Tesco mit gutem Weihnachtsgeschäft
Supermarktriese schlägt gegen Aldi und Lidl zurück

Seit Jahren setzen die deutschen Discounter Tesco zu. Doch ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft wächst die britische Supermarktkette wieder. Doch Euphorie ist fehl am Platze: Aldi und Lidl rollen den Markt weiter auf.

LondonEs ist der Hoffnungsschimmer, auf den Dave Lewis lange gewartet hat. Seit dem Amtsantritt des im Herbst 2014 als Retter herbeigerufenen neuen Chefs des größten britischen Einzelhandelsriesens Tesco kennt die Entwicklung des kriselnden Konzerns nur eine Richtung: abwärts. Doch ausgerechnet das wichtige Weihnachtsgeschäft auf der Insel lief für den schwächelnden Giganten nun besser als erwartet.

So holt Großbritanniens größte Supermarktkette trotz des Preiskampfs im Lebensmitteleinzelhandel mit den deutschen Discountern Aldi und Lidl wieder auf. Im sechswöchigen Weihnachtsgeschäft, das bis zum vergangenen Samstag lief, erzielte das Unternehmen in Großbritannien ein flächenbereinigtes Umsatzplus von 1,3 Prozent – und schafft damit eine überraschende Wende. Marktbeobachter waren von einem erneuten Rückgang ausgegangen. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Minus von 0,3 Prozent gestanden.

Für Lewis sind die Ziffern ein dringend ersehntes Lebenszeichen im schwierigen Abwehrkampf. Das unerwartete Plus schürte am Markt deshalb die Hoffnung, Tesco könnte die schlimmsten Zeiten hinter sich gelassen haben: die Aktien legten in London zeitweise sechs Prozent zu.

Denn bisher steckte der Handelsgigant tief in der Krise. So haben sich für den Giganten vor allem Aldi und Lidl auf dem wichtigen Heimatmarkt zu gefährlichen Konkurrenten entwickelt. Der Preiskampf und hausgemachte Probleme hatten Tesco im vergangenen Geschäftsjahr den höchsten Verlust in seiner 96-jährigen Firmengeschichte eingebrockt.

Seit Jahren laufen den großen Ketten wie Asda, Sainsbury und Marktführer Tesco zunehmend die Kundschaft davon, weil viele Briten verstärkt bei den deutschen Discountern Aldi und Lidl einkaufen. Die Umsatzzahlen und Marktanteile der großen Supermarktketten schrumpfen, Tesco wurde zudem noch von einem imageschädigenden Bilanzskandal erschüttert, als aufflog, dass die Halbjahreszahlen des Konzerns vor zwei Jahren nicht stimmten. Nun schöpft Tesco wieder Hoffnung. „Es gibt noch eine Menge zu tun, aber wir haben gute Fortschritte gemacht und bewegen uns innerhalb der Gewinnprognosen für das gesamte Jahr", erklärte Lewis.

Der herbeigerufene neue Chef, der vom Markenartikel-Hersteller Unilever kam, hat dem Konzern eine Radikalkur verordnet. Bei seinem früheren Arbeitgeber erwarb sich der Mann aus Yorkshire den Spitznamen „Drastic Dave“ – also der drastische oder bedrohliche Dave. Er hatte 2007 die britische Unilever-Sparte auch mithilfe Hunderter Entlassungen erfolgreich saniert. Ein Vorgehen, das er nun auch bei Tesco anwendet.

43 unprofitable Geschäfte werden geschlossen, der Firmensitz in Chesnut wird dicht gemacht, die Investitionen um die Hälfte gestrichen und ein neuer Preiskampf mit der Konkurrenz angezettelt. Um sich finanziell Luft zu verschaffen, begann Tesco zudem damit, Randgeschäfte zu verkaufen. Im zurückliegenden Jahr waren das beispielsweise die Supermärkte in Südkorea. Es ist Maßnahmenpaket, das nun offensichtlich seine erste Wirkung zeigt.

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Aldi und Lidl eilen von Rekord zu Rekord

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