Terminalgebühren verhindert
Streit um Flughafen Hahn

Hahnenkampf um den Flughafen Hahn: der Billigflieger Ryanair konnte die von den Eigentümern geforderte Einführung der Terminalgebühren verhindern. Der Streit um den defizitären Flughafen geht damit in die nächste Runde.
  • 0

HB FRANKFURT/MAIN. Nach dem vom Hauptkunden Ryanair erzwungenen Stopp von neuen Terminalgebühren am Flughafen Hahn zeichnet sich Streit zwischen den drei Eigentümern des Flughafens ab. Hessen sei nicht bereit, auf Dauer die Defizite des Hunsrück- Flughafens zu tragen und damit Strukturpolitik des Landes Rheinland- Pfalz zu finanzieren, erklärte das hessische Finanzministerium am Dienstag in Wiesbaden. Auch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hatte als Haupteigentümer klargemacht, dass er keine andauernden Verluste akzeptieren werde und alle Optionen prüfe. Als möglicher Käufer gilt das Land Rheinland-Pfalz.

Derzeit gehören 65 Prozent des Flughafens Hahn der Fraport AG und jeweils 17,5 Prozent den Ländern Rheinland-Pfalz und Hessen. Fraport selbst gehört mehrheitlich dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt. Das Land Hessen erwarte bei einem Ausstieg allerdings die Rückerstattung seiner investierten Mittel, erklärte das Ministerium. Ein Sprecher bezifferte die Summe auf 16 Millionen Euro.

Der Flughafen Hahn hatte ursprünglich eine Terminalgebühr von drei Euro pro Passagier erheben wollen, um aus den roten Zahlen zu kommen. Ryanair ist mit vier Millionen Passagieren der mit Abstand größte Kunde des Flughafens und hatte daraufhin gedroht, seine elf dort stationierten Maschinen abzuziehen. "Wir müssen nicht in Rheinland- Pfalz sein, wir müssen nicht einmal unbedingt in Deutschland sein", bekräftigte Ryanair-Vize Michael Cawley. Ryanair bediene 150 Flughäfen in Europa und spreche mit weiteren 200 Airports. Drei Euro Mehrkosten für den Passagier seien für Ryanair nicht hinnehmbar.

Nach dem Stopp der Terminalgebühren durch das Land Rheinland-Pfalz will Ryanair nun an seinem größten deutschen Standort weiter expandieren. "Nur mit den günstigsten Tarifen kann man auch künftiges Passagierwachstum sicherstellen", sagte Ryanair-Verkaufschefin Anja Seugling am Dienstag in Frankfurt.

Ryanair schloss auch nicht aus, selbst einen Minderheitsanteil zu übernehmen. "Wenn die rheinland-pfälzische Landesregierung das wollte, würden wir darüber nachdenken", sagte Ryanair-Vize Cawley. "Aber wir kaufen lieber Flugzeuge als Flughäfen."

Die Diskussion zeigt nach Experten-Meinung, wie gefährlich es ist, wenn ein Flughafen stark von nur einem einzigen Billigflieger abhängig ist. "Das ist dann so ähnlich wie Erpressung", sagte der Generalsekretär des Luftfahrt-Verbandes Barig, Martin Gaebges. "Man hat sich in eine hohe Abhängigkeit begeben." Im Verband Barig sind die meisten in Deutschland aktiven Airlines vertreten, nicht aber der Billigflieger Ryanair.

Kommentare zu " Terminalgebühren verhindert: Streit um Flughafen Hahn"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%