Techem
In Eschborn wackelt der Burgfrieden

Das Schlagwort „Heuschrecke“ ist im Bezug auf die aktuelle Generation von Finanzinvestoren eine häufig verwendete Vokabel. Auch der Energiedienstleister Techem muss sich mit beteiligten Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen auseinandersetzen, denn die setzen alles daran, Gewinn zu erzielen.

FRANKFURT. Friedensverträge sind nicht von Dauer. Das gilt für die große Politik, aber auch für die freie Wirtschaft. Und so werden nur wenige Wochen nach dem Burgfrieden zwischen Management, Hedge-Fonds und Private-Equity-Firmen beim Energiedienstleister Techem wieder die Waffen in Position gebracht. In der der Techem-Zentrale in Eschborn riecht es mächtig nach neuem Streit.

Vor allem die Hedge-Fonds rund um Elliot International rüsten auf. Es geht – wie immer – um eines: einen höheren Aktienkurs. Man will raus aus Techem, schließlich ging ein erster Versuch, mit den Eschbornern im Zuge der Übernahmeofferte des australischen Private-Equity-Hauses Macquarie Kasse zu machen, gründlich daneben. Fonds und Australier blockierten sich, die Übernahme musste abgeblasen werden.

Was ein den Investoren genehmer Aktienkurs ist, das bleibt freilich ein Geheimnis. Nur eben wesentlich höher als die aktuellen gut 51 Euro sollte er sein. Dass Analysten den Wert der Techem derzeit im Schnitt auf knapp unter 50 Euro taxieren, juckt in London keinen. Dort zeigt man auf den deutschen Rivalen Ista. Für gut 2,4 Mrd. Euro ging dieser jüngst an den Finanzinvestor Charterhouse – ein Deal, den die Branche angesichts der aggressiven Finanzierung mit hochgezogenen Augenbrauen kommentiert hat und den Techem-Chef Horst Enzelmüller wohl schon so manches Mal verflucht haben dürfte. Denn umgerechnet auf die Bewertung von Techem bedeutet das einen Kurs von mehr als 60 Euro.

„Diese Bewertung von Ista ist nur möglich, weil sich ein Finanzinvestor engagiert hat und die Schulden auf das Unternehmen lädt“, kontert Enzelmüller das Ansinnen der Fonds. Doch der Druck auf den Techem-Chef, der aus seiner kritischen Meinung zu den Finanzinvestoren keinen Hehl macht, wächst. Denn längst ist da eine neue Dimension, mit der die Fonds argumentieren. Statt wie bisher nur von der Optimierung der Bilanzstruktur zu palavern, geht es ans Operative, ist die Rede von einer Auslagerung der IT oder einer Verkleinerung des Außendienstes; Themen also, die irgendwie ein längerfristiges Interesse signalisieren.

Alles Dinge, die er längst auf der Agenda habe, winkt Enzelmüller ab. „Natürlich würde auch ich mir wünschen, dass das schneller geht. Aber die IT zu richten, das ist ein sensibles Thema, das seine Zeit braucht. Erst dann können wir über den Außendienst reden“, sagt er und weiß doch: Der Streit ist nicht aufzuhalten.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%