Tausende Arbeitsplätze in Gefahr
Zerschlagung der Pin Group wird wahrscheinlicher

Viele Zeitungsverlage und auch Pressgrossisten prüfen nach Informationen des Handelsblatts aus der Branche, ihre früheren Briefdienste von der Pin Group zurückzukaufen. Damit rückt eine Zerschlagung der Gruppe immer näher.

Pin Group ist ein Bündnis von Briefdiensten verschiedenster Zeitungsverlage. Madsack soll an der Pin Mail Hannover (Citypost) Interesse haben, der Mittelbayerische Verlag an der Citymail Regensburg und der Holtzbrinck-Verlag, zu dem auch das „Handelsblatt“ gehört, mit der Mainpost an der Mainpost Logistik. Axel Springer ("Bild", "Die Welt"), neben der WAZ-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") die Gründer der Pin, wird ebenfalls genannt. Springer prüft danach einen Rückkauf der Punkt Direkt in Hamburg, um sie für die Zustellung der Anzeigen- und Wochenblätter zu nutzen.

Die Essener WAZ hat kein Interesse an der Pin-Insolvenzmasse. Sie hatte bereits Ende 2007 die ehemalige Tochter WPS zurückgekauft, um die sogenannte „letzte Meile“ zum Briefkasten selbst zu kontrollieren. Die WAZ blieb aber Minderheitsgesellschafter bei der Pin. Pressegrossist Trunk aus München will dagegen die Pin München zurückkaufen. Die angefragten Verlage wollten das ebenso wenig kommentieren wie ein Sprecher des Pin-Insolvenzverwalters Bruno Kübler.

Ziel sei weiterhin eine „große Lösung“ mit einem Investor für die ganze oder möglichst große Teile der Pin-Gruppe, sagte der Sprecher Küblers. Es gebe weiterhin ernsthafte Interessenten, die sich bereits im Prozess der ,Due Diligence’ (Kaufprüfung) befänden.

In einer Mitteilung an die Mitarbeiter heißt es dagegen, dass in den Verhandlungen noch keine wesentlichen Fortschritte erreicht wurden und eine kurzfristige Lösung nicht zu erwarten sei. Gerüchte über ein Interesse der französischen La Poste, die die Pin Group gemeinsam mit einem Finanzinvestor kaufen will, wollte der Sprecher nicht kommentieren.

Die Franzosen sind bereits mit dem Paketdienst DPD in Deutschland stark vertreten. Sie brächten auch das nötige Geld zur Sanierung der Pin mit. Doch gilt die Übernahme aus rechtlicher Sicht als außerordentlich problematisch, da Frankreich seinen Briefmarkt im Gegensatz zu Deutschland noch nicht für ausländische Konkurrenten geöffnet hat. Daher verzögert sich die Kaufprüfung offenbar, was wiederum für viele Töchter das Ende bedeutet.

Denn Ende Februar läuft für die 37 insolventen der rund 90 Pin-Gesellschaften die Zahlung des Insolvenzgeldes aus. Damit sind mehr als 7 000 der insgesamt 9 000 Arbeitsplätze bei der Pin-Gruppe bedroht. Kübler hat außerdem weitere Insolvenzen nicht ausgeschlossen. Er räumte ein, dass auch „regionale Lösungen“ geprüft würden. Hier gebe es zahlreiche Interessenten.

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