Teilprivatisierung genehmigt
Mehdorn will russische Staatsbahn

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn liebäugelt mit einem Einstieg der russischen Staatsbahn beim deutschen Schienenkonzern. Der Osten sei ein Wachstumsmarkt hieß es dazu aus Berlin. Gleichzeitig machte der Bahn-Aufsichtsrat den Weg für eine Teilprivatisierung frei.

HB BERLIN. "Ich hätte keine Einwände, wenn sich die russische Bahn beteiligt", sagte Mehdorn in Berlin. Die Deutsche Bahn arbeite mit der russischen Bahn bei der Zugverbindung nach China schon heute sehr eng zusammen, und im Gegensatz zu Westeuropa sei der Osten ein Wachstumsmarkt. Die russische Bahn hat Interesse an dem Konzern erkennen lassen und erklärt, sie werde über einen Einstieg beraten. In der Politik gibt es dagegen jedoch Bedenken. Mehdorn schloss auch eine Beteiligung der französischen Konkurrenz nicht aus. Schließlich bekämen die Investoren keinen Einfluss auf das operative Geschäft, argumentierte er.

Ob der größte deutsche Börsengang dieses Jahres wie geplant im Herbst über die Bühne gehen kann, hängt auch vom Zustand des krisengeschüttelten Kapitalmarktes ab. "Wenn es die Situation nicht hergibt, müsste man auch über einen Termin im nächsten Jahr nachdenken. Das sehen wir aber im Moment nicht", sagte Bahn-Finanzvorstand Diethelm Sack. Auch ansonsten ist der Konzern flexibel. "Der Herbst geht bis zum 21. 12. dieses Jahres", betonte er. Derzeit sehe die Entwicklung der relevanten Indizes "ganz gut" aus, die Lage wäre "okay" für das Börsendebüt. Mit dem Abschluss größerer Akquisitionen sei erst wieder nach der Platzierung der Aktien zu rechnen.

Im Bahn-Aufsichtsrat nahm die Teilprivatisierung am Mittwoch eine weitere Hürde: Das Gremium stimmte dem Beteiligungsvertrag mit dem Bund zu, der die strukturellen Voraussetzungen für den Börsengang des letzten großen Staatskonzerns schafft. Die Vorbereitungen für den Börsengang laufen derweil auf Hochtouren. Unter anderem mussten die Kennzahlen der einzelnen Konzernsparten für die neue Börsen-Struktur umgerechnet werden. Danach entfallen für 2007 29,9 Milliarden der rund 31 Milliarden Euro Gesamtumsatz auf die neue Börsentochter. Ihr werden auch 6,3 Milliarden der insgesamt netto 16,5 Milliarden Euro Schulden zugerechnet. Vom operativen Gesamtergebnis vor Sondereffekten (Ebit) von 2,4 Milliarden Euro entfallen 1,9 Milliarden Euro auf die Börsentochter.

Die sogenannte Equity Story, also die Darstellung von Chancen und Risiken der Firma für Investoren, sei formuliert und den Banken vorgestellt, sagte Sack. Der Konzern hebe dabei auf die Megatrends Umwelt, CO2-Ausstoß sowie die Globalisierung mit ihren offenen Grenzen ab, erklärte Mehdorn. In all diesen Bereichen spüre die Bahn Rückenwind, der wegen der steigenden Energiepreise auch anhalten dürfte. Auch der Nahverkehr sei trotz der jüngsten Auseinandersetzungen in Nordrhein-Westfalen und der Gefahr, Ausschreibungen zu verlieren, kein Risikofaktor. Er sei vielmehr ein wichtiger Umsatzbringer mit Erlösen, die dreieinhalb mal so hoch lägen wie im Fernverkehr. Mehdorn bekräftigte, die Bahn ziele vor allem auf institutionelle Anleger ab. Sie würden in Europa und Asien angesprochen. Auch für Privatanleger gebe es in Europa und Japan eine Quote, hinzu komme das Mitarbeiterprogramm für Beschäftigte in Deutschland. In den USA werde es kein direktes Angebot geben, die Investoren dort könnten sich jedoch auch über Frankfurt oder London mit Aktien versorgen.

Bei der Dividendenpolitik werde sich die Deutsche Bahn im Marktumfeld bewegen, kündigte Mehdorn an und nannte die Bahnen in Amerika und Japan als Vorbild. Außerdem spielt nach den Worten Sacks das örtliche Zinsniveau eine Rolle. Für die Investoren wolle die Bahn eine solide Anlage sein, sagte Mehdorn. "Wir werden nicht so volatil sein wie AOL, wo es Ausschläge gibt", erklärte er. "Zum Spekulieren sind wir nicht geeignet". Die von der Politik erzwungene Beschränkung auf den Verkauf von nur 24,9 Prozent der Verkehrssparte spielte die Bahn-Spitze in ihrer Bedeutung herunter. Dies werde die Nachfrage nicht hemmen, sagte Sack voraus. "Wir kaufen nicht jemand ein, der uns eine Strategie erklären soll, sondern präsentieren eine runde Strategie", betonte er. Die Begrenzung bedeutet, dass die Investoren keinen Einfluss auf das operative Geschäft erhalten.

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