Terra Firma-Konkurrenten erwarten Stellenabbau und Druck auf Mieter
Viterra-Verkauf erhitzt Gemüter der Finanzinvestoren

agr/pk/rob DÜSSELDORF. Der Preis für die 138 000 Wohnungen der Eon-Tochter Viterra erhitzt die Gemüter. Für sieben Mrd. Euro hat die Deutsche Annington Immobilien Gruppe (DAIG) – eine Tochter des Finanzinvestors Terra Firma – in Kooperation mit der Citibank den Zuschlag erhalten; die Mitbieter Cerberus und Fortress lagen Finanzkreisen zufolge mit ihren Offerten deutlich unter der Bankbewertung von Viterra mit 6,5 Mrd. Euro. Den Verkehrswert der Immobilien hatte die Eon-Tochter Ende 2004 bei 5,6 Mrd. Euro festgestellt. Während die Konkurrenz glaubt, dass sich der Deal für Terra Firma „nie und nimmer rechnen wird“, halten die Käufer dagegen. „Wir haben einen fairen Preis gezahlt“, sagt David Pascall, Deutschland-Geschäftsführer von Terra Firma.

Kritiker der Transaktion rechnen vor, dass bei einer Bewertung von 6,5 Mrd. Euro und rund 90 Prozent Kreditfinanzierung für den Erwerb die Verschuldung von Viterra auf rund 5,85 Mrd. Euro steigt. Das bedeute selbst bei attraktiven Konditionen durch die Citigroup für Zinsen und Schuldentilgung eine jährliche Belastung von 120 bis 150 Mill. Euro für das Unternehmen. Diese sei nur zu bewältigen, indem die neuen Eigentümer massiv Stellen abbauten bei den 1 600 Mitarbeitern von Viterra und Druck machten bei der Mieterprivatisierung der Wohnungen.

Terra Firma verweist im Gegenzug auf die günstige Kreditfinanzierung für den Deal, außerdem habe sich Citigroup Property Investors mit 17,5 Prozent bei der DAIG beteiligt, so dass das Risiko auf eine weitere Schulter verteilt werde. Die institutionellen Geldgeber von Terra Firma könnten mit einer Rendite auf das Eigenkapital von 20 Prozent rechnen. Das Unternehmen geht davon aus, dass in den kommenden drei Jahren rund 20 Prozent der Wohnungen privatisiert werden.

Das Viterra-Wohnungspaket ist durch „eine freiwillige Selbstverpflichtung“ für mehr Mieterschutz versehen. Bei Einzelverkäufen verpflichtet sich Viterra, die Wohnungen zunächst den Mietern oder deren Angehörigen anzubieten, dann anderen Mietern aus der Siedlung. Eigenbedarfskündigungen sind zehn Jahre ausgeschlossen. Mieter ab 65 haben ein lebenslanges Wohnrecht. Bei Mehrfamilienhäusern gilt das aber nicht automatisch. Hier gibt es eine Härtefallregelung, nach der Mieter ein lebenslanges Wohnrecht beantragen müssen. Den Löwenanteil der Verkäufe machen aber gerade Häuser oder ganze Siedlungen aus, wie eine Viterra-Sprecherin bestätigte.

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