Terrorwarnung
Händler wappnen sich gegen Anschläge

Meldungen über die Festnahme von Terrorverdächtigen halten das Gefühl der Bedrohung wach. Kaufhäuser und Weihnachtsmärkte erhöhen jetzt die Sicherheitsvorkehrungen und verstärken das Wachpersonal – nur darüber reden wollen sie nicht. Besonderes Augenmerk gilt abgestellten, herrenlosen Koffern.
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BERLIN/DÜSSELDORF. Nein, ob man das Sicherheitspersonal aufgestockt habe, wolle man lieber nicht sagen – und öffentlich schon gar nicht, heißt es bei Kaufhof. Stattdessen bemüht sich die Kölner Warenhauskette um demonstrative Gelassenheit. Man besitze seit langem ein einheitliches Sicherheitskonzept, sagt ein Sprecher. Und nun habe man eben „aufgrund der aktuellen Sicherheitslage in allen Filialen nochmals zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen“.

Auch der Handelsverband HDE, der sich in den vergangenen Tagen mit Betreibern großer Kauf- und Warenhäuser sowie Einkaufszentren beriet, warnt vor Panikmache. „Die Einzelhändler haben ihre Mitarbeiter sensibilisiert“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth dem Handelsblatt. „Der Kunde kann sicher einkaufen.“

Die Terrorwarnung von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hätte Deutschlands 400 000 Ladenbetreiber zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt treffen können. Ausgerechnet zum Start ins lukrative Weihnachtsgeschäft, das manchem Einzelhändler bis zu einem Drittel des Jahresumsatzes bringt und in diesem Jahr aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs besonders üppig ausfallen soll, warnt die Bundesregierung vor islamistischen Attentätern.

Dass dabei große Menschenansammlungen das Ziel eines Terroranschlags sein könnten, wie Sicherheitsexperten vermuten, beschäftigt den Bundesverband Deutscher Schausteller. Die Budenbetreiber auf den 2 500 deutschen Advents- und Christkindlmärkten würden ihre Wachsamkeit erhöhen und stärker auf verdächtige Personen sowie Gegenstände achten, sagte dessen Präsident Hans-Peter Arens. Aber auch er will „keine Panik verbreiten“.

Doch der Handel ist aufgeschreckt, denn die Gefahr ist nicht aus der Luft gegriffen. Vor zehn Jahren hatte eine algerische Gruppe einen Sprengstoffanschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geplant. Erst in letzter Minute konnte die Polizei den Anschlag verhindern. Für den Einzelhandel wird damit eine Horrorvision beschrieben: Eine gefüllte Fußgängerzone, ein Markt oder Einkaufscenter – und ein Terroranschlag.

In die Karten schauen lassen sich die Einzelhändler bei ihren Sicherheitsbemühungen nur ungern. „Bei uns herrscht business as usual“, sagt die Sprecherin des Berliner Kulturkaufhauses Dussmann. „Wir verlassen uns darauf, dass unsere Kunden und Mitarbeiter künftig verstärkt auf verdächtige Gegenstände oder Personen achten.“

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