Telefondienstleister
Call-Center geraten in die Klemme

Der früheren Wachstumsbranche der Call-Center-Betreiber droht eine Zerreißprobe. Ein ruinöser Preiskampf auf der einen Seite und massive Lohnforderungen auf der anderen Seite treiben die Telefondienstleister in die Enge. In dieser Situation fordert die Gewerkschaft auch noch einen Mindestlohn von 9,50 Euro.

DÜSSELDORF. "Wir gehen von einem weiteren Preisdruck in der Call-Center-Branche aus", sagte Jano Koslowski, Finanzdienstleistungsexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte dem Handelsblatt. "Das Problem ist, dass die Zahl der Telefonate zurückgeht. Es gibt einen Volumendruck ähnlich wie in der Druckindustrie", ergänzt ein Sprecher des Branchenprimus Arvato.

Die Bertelsmann-Tochter schließt deshalb Kurzarbeit oder den Abbau von Arbeitsplätzen nicht aus. Vor allem die Schwäche der Telekommunikationsbranche spüren die Telefondienstleister mit voller Wucht. Weniger Handys und weniger DSL-Anschlüsse bedeuten auch weniger Arbeit für die Telefonisten.

In dieser Situation fordert jetzt die Kommunikationsgewerkschaft DPV für die rund 450 000 Beschäftigten der Call-Center-Branche einen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde. "Wir wenden uns gegen Hungerlöhne", sagte DPV-Chef Volker Geyer am Montag dem Handelsblatt. Bei vielen Unternehmen seien derzeit noch fünf und sechs Euro durchaus üblich. Heute werden Gewerkschafter und Betriebsräte in Bonn ihren Forderungskatalog veröffentlichen.

Insbesondere junge Unternehmen mischen die Branche auf. "Sie versuchen, sich über Lohndumping einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen", berichtet ein Marktteilnehmer. "Es gibt nicht einmal einen Arbeitgeberverband, mit dem man einen Tarifvertrag schließen kann, der dann für die Branche für allgemeinverbindlich erklärt werden kann", klagt DPV-Chef Geyer.

Doch nicht nur kleine und neue Call-Center sondern auch Marktführer Bertelsmann mit seiner Dienstleistungstochter Arvato ist ins Visier der Arbeitnehmervertreter geraten. "Die Bezahlung in den Call-Centern von Arvato ist kein Ruhmesblatt für Bertelsmann. Teilweise werden dort nur zwischen fünf und sieben Euro pro Stunde gezahlt", kritisiert Gewerkschaftschef Geyer. Bertelsmann habe beispielsweise ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Telekom massiv unter Druck gesetzt. Die Beschäftigten sollten laut DPV beispielsweise in Potsdam einen Arbeitsvertrag unterschreiben, der ihnen 30 Prozent weniger Einkommen bescheren würde.

Arvato weist diese Kritik zurück. Den Beschäftigten würde nur in den ersten zwölf Monaten ein Stundenlohn unter sieben Euro gezahlt, sagte ein Sprecher. In Potsdam liefen allerdings Gespräche mit den Betriebsräten über die Zukunft des Standorts. Mitarbeiter seien aber nicht unter Druck gesetzt worden.

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