Terror schadet Fluggeschäft
Luftfahrt fürchtet Ende des Höhenflugs

Wenn die nachgebenden Börsenkurse vieler Fluggesellschaften als verlässliche Frühindikatoren taugen, muss sich die Luftfahrt weltweit auf neue Turbulenzen und die nächste Finanzkrise einstellen. Investoren fürchten nach dem Terror-Alarm in Großbritannien weiter steigende Kosten für Sicherheitsleistungen sowie rückläufige Passagierzahlen im Geschäftsreiseverkehr.

FRANKFURT. Unberechtigt ist die Sorge nicht: Zwar wurde die Sicherheitswarnung in Großbritannien gestern von der höchsten Stufe „critical“ („kritisch“) auf die zweithöchste Stufe „severe“ („ernst“) gesenkt. Dennoch ließ der britische Airport-Betreiber BAA den Flugplan an Europas größtem Luft-Drehkreuz London-Heathrow erneut um 30 Prozent stutzen, weil die verschärften Passagierkontrollen noch keinen reibungslosen Betrieb zulassen. Das britische Brokerhaus Collins Stewart schätzt allein die direkten Kosten der Flugausfälle bei British Airways auf etwa 50 Mill. Pfund (74 Mill. Euro). Schmerzhaft dürften darüber hinaus die indirekten Umsatzeinbußen sein, wenn Vielflieger künftig die Zahl ihrer Geschäftsreisen einschränken oder verstärkt auf Privatjets umsteigen könnten.

Diesem Krisenszenario entsprechend liegen die Nerven vor allem rund um die Metropole London blank. So warf British-Airways-Vorstandschef Willie Walsh dem Management des Flughafenbetreibers BAA öffentlich „Unfähigkeit“ vor. Michael O’ Leary, Chef des Billigfliegers Ryanair, sah die Situation an Londons Flughäfen „auf einen Kollaps“ zusteuern und forderte die Behörden auf, von ihrer strikten Personenkontrolle abzurücken. Sie sieht vor, dass jeder einzelne Passagier per Hand abgetastet werden muss. Allein bei British Airways fielen in den vergangenen Tagen rund 900 Flüge aus.

In einer chronisch margenschwachen Branche, die angesichts rekordhoher Flugbenzinpreise und steigender Überkapazitäten jeden Cent benötigt, sorgt der neuerliche Terroralarm für Krisenstimmung – auch jenseits des Atlantiks. Während die internationalen Börsen den Terroralarm von London insgesamt schnell verdauten, war der Druck auf Aktien großer amerikanischer Fluglinien enorm: Der Kurs von AMR, der Mutter der weltgrößten Fluggesellschaft American Airlines, sackte am Freitag mehr als sieben Prozent in die Tiefe. Continental Airlines verloren ebenfalls sieben Prozent, während Papiere der Konzernmutter von United Airlines, UAL Corp., um fünf Prozent nachgaben. Gestern machten die US-Fluglinien nur einen Teil dieser Verluste an der Börse wett.

Die Ermittler der vereitelten Terrorattacken in Großbritannien vermuten, dass ausschließlich Jets großer US-Fluggesellschaften auf dem Weg von London in die USA zum Absturz gebracht werden sollten. In den Staaten weckt das unweigerlich Erinnerungen an den 11. September 2001, als Terroristen vier Flugzeuge von American Airlines und United Airlines entführten. Alle großen US-Fluggesellschaften flogen anschließend dicht am Rande des Ruins vorbei. United, Delta und Northwest Airlines flüchteten sich unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts (Chapter 11) und setzten in diesem Verfahren milliardenschwere Einsparungen durch. Ein Knick der seit 2003 deutlich steigenden Passagierzahlen, den die sich eintrübende US-Konjunktur ohnehin erwarten lässt, stellt die krisenerprobten US-Fluglinien vor die nächste schwere Bewährungsprobe.

Seite 1:

Luftfahrt fürchtet Ende des Höhenflugs

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%