Tarifverhandlungen
Privatbahnen bestehen auf Schlichtung

Deutschlands Privatbahnen wollen die Tarifverhandlungen vorerst nicht fortsetzen. Weitere Gesprächsverhandlungen würden zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn machen, betonte ein Sprecher. Um die Verhandlungen zum Erfolg zu führen, sei ein Schlichterspruch kaum abwendbar.
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HB BERLIN. In der festgefahrenen Tarifrunde für die Beschäftigten der deutschen Eisenbahnunternehmen haben die sechs Privatbahnen die Gewerkschaften erneut zu einem Schlichtungsgespräch eingeladen. Bedingung sei aber, dass alle vier Verhandlungsparteien an einem Tisch zusammenkämen, sagte der Sprecher der privaten Bahnunternehmen Abellio, Arriva, Benex, Hessische Landesbahn, Keolis und Veolia, Christoph Kreienbaum, am Freitag. „Wir wollen einen Schlichterspruch, der für uns und die Deutsche Bahn auf der einen und die Tarifgemeinschaft Transnet und GDBA wie auch die GDL auf der anderen Seite gilt“, sagte er.

Ein Treffen allein mit Deutscher Bahn und der Tarifgemeinschaft komme für die Privatbahnen nicht in Frage. „Wir wollen nicht in drei Monaten mit der GDL in ein Schlichtungsverfahren gehen, wenn das jetzt schon möglich ist“, erklärte Kreienbaum. Ohne die GDL sei im Umkehrschluss auch eine Koordination mit der Deutschen Bahn nicht möglich. Das Berliner Staatsunternehmen als zweiter Verhandlungspartner auf der Arbeitgeberseite erklärte sich indes zur Teilnahme an einem Schlichtungsgespräch allein mit Privatbahnen sowie Transnet und GDBA bereit.

Die Gewerkschaften verhandeln seit Juli separat mit Privatbahnen und Deutscher Bahn um einen Branchentarifvertrag. Zugleich führt die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) Gespräche mit beiden Arbeitgeberparteien. Ziel ist ein bundesweiter Rahmentarif, der ebenso wie der Branchentarif einheitliche Lohnstandards für die Beschäftigten aller deutschen Eisenbahnunternehmen gewährleisten soll. Beide Seiten fordern ein Vergütungsniveau, das heute bereits für 90 Prozent aller Eisenbahner gelte.

Privatbahnen-Verhandlungsführerin Ulrike Riedel erläuterte, warum für die Unternehmen nur eine Schlichtung in Frage komme, aber keine weiteren Verhandlungen. „Die unterschiedlichen Sichtweisen und Positionen sind in den letzten Wochen und Monaten zwischen den Verhandlungspartnern intensiv ausgetauscht worden“, sagte sie.

Dennoch habe es auf Gewerkschaftsseite keinerlei Bewegung gegeben. “Weitere Gesprächsrunden machen auf dieser Basis zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn.“ Nach eigenen Angaben haben die sechs Privatbahnen zuletzt ein Angebot vorgelegt, das zehn Prozent unter dem geforderten Niveau liegt. Die Gewerkschaften rechnen allerdings anders und machen die Offerte bei 20 Prozent unterhalb der Vergütung bei der Deutschen Bahn fest.

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