Tengelmann verkauft an Edeka
„Wir sehen keine Perspektive mehr“

Knaller im Lebensmitteleinzelhandel: Die Tengelmann-Gruppe verkauft ihre Supermärkte an den Konkurrenten Edeka. Gesellschafter Haub sieht keine Perspektive mehr, das Geschäft seines Vaters fortzuführen.
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DüsseldorfDie Supermärkte der Tengelmann-Gruppe wechseln den Besitzer. Nach Informationen des Handelsblatts gehen die Kaiser's-Supermärkte an den Konkurrenten Edeka. In einem Statement kündigte Tengelmann an, die Supermarkttochter Kaiser's Tengelmann zum 30. Juni 2015 an Edeka abzugeben. Zum Verkaufspreis äußerte sich das Unternehmen nicht. Darüber haben die beiden Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. Die kartellrechtliche Zustimmung steht noch aus.

Bereits im Sommer hatte das Mülheimer Handelshaus angekündigt, sein defizitäres Supermarktgeschäft zu überprüfen. „Das Ergebnis der Analyse ist auf schmerzliche Weise eindeutig“, sagt Karl-Erivan Haub, Geschäftsführender und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann. „Wir sehen leider keine Perspektive mehr, unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen.“

Kaiser's besitzt nach Angaben von Tengelmann lediglich einen Marktanteil von 0,6 Prozent. Die Supermarktkette betreibt 451 Filialen in Deutschland und beschäftigt knapp 16.000 Mitarbeiter. Tengelmann selbst gibt einen Nettoumsatz von 1,8 Milliarden Euro aus.

Nach Unternehmensangaben hat sich die Familie Haub lange „gegen einen Verkauf des Traditionsgeschäftsfeldes gesträubt“, hieß es in einem Statement. „Zu erkennen, dass der Verkauf unseres Supermarktunternehmens letztlich unausweichlich wurde, war für meine Familie und mich persönlich sehr schwer“, sagte Haub demnach. Nun hofft er, den Mitarbeitern mit diesem Schritt eine Zukunftsperspektive bieten zu können.

Neben Kaiser's sollen auch die Online-Töchter an Edeka gehen. Dazu zählen die beiden Internetportale Plus.de und GartenXXL.de. Sie soll laut Tengelmann in die Edeka-Tochter Netto integriert werden. Dort habe der Onlineshop „deutlich größere Marktchancen“ denn als alleiniger Spieler, so Haub. Edeka-Chef Markus Mosa gab an, dass dies nach dem Zusammenschluss von Plus und Netto vor sechs Jahren „ein weiterer wichtiger und strategischer Entwicklungsschritt“ sein werde.

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Tengelmann will Anteile an Obi, Tedi und Netto behalten

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  • Zu klein, zu wenig produktiv und unter Druck auch der Online-Konkurrenz.

    Edeka hat es mit dem Konzept selbständiger Kaufleute leichter, denn vor Ort läßt sich eine Menge variieren, wenn man seine Kundschaft dort sehr gut kennt.

    Zwar ist die Konzentration der Ketten im Einzelhandel zu beklagen.
    Andererseits können die Kleinen nur in recht engen Spezialsegmenten überleben, deren Konzept von den Ketten dazu immer öfter in ihren Bereich hinein kopiert wird.

    Wahrlich keine leichte Entscheidung der Kartellbehörde.

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