain nicht kampflos überlassen“, sagte der Ufo-Sprecher. Große Gewerkschaften wie Verdi seien oft nicht in der Lage, die Interessen kleiner Berufsgruppen ausreichend zu vertreten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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