Tausende Touristen evakuiert
Seebeben trifft Reisebranche hart

Die großen europäischen Reiseveranstalter sind von dem Seebeben in Südasien schwer getroffen worden. Für die nächsten Wochen wurde sämtliche Reisen in die Region gestoppt. Zehntausende Touristen, darunter allein 10 000 aus Deutschland, mussten teils mit Sonderflügen aus den Krisenregionen evakuiert werden.

HB HANNOVER/FRANKFURT. Langfristig wurden allerdings nicht unbedingt mit schweren Einbußen für die in den vergangenen Jahren bereits von Anschlägen, Krieg und Epidemien getroffenen Touristikwirtschaft gerechnet.

Die deutsche Reisebranche macht nach Angaben der großen Veranstalter TUI, Thomas Cook (mit dem Veranstalter Neckermann) und Rewe Touristik mit ITS, Dertour und Meier's nur etwa ein Prozent ihres Gesamtumsatzes in den betroffenen Urlaubsregionen in Thailand, Sri Lanka oder auf den Malediven. Insofern gab es zunächst keine großen Befürchtungen hinsichtlich wirtschaftlicher Einbußen. Während die Urlaubsflüge in die Region zum Teil bis Mitte Januar gestrichen wurden, gab es bei den internationalen Linienfluggesellschaften wie Lufthansa keine Flugänderungen durch das Beben.

Für die Touristikwirtschaft in Südasien hingegen, die in den Regionen Haupteinnahmequelle ist und für die in den nächsten Jahre ein starkes Wachstum erwartet wurde, bedeutet das Beben einen schweren Rückschlag. Allein Thailand zählt jährlich rund zehn Millionen Urlauber aus aller Welt. Aus Deutschland reisten in diesem Jahr rund 400 000 Menschen nach Thailand, 78 000 auf die Malediven und 75 000 nach Sri Lanka. Die Welt-Tourismus-Organisation zählt Südasien zu den wichtigsten Touristikregion der Welt mit Wachstumsraten von gut sechs Prozent im Jahr. Bis 2020 sollte sich so die Zahl der Urlauber pro Jahr auf 19 Millionen fast verdoppeln. Ob diese Prognose nach dem stärksten Beben seit 40 Jahren aufrechterhalten werden kann, galt am Montag bei Touristikern als zweifelhaft.

Die Veranstalter hatten am Montag erhebliche Mühe, sich einen Überblick über mögliche Tote und Verletzte und Schäden an Hotels und Stränden zu verschaffen. Unter den weit mehr als 20 000 Todesopfern in den vom Beben und Riesenflutwellen überraschten Insel- und Küstenregionen rund um den Indischen Ozean befanden sich zahlreiche Touristen, darunter auch deutsche Urlauber. Zunächst war Montag von vier deutschen Opfern die Rede. Behörden wie Reiseveranstalter gingen davon aus, dass sich diese Zahl noch erhöhen könnte.

Die Reiseunternehmen TUI, Thomas Cook (Veranstalter Neckermann), Rewe Touristik (ITS, Dertour, Meier's) und andere verlängerten die Frist für kostenlose Umbuchungen bis zu Abflugterminen Mitte Januar. TUI strich bis 16. Januar sämtliche Flüge nach Sri Lanka und nach Phuket, der Urlaubshochburg im Süden Thailands. Für die Inselgruppe der Malediven im Südwesten Indiens rechnet TUI dagegen schon nach dem Jahreswechsel wieder mit einer weitgehend normalen Lage.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen beurteilten die Reisekonzerne zurückhaltend. Der börsennotierte Marktführer TUI gab sich als einziger optimistisch, dass angesichts der geringen Bedeutung des Südasien-Geschäfts keine nennenswerten Einbußen zu erwarten seien. Mit einer generellen Zurückhaltung bei den Urlaubsbuchungen für die kommenden Monate rechnet TUI nicht. Das Reisegeschäft in Südasien mache rund ein Prozent des TUI-Touristikumsatzes pro Jahr aus. „Unser Hauptgeschäft machen wir rund um das Mittelmeer“, sagte TUI-Sprecher Mario Köpers.

Der Deutsche Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV) sah sich zu keiner Prognose in der Lage. „Wir brauchen erst einmal eine Bestandsaufnahme“, sagte DRV-Präsident Klaus Laepple. „Für seriöse Aussagen zu den wirtschaftlichen Folgen ist es noch zu früh“, sagte auch Thomas Cook-Sprecher Rolf-Dieter Grass. Bei der Rewe Touristik hieß es, sicherlich werde es einige Einbußen geben. Wie schnell die Touristen wieder in die betroffenen Gebiete zurückkommen, hänge davon ab, wann es Fernsehbilder von aufgeräumten Stränden und wieder intakten Hotels gebe, sagte Sprecherin Anke Dannler.

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