Teldafax
Russische Eigentümer sehen sich getäuscht

Die russischen Geldgeber prüfen rechtliche Schritte gegen das Management des insolventen Stromversorgers. Viele der Verantwortlichen kassierten vor der Pleite noch kräftig ab.
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DüsseldorfDie russischen Eigentümer, die in den vergangenen Monaten 100 Millionen Euro in den Stromanbieter Teldafax investierten und verloren, haben rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen eingeleitet. „Die internationale Großkanzlei DLA Piper wurde damit beauftragt, mögliche Ansprüche zu prüfen“, bestätigte Aufsichtsratschef Wolfram Scharff auf Anfrage des Handelsblatts. „Die Investoren sehen sich getäuscht.“

Scharff, der den Investoren hinter der Beteiligungsgesellschaft Prime Mark seit Jahren nahesteht, wollte sich zu Details nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft Bonn hatte die Geschäftsräume von Teldafax am Montag durchsucht. Sie ermittelt gegen ehemalige und aktuelle Vorstände sowie diverse Führungskräfte des Stromanbieters wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung und des gewerbsmäßigen Betrugs. Ingesamt sind neun Personen beschuldigt.

Nach Informationen des Handelsblatts haben sich Manager an den Schaltstellen von des Stromanbieters noch kurz der Insolvenz hohe Beträge gesichert. Die Überweisungsliste aus der Teldafax-Buchhaltung für Mai, dem letzten Monat vor der Insolvenz, zeigt, dass der bereits im März ausgeschiedene Ex-Chef Klaus Bath immer noch mehr als 17.000 Euro netto erhielt. Dem neuen Vorstand Alexander Kutz, der erst 2009 bei einem Gehalt von rund 4000 Euro brutto in der Marketingabteilung anfing, wurden ebenfalls mehr als 17.000 Euro ausgezahlt. Und die Leiterin der Rechtsabteilung ließ sich wenige Wochen vor dem Insolvenzantrag neben ihrem Gehalt noch Hunderte von Überstunden auszahlen – insgesamt erhielt sie so 17.100 Euro netto.

Insolvenzspezialisten sehen darin einen klassischen Fall: „Es kommt oft vor, dass sich Leute an den Schaltstellen noch kurz vor der Insolvenz die Taschen füllen“, sagte der Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Klaus Kollbach. „Das sind natürlich alles Vorgänge, die sich der Insolvenzverwalter genau anschauen muss.“

Ebenfalls lukrativ war der desolate Stromanbieter für diverse Berater, die sich in den letzten Monaten um Teldafax kümmerten. So rechnete der als Vorstandschef verpflichtete Sanierungsspezialist Hans-Gerd Höptner monatlich 65.000 Euro ab. Höptner wies auf Anfrage darauf hin, dass das Honorar Mehrwertsteuer enthalte.

Höptners Forderungen wurden wiederum übertrumpft von den Summen, die die Sanierungsberatung Struktur Management Partner (SMP) bei Teldafax abrechnete. Nach Angaben aus dem Aufsichtsrat von Teldafax erhielt die Beratungstruppe um Geschäftsführer Konrad Fröhlich seit dem Frühjahr rund 1,5 Millionen Euro.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Teldafax: Russische Eigentümer sehen sich getäuscht"

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  • So richtig kann ich das auch nicht glauben, dass die Russen da 100 Mio. versengt haben. Das wären 50 % ihres Portfolios.
    Auf ihrer WebSite heißt es:
    Prime Mark is a financial investment corporation that offers the widest possible array of financial solutions for private and portfolio investments to private and corporate investors in Russia and abroad. The companies of the group provide such services as asset management, financial consulting, mergers and acquisitions and international tax planning. Prime Mark manages over EUR 200 million worth of assets.

    Also, noch nicht mal eigenes Geld. Ob die Russen wirklich so blöd sind? Wohl eher nicht. Ich glaube, dass der Herr Josten das alles seit langer Hand vorbereitet hat und die Kundengelder (Vorauszahlungen) irgendwie bei ihm angekommen sind. Vielleicht haben die Russen ein paar Euro bekommen und sind dafür bemerkenswert still gewesen als man sie als großen Investor vorführte.

    Jedenfalls ist dieses Jahr für Unterhaltung im Sommerloch gesorgt.

  • Also, lasst uns mal kurz resümmieren: TelDaFax ergattert von irgendwelchen russischen Investoren (garantiert auch eine weitere Briefkastenfirma von M. Josten) rund 100 Mio. Euro. Und diese Kerle sollen die ganzen Monate lang nicht gewusst haben, wo sie dieses Geld hineingepumt haben?

    Das sollen wir, diesem Artikel zu Folge, also glauben?

    Ne, ne, so geht das hier nicht! Erst einen Haufen Geld verbrennen und sich dann darüber beschweren, dass man angeblich getäusch worden ist.

    Ich würde eher sagen, die ominösen Russen haben gar keine 100 Mio. investiert, sondern sich nur verpflichtet, der Debi Select (die faktische Eigentümerin von TelDaFax) in bestimmten zeitlichen Abständen Gelder zu überweisen. Und als die Russen rausbekommen haben, was für Strukturen da vorhanden (oder nicht vorhanden!) sind, haben sie einfach aufgehört, die nächsten Tranchen zu überweisen. Und schon war der Schwarze Peter wieder bei Debi Select. Man sollte vielleicht einfach mal besser googeln!

    Liebe Handelsblatt-Journalisten: wenn ihr schon Stories zum Besten geben wollt, dann versucht wenigstens, richtig abzuschreiben, bevor ihr hier Theorien von 100 Mio.-Zahlungen verbreitet. Glaub ihr allen Ernstes, dass irgendein Investor so viel Geld in eine so unsichere Sache investieren würde, OHNE erst einmal alles auf Herz-Nieren-Lunge-Augen zu prüfen???

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