Teurere Tickets
Die Bahn stimmt ihre Kunden auf neue Renditeziele ein

Kurz vor den Feiertagen ist das Fahren mit der Deutschen Bahn zum Teil deutlich teurer geworden. Doch das ist erst der Anfang. Der Konzern will im kommenden Jahr einen Rekordgewinn einstreichen.
  • 7

BerlinKurz vor Beginn der Reisezeit vor den Feiertagen ist das Fahren mit der Deutschen Bahn zum Teil deutlich teurer geworden. Mit dem am Sonntag in Kraft getretenen Fahrplanwechsel stiegen die Normalpreise im Fern- und im Nahverkehr im Schnitt um 3,9 Prozent. Auch Wochen, Monats- und Jahreskarten kosten künftig mehr, genauso die Bahncard und viele Pauschaltickets für den Nahverkehr wie das Schöne-Wochenend-Ticket. Die Sparpreise im Fernverkehr bleiben hingegen gleich.

Die teils empfindlichen Preiserhöhungen hatte die Bahn mit deutlich gestiegenen Personal- und Energiekosten begründet. Deutlich mehr Geld müssen Kunden teilweise auch für Sitzplatz-Reservierungen zahlen, die künftig einen einheitlichen Preis von vier Euro haben. Bei Buchung im Internet kostete die Reservierung bisher nur 2,50 Euro in der zweiten Klasse, im Reisezentrum oder per Telefon war sie mit 4,50 Euro etwas teurer.

Mit den Preiserhöhungen stimmt die Bahn ihre Kunden auf neue Renditeziele ein: Trotz Rezessionsgefahren und der Krise im deutschen Güterverkehr will das Unternehmen im kommenden Jahr einen Rekordgewinn einfahren. Das Betriebsergebnis soll internen Unterlagen zufolge rund 2,75 Milliarden Euro betragen und damit um rund ein Fünftel im Vergleich zu 2011 steigen.

Der Umsatz soll erstmals die 40-Milliarden-Marke knacken, wie aus den internen Zahlen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag vorlagen.

Wichtigste Sparten werden demnach das staatlich subventionierte Schienennetz mit rund einer Milliarde Euro Gewinn sein sowie der ebenfalls mit Steuergeldern gestützte Nahverkehr mit ähnlichem Ergebnis. Bis 2016 soll es weiter aufwärtsgehen: Der Umsatz soll 50 Milliarden Euro erreichen, der Gewinn auf 3,8 Milliarden Euro steigen. Der Konzern wollte sich dazu nicht äußern. Auch der "Spiegel berichtet, dass die Bahn mit dem steuerfinanzierten Schiennetz mehr Geld verdienen will.

In diesem Jahr wird der Konzern den Planungen zufolge das Gewinnziel mit einem Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) von 2,3 Milliarden Euro leicht verfehlen, was vor allem auf die Güterbahn zurückzuführen ist. Der Umsatz des Konzerns soll 38,4 Milliarden Euro betragen.

Im Gegensatz zum Güterverkehr, der vor allem unter hohen Instandhaltungskosten leidet und der jetzt auf seine Rentabilität überprüft wird, geht der Konzern davon aus, dass IC und ICE im Fernverkehr im kommenden Jahr ihre Gewinne um mehr als 60 Prozent steigern.

Die Umstellung des Fahrplans zu Mitternacht verlief nach Angaben eines Bahnsprechers wie geplant. „Wir sind sehr gut in den dritten Advent gestartet“, die Situation sei am Sonntag entspannt gewesen. Die Umstellung betrifft nach Bahnangaben 27.000 Züge, die täglich im Nah- und Fernverkehr unterwegs sind.

Nach Angaben des Sprechers ist die Bahn auch auf die Wintermonate gut vorbereitet. So seien zusätzliche Abtaukapazitäten in fünf Instandhaltungswerken geschaffen worden. Fast alle der 48.000 Weichen, die im Personenverkehr eine Rolle spielten, verfügten mittlerweile über Heizungen. Für die Schneeräumung seien 19.600 Mitarbeiter eingeplant, doppelt so viele wie im Vorjahr. An den Bahnhöfen wurden 2800 zusätzliche Schriftanzeiger in Betrieb genommen, um die Fahrgäste besser über Verspätungen informieren zu können. Im vergangenen Winter war die Bahn wegen zahlreicher Verspätungen und Zugausfälle zum wiederholten Mal in die Kritik geraten.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Teurere Tickets: Die Bahn stimmt ihre Kunden auf neue Renditeziele ein"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Tja, die Bahn lernt halt von den Billigfliegern und den eBay-Anbietern, die bei 1-€-Auktionen 6,90 € Versandkosten verlangen, obwohl das Porto nur 3,80 € beträgt.

  • Selber Schuld
    Wir wollten es doch so. Haben wir nicht immer den Börsengang der Bahn gewünscht? Zu denken ein Unternehmen wäre an der Börse ohne das Ziel der Gewinnmaximierung ist doch ziemlich einfältig. Natürlich sollten die Verkehrssysteme wie Straßen, Bahn und Binnenschifffahrt nie privatisiert werden, da sie für die Versorgung und das Gedeihen einer Volkswirtschaft essentiell sind, wie auch die Energieversorgung und die Kommunikationseinrichtungen. Aber da haben die Politiker eben andere Vorstellungen und wie viele leider zu spät merken, ziemlich dumme.


  • Ich habe schon nächtelang auf dem Bahnportal verbracht. London für 49 Euro, Paris für 39 und Sparpreise für 29 Euro von Frankfurt nach Berlin wie in der Werbung angepriesen wird, sind einfach nie zu haben. Jedes andere Unternehmen muss hinreichend Produkte auf Lager haben oder zumindest lieferbar haben, wenn es so aggressiv damit wirbt. Werbung ist das eine, die Realität ist das andere. Zudem ärgert es mich, dass man in Berlin preislich gesehen (ABC-BVG Monatsticket 78 Euro) paradisische Zustände vorfindet, während man für die gleichen Streckenkilometer bspw. in Hessen im Monat 198 Euro hinblättern muss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%