Teurer Mitarbeitertransport
Letzter Aufruf für Alitalia

Um die Privilegien der Alitalia-Belegschaft näher zu betrachten, lohnt es, morgens um 7.45 Uhr den Flug 1022 von Rom Fiumicino nach Mailand Malpensa zu buchen. Von den rund 80 Plätzen des Airbus A320 sind in der Regel mehr als die Hälfte mit Alitalia-Mitarbeitern in ihren schicken blau-grünen Uniformen besetzt.

HB MAILAND. Obwohl sie in Mailand stationiert sind, ziehen die Crewmitglieder das Dolce Vita in der Ewigen Stadt dem Leben in der nebeligen Lombardenmetropole vor. Alitalia macht’s möglich und fliegt die Herrschaften jeden Tag gen Norden, damit sie ihren Arbeitstag in Mailand pünktlich um 9 Uhr beginnen können. Nach Feierabend geht es zurück, mit Alitalia natürlich und kostenlos. Die Rechnung ist gesalzen: 58 000 Stunden bezahlte Pendlerstunden plus den Preis für die Tickets, die die Gesellschaft im Jahr rund 13 Millionen Euro kosten.

Der enorme Aufwand für den Mitarbeiter-Shuttle ist nur ein Grund unter vielen, warum in diesen Tagen in der Alitalia-Konzernzentrale nahe des Römer Flughafens Fiumicino mal wieder um das Schicksal des mehrheitlich staatlichen Unternehmens gerungen wird. Die Alitalia, die wie Pizza und Pasta zum italienischen Selbstverständnis gehört, befindet sich in der tiefsten Krise ihrer 57-jährigen Geschichte. Ähnlich wie der Autohersteller Fiat hat sie als einstiger Stolz der Nation einen steilen Niedergang hinter sich: Lange her sind die Zeiten, als die Fluggesellschaft 1964 mit Papst Paul VI. das erste katholische Kirchenoberhaupt durch die Lüfte flog.

Trotz zweier Kapitalerhöhungen in den letzten sieben Jahren sind die Kassen leer – so leer, dass der Konzern ohne den Einschuss frischer Gelder ab Oktober keine Löhne und Gehälter, geschweige denn das Kerosin bezahlen kann. Tag für Tag verbrennt Alitalia zwei Millionen Euro. Zwar hat die EU bereits einen vom Staat garantierten Überbrückungskredit genehmigt. Den aber wird Konzernpräsident Giancarlo Cimoli nur dann anfordern, wenn die Gewerkschaften dem lebensnotwendigen Abbau von 25 Prozent der Arbeitsplätze, Mehrarbeit und Lohnkürzungen zustimmen.

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